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Panorama

26. Juli 2016 | 14:09 Uhr

Ärger um Schützenfeste : Schrumpfkur für die Gildevögel

vom

Die Gilden fürchten um ihre Schützenfeste - denn die Politik verlangt, dass der Gildevogel dünner wird. Der Holzkern darf künftig nur noch acht Zentimeter messen.

Kiel | Die Tradition ist uralt: Seit 800 Jahren schießen Mitglieder der Schützengilden auf Vögel aus Holz. Wer das oft kunstvolle Gebilde nach stundenlangem Wettbewerb mit finalem Schuss von der Stange holt, wird Schützenkönig. Doch jetzt macht Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) den Schützenvereinen das Leben schwer. Der Holzkern des Vogelkorpus darf künftig nur noch acht Zentimeter dick sein. Bislang durften die 23.000 Mitglieder in den rund 1000 Schützenvereinen und Gilden im Norden auf Vogelattrappen schießen, deren Holzkern 15 Zentimeter maß. Die Schrumpfkur per Schießstandsrichtlinie (in Kraft getreten im vergangenen Oktober) begründete das Ministerium mit Sicherheitsmaßnahmen in Folge des Amoklaufes von Winnenden.

Die Gilden, die erst jetzt den Ernst der Lage begreifen, sind verärgert. Sie fürchten um ihre Schützenfeste. "Wenn man den Vogel dünner macht, ist der Spaß schnell vorbei. Womöglich holt ihn der Bürgermeister schon mit dem ersten Schuss runter", fürchtet Margit Kunde vom Norddeutschen Schützenbund (Ndsb) in Stormarn. "Spätestens nach dem zehnten Schuss ist Schluss," prophezeit auch Wolfgang Sauer von der Altstädter Vogelschützengilde in Rendsburg. Bislang haben die Schützen "stundenlang gewetteifert und bis zu 600 Schuss gebraucht. Davon haben drei Viertel getroffen," sagt Sauer.

Ärger über behördlich gerupfte Vogelgröße

Umdenken muss auch Heinrich Möller vom "Geselligen Verein Bujendorf" in Ostholstein. "Unser Vogel ist ein richtiges Kunstwerk", schwärmt Möller. Damit ist bald Schluss, denn mit 20 Zentimetern Rumpfdurchmesser ist der Vogel laut Friedrich-Richtline viel zu dick. "Ein Vogel mit nur acht Zentimeter Durchmesser - das spottet jeder Beschreibung. Dann ist die Tradition des Vogelschießens dahin", schimpft Möller über die behördlich gerupfte Vogelgröße.

Sauer ist auch Tjark-Guido Behrendt, 2. Ältermann der Altstädter St.-Knudsgilde von 1449 in Schleswig: "Unsere Schießanlage wird vor jedem Schützenfest behördlich abgenommen. Sie ist also sicher. Was diese neue Richtlinie aus dem Innenministerium bewirken soll, vermag ich nicht zu verstehen". Der Holzvogel benötigte eine gewisse Stabilität. Sein Vogel habe deshalb einen 60 Zentimeter langen Korpus bei einer Flügelspannweite von einem Meter. "Ich wundere mich darüber, dass sich ein Innenministerium überhaupt mit einem solchen Thema befasst", so Behrendt.

Tradition wird "kaputtgemacht"

Dort wäschst man die Hände ein Unschuld. Die geforderte Materialstärke des Vogels von 80 Millimeter astfreiem Weichholz "lässt keinen Schluss zu, dass die Gesamtproportion hinsichtlich seiner Fläche verkleinert werden müsste", teilte ein Ministeriumssprecher am Montag mit.

Doch mit solchen Aussagen lässt sich die Chefin des Kreisschützenverbandes Kiel nicht abspeisen. "Ständig wird auf den Amoklauf von Winnenden verwiesen, um gegen uns Propaganda zu machen und uns zwischen den Mühlsteinen bürokratischer Auflagen zu zerreiben", sagt Hilde Burmeister. Statt den traditionsreichen Schützensport "kaputt zumachen", sollte der Minister besser seine eigenen Hausaufgaben machen - "zum Beispiel kontrollieren, was Bürger mit ihrer Waffenbesitzkarte alles kaufen." Mit der Karte würden teilweise Waffen erworben, die für den Sport gar nicht benötigt würden. "Gefährlich ist nicht das Schießen auf einen zu dicken Vogel, sondern die Pumpgun, die sich jemand mit der Waffenbesitzkarte einfach holen kann", schimpft Hilde Burmeister.

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erstellt am 12.Mär.2013 | 06:47 Uhr

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