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Panorama

07. Dezember 2016 | 19:18 Uhr

Tag der Schleswig-Holsteinischen Geschichte : Mythen in SH: Vom Teufel und jähzornigen Wasserriesen

vom

Ob die Entstehung Helgolands, das Begräbnis Till Eulenspiegels oder Theodor Storms Schimmelreiter - SH ist das Land der Mythen. shz.de zeigt eine Auswahl.

Zahlreiche Mythen und Sagen werden seit Jahrhunderten von Generation zu Generation in Schleswig-Holstein überliefert. Beim ersten „Tag der Schleswig-Holsteinischen Geschichte“ wollen Historiker am 11. Juni in Rendsburg Besuchern diese näher bringen. Vom Roten Haubarg auf Eiderstedt, über die versunkene Stadt Rungholt bis hin zu Theodor Storms Schimmelreiter - shz.de hat die bekanntesten, wunderlichsten, skurrilsten und schaurigsten Überlieferungen aufgelistet. Eine Auswahl.

 

Der Rote Haubarg auf Eiderstedt:

Der Rote Haubarg in Witzwort auf Eiderstedt.  Foto: vb
Der Rote Haubarg in Witzwort auf Eiderstedt. Foto: vb

Stattliche Bauernhöfe mit großen Reetdächern, so genannte Haubarge, prägen das Bild der Nordseehalbinsel Eiderstedt. Ihr berühmtester ist der Hof „Roter Haubarg“ in Witzwort, um den eine der bekanntesten Sagen des Landes kursiert. Sein Besitzer, ein armer Bauer, verliebte sich in die Tochter des reichen Schmieds, die auch ihm nicht abgeneigt war. Ganz zum Ärger ihres Vaters, der sie nicht in den Armen eines armen Tölpels sehen wollte. Verzweifelt über die Ablehnung des Schmieds ging der Bauer einen Pakt mit dem Teufel ein: Wenn dieser ihm vor dem ersten Hahnenschrei ein stattliches Haus mit 100 Fenstern errichten könnte, würde er ihm seine Seele verkaufen, um seine Auserwählte ehelichen zu können. Als er sah, dass der Haubarg immer größer wurde und er verlieren würde, flüchtete er zur Tochter des Schmieds und deren Mutter und erzählte ihnen von dem teuflischen Pakt. Blitzgescheit schüttelte die Mutter den Hahn ihrer Hühnerschar, bis er schrie und rettete so die Seele des Bauern, denn der Teufel hatte gerade das 99. Fenster in das Haus eingesetzt. Wütend kehrte der Teufel in die Hölle zurück und der Bauer und die Tochter des Schmieds heirateten und lebten fortan glücklich in ihrem großen Haubarg. Eine Teufelsfigur, die auf einem Stein im Garten des Hauses sitzt, erinnert noch heute an die Geschichte.

 

Rungholt - „Atlantis des Nordens“:

Eine Karte zeigt das „alte Nordfriesland“, wo die Stadt Rungholt noch eingezeichnet ist.
Eine Karte zeigt das „alte Nordfriesland“, wo die Stadt Rungholt noch eingezeichnet ist. Foto: dpa

„Atlantis des Nordens“ wird die sagenumwobene Siedlung Rungholt auch genannt. 1362 fiel sie der „groten Mandränke“, einer verheerenden Sturmflut, zum Opfer. In den darauffolgenden Jahrhunderten entstand durch Schlickablagerungen die Hallig Südfall, wo einst in der Hafenstadt florierender Handel betrieben wurde. Bis Ende des 19. Jahrhunderts geriet Rungholt in Vergessenheit – dann spülte die Nordsee im Wattenmeer um die Hallig herum immer mehr Relikte der ehemaligen Siedlung frei. Deiche, Schleusen, Warften, Keramikscherben oder Waffen dokumentieren das einstige Bestehen Rungholts. Gold- und Silberschätze der Stadt bleiben jedoch bis heute im Schlick der See. Der Legende nach erklingen noch heute alle sieben Jahre in der Johannisnacht die Glocken der versunkenen Stadt – Zu hören ist der Glockenklang jedoch nur für Sonntagskinder.

 

Die Kartenspieler von Stellau:

Drei Brüder lebten in Stellau zusammen in einem Hause, beackerten ihre Felder, melkten ihre Kühe und kochten gemeinsam. Ihre Eltern lebten schon lange nicht mehr und keiner von ihnen hatte eine Frau. An einem Weihnachtsabend kamen die Brüder auf die Idee, ihre Langeweile mit einem Kartenspiel zu vertreiben. Ein befreundeter Knecht schloss sich ihnen an und sie spielten Stund um Stund  – am Abend des dritten Tages gesellte sich ein fünfter Mitspieler zu ihnen, ohne dass sie wussten, woher er kam oder wer er war. Das Spiel gewann an Fahrt: Der Einsatz wurde erst verdoppelt, dann verdreifacht, bis schließlich das Hab und Gut der Brüder auf dem Spiel stand. Als einem der Brüder eine Spielkarte unter den Tisch fiel, machte er eine entsetzliche Entdeckung: der leibhaftige Satan saß mit am Tisch. Sein Pferdefuß enttarnte ihn. Der fünfte Mitspieler verschwand so schnell, wie er gekommen war und hinterließ einen schrecklichen Gestank. Die vier Spieler gaben alles wieder zurück, was sie zuvor gewonnen hatten, vergruben das Geld des Teufels und fassten fortan keine Spielkarte mehr an.

 

Die Hexe von Eutin, die keine war:

Es gibt kaum einen anderen Teil der Natur, der so mit Gefühlen behaftet ist wie der Wal
Das Zeichen der Unschuld - ein Eichenbaum. Foto: Patrick Pleul

Nicht nur der Teufel trieb in SH sein Unwesen, auch Hexen soll es hier angeblich gegeben haben. In Eutin erzählt man sich von einer alten Frau, die zu Tode verurteilt wurde, weil man sie für eine Hexe hielt. Den Beweis dafür soll eine Wasserprobe geliefert haben, die man mit ihr auf dem Großen Eutiner See vollzog - wie eine Ente blieb sie oben treiben. Auf ihren Stock gestützt, stieg sie den Galgenberg hinauf ihrem Tod entgegen. Oben angekommen, steckte sie den Stock in den regennassen Boden und sprach: „So wahr Gott weiß, dass ich unschuldig bin, so gewiss wird er euch davon ein Zeichen geben und diesen Stock grünen lassen.“  Kurz nach ihrer Hinrichtung begann der Stock zu grünen, bekam Blätter und wuchs zu einer stattlichen Eiche heran - das Zeichen der Unschuld.

 

Was Ligur und Walguna mit Helgoland zu tun haben:

Der Zorn eines Wasserriesen soll der Grund für die Entstehung der Insel Helgolands sein.
Der Zorn eines Wasserriesen soll der Grund für die Entstehung der Insel Helgolands sein. Foto: dpa

Glaubt man den Überlieferungen, so geht die Entstehung Helgolands auf den Zorn des Wasserriesen Ligur zurück: Wo heute die Nordsee ihre Wogen schlägt, war das Gebiet zwischen dem Festland und Helgoland früher von Land bedeckt und von einem Hirtenvolk besiedelt. Als die Königin des Volkes eines Tages mit ihrer Tochter am Strand spazieren ging, stieg plötzlich der grausame Herrscher der Meere, der Wasserriese Ligur, aus der See empor und verliebte sich in die schöne Walguna. Weil sich die Königin wegen der Avancen jedoch um ihre Tochter sorgte, verbot sie ihr am Strand spazieren zu gehen und verheiratete Walguna mit einem Hirten. Zum Zorn Ligurs, der den Hirten in eine Muschel sperrte, diese an den Strand warf und seinen Untertanen befahl, das Land um die Muschel herum abzutragen. Das Land der Königin wurde verschluckt und um Walguna herum, die bei ihrem geliebten Hirten ausharrte, entstand die Insel Helgoland.

 

Der Deichgraf auf seinem Schimmel:

Sein Auftauchen deuten die Küstenbewohner als Vorboten eines Unheils: der Schimmelreiter. Foto: Uta Knizia
Sein Auftauchen deuten die Küstenbewohner als Vorboten eines Unheils: der Schimmelreiter. Foto: Uta Knizia
 

Der berühmteste Deichgraf Nordfrieslands reitet noch heute über das Land und wacht über die Deiche – so erzählt es eine Überlieferung, die Theodor Storm als Vorlage für seine Novelle „Der Schimmelreiter“ diente. Als nach einem strengen Frost plötzlich Tauwetter einsetzte und ein Sturm die See gegen den Eiderstedter Deich trieb, sahen die Küstenbewohner ein drohendes Unglück auf sie zu kommen. In der Nacht ritt der Deichgraf Hauke Hain auf seinem Schimmel zu den gefährdeten Stellen und gab Anweisungen, diese zu sichern. Er musste jedoch erkennen, dass sie chancenlos waren und gab schließlich Befehl, den Deich zu durchbrechen, um das Wasser einströmen zu lassen und so größeres Unheil zu vermeiden. Mit Unbehagen folgten die Arbeiter seinem Wort. Als das Wasser immer mehr Land bedeckte, wurden sie schließlich zornig und bedrohten den Deichgrafen. Der gab seinem Schimmel die Sporen und verschwand. Später sahen Wanderer den Deichgrafen aus dem Durchbruch hervorkommen. Seither – so die Legende – kommt der Reiter auf seinem Schimmel an stürmischen Tagen, als wolle er die Menschen vor der kommenden Flut warnen.

 

Das Begräbnis von Till Eulenspiegel:

Till Eulenspiegel und der steinreiche Marktplatz von Mölln. Foto: whe
Till Eulenspiegel und der steinreiche Marktplatz von Mölln. Foto: whe
 

Till Eulenspiegel ist der wohl bekannteste Schalk des Nordens. Um ihn rankt eine Vielzahl von Mythen. Nach langer Wanderung kehrte Eulenspiegel ins Lauenburgische zurück, um seine letzten Lebensjahre in Mölln zu verbringen. Zur Freude der Einwohner, bei denen sich der Schalk großer Beliebtheit erfreute, verdankten sie ihm doch großen städtischen Grundbesitz. Der Landesherr hatte den Einwohnern nämlich so viel Land versprochen, wie sie an einem einzigen Tag pflügen konnten. Eulenspiegel übernahm diese Arbeit und zog listig eine Furch in einem weiten Bogen um die Stadt – das Land innerhalb des Kreises wurde den Möllnern zugesprochen. Als Eulenspiegels Sarg bei seinem Begräbnis in die Grube gelassen wurde, riss der Strick und der Sarg stellte sich auf. „Wunderlich war er im Leben, so mag er es auch im Tod sein“, sagten die Möllner, ließen den Sarg stehen und schütteten die Grube zu. Sein Wanderstock wurde, wie es sich Eulenspiegel wünschte, auf das Grab gesteckt. Würde der Stock wachsen, so sei er in den Himmel gekommen, prophezeite Eulenspiegel– der Stock wuchs zu einer kräftigen Linde heran.

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erstellt am 02.Jun.2016 | 16:19 Uhr

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