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Aggressive Bettlerbanden in SH : Rosenverkäufer in Rendsburg festgenommen – Polizei warnt

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Sie verteilen Rosen und bedrängen Passanten, um Spenden für ein angeblich krankes Kind einzutreiben.

Rendsburg | Professionelle Bettlerbanden gehen in Schleswig-Holstein immer aggressiver vor. Am Dienstag ist ein neuer Fall in Rendsburg bekannt geworden. Die Polizei nahm ein Rosenverkäufer-Duo vorläufig fest. Die 25-jährige Frau und der 20-jährige Mann verteilten Rosen an Passanten in der Innenstadt. Im Gegenzug wollten sie eine Spende. Doch bei einem kleinen Betrag sollte es nicht bleiben. „Wenn ein kleiner Bargeldbetrag gegeben wurde, versuchte man aggressiv noch mehr abzufordern“, teilte die Polizei mit. Das Duo öffnete ein Notizbuch, in dem das Foto eines angeblich kranken Kindes abgebildet war – und ein deutscher Text mit der Bitte um Hilfe. Das Duo forderte in „nötigender Art und Weise“ mehr Geld für das Kind. Zudem sollten die Spender in dem Buch unterschreiben.

Viele Banden täuschen Gebrechen oder Krankheiten vor, um an das Geld von Passanten zu gelangen – teilweise mit aggressiven Methoden. Damit verschrecken sie nicht nur Menschen, die potenziell bereit sind, Almosen zu geben. Wirklich Bedürftige gehen im schlimmsten Fall leer aus.  

„Halten Sie bewusst Abstand zu diesen Personen“, rät Polizei-Sprecher Rainer Wetzel.  Bereits Anfang Februar waren in der Rendsburger Innenstadt mehrfach aggressiv bettelnde Rosenverkäufer unterwegs.

Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Kiel wurden die mitgeführten Notizbücher und Zettel sowie der an diesem Tag bis dahin erlangte Bargeldbetrag sichergestellt. Gegen die beiden Bettler wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Sie werden des gewerbs- und bandenmäßigen Betruges beschuldigt. Die Frau war zuvor zur Fahndung ausgeschrieben.

In den vergangenen Wochen gingen bei der Polizei im Norden gleich mehrfach Beschwerden über aggressive Bettlerbanden in Schleswig-Holstein ein. In Elmshorn wurden Zettel verteilt, auf denen um Geld und Unterstützung gebeten wurde. Die Polizei erstatte Anzeige wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betruges. In Neumünster klingelten zwei Frauen und zwei Männer an Haustüren, „um sich zunächst radebrechend und gestikulierend nach dem Weg zum nächsten Discounter zu erkundigen und anschließend zu betteln“, wie es von der Polizei hieß. Zu Straftaten sei es allerdings nicht gekommen. In Rendsburg warnt die Polizei nun vor „derart aggressiv bettelnden Personen, die bei passender Gelegenheit erfahrungsgemäß nicht vor Diebstählen zurückschrecken.“ Und weiter: „Informieren Sie umgehend über 110 die Polizei. Aufgrund ihrer Dreistigkeit ist damit zu rechnen, dass die Bettler erneut in der Stadt auftreten.“


Betteln um Strafe

Banden schaden Bedürftigen – ein Kommentar von Dieter Schulz

Jemandem helfen, dem es schlechter geht als einem selbst. Mitgefühl zeigen, etwas Gutes tun: Es gibt viele Gründe, Almosen zu geben, mildtätig zu sein. Genauso viele Gründe kann es geben, dass jemand eben auf diese Gaben angewiesen ist und keinen anderen Ausweg sieht, als zu betteln. In vielen Religionen gilt das Spenden von Almosen als Pflicht der Gläubigen, wird als Sieg über Selbstsucht und Geiz gefeiert.

Das Leben als Bettler kann auch selbst gewählt sein und hat bisweilen eine eigene Würde, besonders bei Bettelorden oder Einsiedlern. In Deutschland ist Betteln seit Mitte der 70er-Jahre straffrei und – weil hierzulande ja auch wirklich alles gründlich geregelt ist – grundsätzlich steuerfrei. Es wäre auch des Guten für den Bundesfinanzminister zu viel, würde er vom Elend der Ärmsten profitieren.

Ein regelrechtes Armutszeugnis dagegen ist der lasche Umgang mit jenen, die durch das Vortäuschen von Behinderungen, Krankheiten oder Notlagen die Geber betrügen, die durch Betteln mithilfe von Kindern oder Tieren Mitleid erzwingen wollen oder die durch aggressives Bedrängen die Spender regelrecht nötigen. Hier müssen klare Verbote her, und diese müssen dann auch durchgesetzt werden. Wer betrügt oder nötigt, begeht Straftaten und bettelt geradezu um Strafe.

Dieses Durchgreifen gilt nicht nur dem Schutz der Bürger, die Gutes tun wollen und dann regelrecht abgezockt werden. Sondern vor allem dem Schutz jener, die wirklich bedürftig sind. Die zumeist aus Osteuropa stammenden „aggressiven Bettler“ ziehen bandenmäßig von einer Stadt zur anderen und hinterlassen durch ihr Gebaren „verbrannte Erde“. Wer einmal fünf Euro gegeben hat, dafür bedrängt wurde und der sofort mehr Geld geben sollte, wird sich zwei Mal überlegen, ob er noch einmal ein Almosen spendet. Auch wenn dann ein tatsächlich Notleidender demütig um Hilfe bittet.

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erstellt am 08.Mär.2017 | 11:27 Uhr

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