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Panorama

25. September 2016 | 02:17 Uhr

40-jähriges Jubiläum : "Pro Vieh"will im Einzelhandel Partner gewinnen

vom

Der Verein "Pro Vieh" streitet seit 40 Jahren für mehr Tierschutz in der Landwirtschaft. Im Kreis Plön fing alles an.

Kiel | Sie sind keine Fantasten. "Wir gehen nicht so weit, dass wir jedes Tier lebenslänglich auf der Weide stehen haben wollen", stellt Geschäftsführer Stefan Johnigk klar. Aber dass Stück für Stück mehr Tierschutz in der Landwirtschaft Einzug hält, dafür streitet der Verein "Pro Vieh" konsequent seit 40 Jahren. Am Sonnabend feiert die von Kiel aus bundesweit tätige Organisation mit einem öffentlichen Aktionstag im Freilichtmuseum Molfsee Geburtstag.
Dass "Pro Vieh" von Schleswig-Holstein aus wirkt, hat entstehungsgeschichtliche Gründe. Ins Leben gerufen wurde die Initiative unter dem Namen "Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung" am 15. Juni 1973 von zwei Schwestern aus Heikendorf (Kreis Plön): Margarete und Olga Bartling, die eine pensionierte Oberlandwirtschaftsrätin, die andere Lehrerin. "Nach einer Studienfahrt in einen Kälbermaststall beschlossen beide, sich für bessere Haltungsbedingungen einzusetzen", schildert Johnigk. Die Schwestern leisteten Aufklärung bei Schulen, Verbraucherorganisationen, Landfrauen, versuchten - nicht zuletzt wegen des beruflichen Hintergrunds der einen Gründerin - stets, sich auch in die Perspektive des selbstständigen Landwirts hineinzudenken. Gerade Johnigk ist auch von Schleswig-Holsteins Bauernpräsident Werner Schwarz als Gesprächspartner akzeptiert. 8300 Mitglieder zählt "Pro Vieh", rund 100 davon sind ihrerseits meist lokale Tierschutzvereine.
Als einen Meilenstein der jüngeren Vereinsgeschichte verbucht "Pro Vieh" das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2010, in dem die damalige Art der Kleingruppenhaltung von Legehennen als grundgesetzwidrig erklärt wurde. Als eine von gerade drei Fachorganisationen waren die Kieler vom Gericht im Vorfeld zu einem beratenden Gutachten aufgefordert worden. An Bedeutung gewinnt die Lobbyarbeit in Brüssel. "Weil sich viele unserer Anliegen nur auf EU-Ebene regeln lassen", so Johnigk, unterhält "Pro Vieh" dort seit sechs Jahren ein eigenes Referat. Dort drängt der Verein zum Beispiel darauf, dass die EU strenger hinguckt, wie Deutschland die Schweinehaltungsrichtlinie von 2003 umsetzt, oder darauf, dass weniger Schlachtnebenerzeugnisse verfüttert werden oder der Klimaschutz in der Haltung von Nutztieren stärker berücksichtigt wird.
Den Einzelhandel für mehr Tierwohl zu gewinnen, bildet einen weiteren Schwerpunkt der aktuellen Arbeit. Die Rewe hat er dafür als Partner gewonnen. Unter anderem beobachtet Johnigk, welche Verbesserungen deren neues Nachhaltigkeits-Siegel "Blue Planet" für die Hähnchenhaltung in den beteiligten Betrieben bringt. Allein in den letzten drei Monaten hat der Kieler dazu 24 Mastbetriebe und fünf Schlachthöfe besichtigt. "Wenn wir dicke Bretter bohren wollen, wäre es tierschutzmäßig falsch, rein auf bio zu setzen", sagt Johnigk. Zwar bevorzugt er die ökologische Landwirtschaft, weiß aber: "Das wird immer nur ein Teilmarkt sein." Dennoch befindet sich auch für besonders ambitionierte Verbraucher etwas in der Pipeline:"Tierhaltung mit Anteilnahme" lautet das Motto, durchaus doppeldeutig zu verstehen - emotional, aber auch wirtschaftlich. Konsumenten verpflichten sich, einem Hof ein Jahr lang im voraus Geld für Erzeugnisse aus besonders artgerechter Haltung zu zahlen. Einerseits können sie damit einen gewissen inhaltlichen Einfluss ausüben, umgekehrt erhält der Bauer so Planungssicherheit. Ein Putenmäster aus der Elbmarsch bei Pinneberg, ein Milchbauer aus der Nähe von Schleswig und ein Schweinezüchter aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg wollen aus dem nördlichsten Bundesland mitmachen.

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erstellt am 16.Jun.2013 | 07:45 Uhr

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