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Panorama

06. Dezember 2016 | 22:52 Uhr

Verdacht auf Hygienemängel : Razzia auf Schlachthof in Bad Bramstedt

vom

Plötzlich stehen Zoll, Polizei und Staatsanwaltschaft auf dem Hof: Bei Vion in Bad Bramstedt soll unsauber gearbeitet worden sein. Die Vorwürfe: Verstöße gegen das Lebensmittelgesetz und das Tierschutzgesetz.

Bad Bramstedt | Dienstagmittag in Bad Bramstedt: In einem Gewerbegebiet im Norden der Stadt im Kreis Segeberg fahren mehrere Polizei- und Zollfahrzeuge auf den Hof eines Fleisch erzeugenden Betriebs. Vertreter der Staatsanwaltschaft Kiel haben einen Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Kiel dabei. Das Landwirtschaftsministerium habe Anhaltspunkte dafür, „dass es in den Firmenräumen zu Verstößen gegen das Tierschutzgesetz im Zusammenhang mit Schlachtungen gekommen ist“, erklärt Oberstaatsanwältin Birgit Heß. Darüber hinaus sollen sich einige Räume in „hygienisch bedenklichem Zustand befunden haben oder befinden“.

Laut Mitteilung der Staatsanwaltschaft soll das Unternehmen unter anderem gegen Paragraph 17 des Tierschutzgesetzes verstoßen haben. Er verbietet es, einem Wirbeltier „aus Roheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen“ zuzufügen. Bis zu drei Jahre Haft oder Geldstrafe drohen bei Verstoß. Darüber hinaus hat das Unternehmen möglicherweise Fleisch in Umlauf gebracht, das nicht für den Verzehr geeignet war.

Auf dem Gelände sind mehrere Firmen ansässig, unter anderem der niederländische Lebensmittelkonzern Vion. Dieser wehrt sich gegen die Anschuldigungen: Der Vorwurf von angeblichen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz und das Lebensmittelgesetz seien für Vion Food nicht nachvollziehbar, teilt der Konzern mit. Die Geschäftsführung von Vion Food Deutschland habe der Staatsanwaltschaft Kiel die volle Unterstützung bei ihren Ermittlungen zugesagt. Alle Betriebsabläufe seien dokumentiert und transparent, heißt es weiter. „Die Unterlagen und elektronischen Erfassungen wurden den Behörden vom Unternehmen zur Verfügung gestellt.“

Vion in Bad Bramstedt ist eigenen Angaben zufolge einer der größten Rindfleischbetriebe in Norddeutschland mit bis zu 500 Schlachtungen am Tag. An dem Standort arbeiten 330 Menschen. Um 11 Uhr hatten die Ermittlungsbeamten laut Vion ihre Durchsuchungen der Produktions- und Bürogebäude begonnen. Die Produktion im Betrieb sei daraufhin gestoppt worden.

Das Unternehmen unterliege in allen Bereichen, von der Tieranlieferung über die Schlachtung bis hin zur Zerlegung, einer ständigen amtstierärztlichen Kontrolle, teilt Vion weiter mit. Die staatlichen Aufsichtsbehörden hätten bisher keine Einwände gegen die untersuchten Bereiche des Betriebs Bad Bramstedt erhoben. „Stellten die Amtstierärzte in der Vergangenheit im Produktionsprozess jedoch gelegentlich Verstöße gegen die strengen lebensmittelrechtlichen Richtlinien fest, wurden diese umgehend behoben“, heißt es weiter.

Eine Sprecherin des Landwirtschaftsministerium bestätigte, dass ihr Haus die Staatsanwaltschaft Kiel eingeschaltet habe, ohne das Unternehmen zu nennen, gegen das sich der Verdacht richtet. Minister Robert Habeck (Grüne) sagte, grundsätzlich gelte: „Wir töten Tiere, um sie zu essen. Aber wir dürfen sie nicht über Gebühr quälen oder ihnen Leiden zufügen. Tierschutzvorschriften müssen penibel eingehalten werden.“

Die Ermittler werten nun sichergestelltes Material aus. Zu Ergebnissen der Durchsuchung geben sie bislang keine Auskunft.

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erstellt am 25.02.2014 | 17:42 Uhr

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