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Panorama

04. Dezember 2016 | 03:02 Uhr

Wetter in Schleswig-Holstein : Regionale Unterschiede: Schnee im Süden, Sonnenschein im Norden

vom

Lauenburg versank unter einer dicken Schneedecke, auf Sylt blieb es trocken. shz.de mit einer Wetterbilanz - und -vorschau.

Kiel | Einige bauten Schneemänner vor dem Haus - andere wanderten bei strahlendem Sonnenschein durch den prächtig gefärbten Herbstwald. Während in Lauenburg teilweise bis zu 20 Zentimeter Schnee liegen blieben, fielen im Norden Schleswig-Holsteins in den vergangenen Tagen - wenn überhaupt - nur vereinzelt Flocken vom Himmel. Insbesondere südlich des Nord-Ostsee-Kanals (NOK) blieb der Schnee am Dienstag und Mittwoch sogar liegen. Auf der Insel Sylt war es in den vergangenen Tagen bei Temperaturen bis zu minus 5 Grad zwar bitterkalt, aber meist sonnig. Regen oder Schnee fiel hier nicht.

Grund für diese Wetter-Unterschiede sei die Zugbahn eines Tiefs, das von Niedersachsen, über Lauenburg bis nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen sei, sagt Meteorologe Sebastian Wache von Wetterwelt in Kiel. „Es hat eine Schneise von Schnee mitgebracht, die sich dann von Hamburg bis Ostholstein und Fehrmarn entladen hat.“ Den Norden habe der Ausläufer nicht erreicht.

In Schenefeld (Kreis Pinneberg) blieb der Schnee am Mittwoch liegen.

In Schenefeld (Kreis Pinneberg) blieb der Schnee am Mittwoch liegen.

Foto: Zoellner
 

Hatte der Nord-Ostsee-Kanal etwas mit dem Wetter-Unterschied zu tun?

Der NOK, der Mitten durch das Land zieht, halten viele für eine Wettergrenze. Er habe aber keine Auswirkungen auf die Schneefalll-Orte. „Das ist reiner Zufall, dass der Kanal so angelegt ist“, sagt Wache. Nördlich dieser imaginären Wettergrenze sei das Wetter manchmal anders. Das habe „absolut nichts“ mit dem NOK an sich zu tun, sondern viel mehr mit der Lage des Kanals, sagt der Meteorologe. „Diese diagonale Unterteilung passt zufällig gut zu regelmäßig wiederkehrenden Wetterbedingungen“, sagt er.

Verschneite Papageien in der Lübecker Dorfstraße.

Verschneite Papageien in der Lübecker Dorfstraße.

Foto: Holger Kröger
 

Das bestätigt auch ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach: „Der NOK wird gern in Wetterprognosen benutzt, um Schleswig-Holstein in Nord und Süd zu unterteilen.“ Anders als zum Beispiel die Elbe sei der Kanal zu schmal, um eine Wetterscheide darzustellen. Der Irrglaube würde häufig auch dadurch genährt, dass das Land nördlich des NOK schmaler sei. „Böen von der Nord- zur Südküste können dort leichter über das Binnenland ziehen“, sagt der Fachmann. Dadurch entstünde die Annahme, dass der Kanal das Land in zwei Wetterbereiche unterteilt.

Frostig muss es übrigens nicht sein, damit es schneit, sagen die Experten. Auch im Plusbereich - bei 4 bis 5 Grad - können weiße Flocken fallen. „Die Bodentemperatur hat nur wenig Auswirkungen auf den Schneefall“, sagt Wache. Allerdings bleiben die Kristalle länger liegen, wenn der Untergrund kalt ist.

In den Minusbereich gäbe es allerdings keine Grenzen: Auch bei sehr tiefen Temperaturen - wie in der Antarktis, wo bis zu 55 Grad unter Null gemessen werden (wie das Umweltbundesamt mitteilt) - schneit es. Allerdings kann es sein, dass dann eher Eis-und nicht Schneekristalle den Erdboden erreichen.

Der heftige Schneefall der vergangenen Tage hielt die Sanitäter in Grünhof-Tesperhude auf Trab.

Der heftige Schneefall der vergangenen Tage hielt die Sanitäter in Grünhof-Tesperhude auf Trab.

Foto: Timo Jann

Teilweise war der Schnee auf den Bäumen sogar lebensgefährlich geworden: Heftiger Schneefall  hatte in den lauenburgischen Wäldern dafür gesorgt, dass große Äste unter der außergewöhnlichen Last abbrachen. Grund dafür war unter anderem das viele Laub, das noch immer an den Bäumen hängt, weil Herbststürme bisher ausgeblieben sind. Dadurch würde sich vor allem in Eichen und Buchen viel Schnee halten, sagt André Guiard, Förster des Eigenbetriebs Kreisforsten aus Hamwarde. Er rät, Wälder zurzeit zu meiden, sollte das nicht gehen, sollten die Hauptwege nicht zu verlassen werden.

Die Feuerwehren im Lauenburgischen waren am Dienstag und Mittwoch rund 50 Mal ausgerückt, um umgestürzte Bäume zu beseitigen oder lose in Baumkronen hängende abgebrochene Äste zu bergen.

Mit Baggern wurden die Äste beseitigt.
Mit Baggern wurde die Äste beseitigt. Foto: Timo Jann
 

Am Mittwochabend hatte der Schnee für eine Vollsperrung der B 5 zwischen Geesthacht und Lauenburg gesorgt. Wegen des massiven Schneebruchs an den Bäumen im Grünhofer Forst war die Straße bis Donnerstag, 17 Uhr, in beide Richtungen gesperrt. Man könne die Sicherheit der Autofahrer auf der vor allem von Pendlern stark frequentierten Bundesstraße nicht mehr gewährleisten, teilte die Polizei mit.

In Hamburg hat der erste vorwinterliche Schneefall die Stadtreinigung auf Trab gehalten. Ab 1 Uhr in der Nacht seien am Dienstag zwölf Fahrzeuge im Einsatz gewesen, um die Straßen zu räumen, sagte ein Sprecher der Stadtreinigung. Bei Bedarf sei gestreut worden, etwa auf Brücken. Weitere sechs Fahrzeuge hätten sich um Zusatzstrecken wie anliegerfreie Gehwege und Radwege gekümmert. „Wir waren mit der kompletten Mannschaft in Rufbereitschaft“, sagte der Sprecher.

Regen statt Schnee - Das Wetter in den nächsten Tagen

Nachdem im Herzogtum-Lauenburg in der Nacht zum Mittwoch noch minus 9 Grad gemessen wurden, soll es ab Donnerstag wieder wärmer werden. „Das ist wirklich selten, dass es im November schon so kalt ist“, sagt der DWD-Meteorologe. Jetzt soll der Schnee aber im ganzen Land wieder in Regen übergehen. Am Tag klettert das Thermometer im nördlichsten Bundesland auf 2 bis 4 Grad. In der Nacht bleibt es - zunächst bis Dienstag - frostig. Im südlichen Schleswig-Holstein kann es weiterhin schneien: Liegen bleibt aber nichts, weil der Boden inzwischen zu warm ist. Besonders in Ostseenähe kann es regnen - die Nordsee bleibt davon eher verschont.

Überfrierender Regen hatte in der Nacht zum Freitag sowie am frühen Morgen für glatte Straßen in Schleswig-Holstein gesorgt. Mehr Unfälle als an anderen Tagen habe es auf rutschigen Straßen nicht gegeben, sagte ein Sprecher der Regional-Leitstelle Nord in Harrislee. „Zwei Fahrzeuge sind in den Graben gerutscht - sonst war alles ruhig.“

Aktuelle Verkehrsmeldungen finden Sie jederzeit unter shz.de/verkehr.

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erstellt am 11.Nov.2016 | 11:41 Uhr

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