zur Navigation springen

Panorama

22. Februar 2017 | 18:21 Uhr

Sylt : Meeresbiologen wollen Europäische Auster wieder in die Nordsee bringen

vom

Die Muschelart ist seit 1930 aus der Nordsee verschwunden. Biologen betonen ihre Bedeutung für das Ökosystem.

Hamburg | Meeresbiologen wollen die in der deutschen Nordsee ausgestorbene Europäische Auster wieder ansiedeln. In einem gemeinsamen Projekt suchen das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und das Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) nach geeigneten Standorten für den testweisen Besatz mit Muschelsaat. In Frage kämen die drei Natura-2000-Schutzgebiete Borkum-Riffgrund, das Sylter Außenriff und langfristig auch die weiter entfernte Doggerbank, sagte die Vize-Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, Karen Wiltshire, am Donnerstag in Hamburg.

In den Gebieten dürfe keine Bodenschleppnetz-Fischerei und kein Abbau von Sand oder Kies stattfinden. Geeignet sein könnten die Sperrzonen am Rande von Windparks. Man sei mit drei Windparkbetreibern im Gespräch, sagte die Leiterin des Wiederansiedlungsprojekts, Bernadette Pogoda.

Hintergrund des 854.000 Euro teuren Forschungsvorhabens ist die Bedeutung dieser Austernart (Ostrea edulis) für das Ökosystem. Die häufig vorkommende Pazifische Auster (Crassostrea pacifica) sei dagegen eine invasive Art, die aus naturschutzrechtlicher Sicht nicht gutgeheißen werden könne, sagte der Meeresbiologe Henning von Nordheim.

Der direkte Vergleich: Eine runde europäische (l.) und eine ovale pazifische Auster nebeneinander.
Der direkte Vergleich: Eine runde europäische (l.) und eine ovale pazifische Auster nebeneinander. Foto: Lemvig-Thyborøn Turistinfo
 

Die Europäische Auster war bis 1930 in der deutschen Nordsee verbreitet, wie die Präsidenten des Bundesamtes für Naturschutz, Beate Jessel, erklärte. Belegt sei ihr Vorkommen im nordfriesischen Wattenmeer seit 1241. Durch Überfischung seien die Austernbänke im 19. Jahrhundert verschwunden. Eiswinter und Stürme sowie Krankheiten und Parasiten hätten eine Erholung der Bestände verhindert. „Es ist ein Beispiel dafür, wie schnell die Übernutzung eines Bestandes eintreten kann“, sagte Jessel.

Die Europäische Auster wachse langsam, am liebsten auf dem Schalensubstrat der eigenen Art. Dadurch entstünden Riffe, die vielen anderen Tieren Nahrungsschutz und Kinderstube bieten würden, erklärte die Amtsleiterin. Eine Auster - egal ob Europäisch oder Pazifisch - filtere 240 Liter Meereswasser pro Tag. Eine Population könne dadurch toxische Algenblüten verhindern.

Die Austernart ist aber nicht überall ausgestorben, es gibt Restbestände in Norddänemark, in England, Schottland, Irland und Frankreich. Kürzlich wurde sogar eine Muschelbank vor der niederländischen Küste entdeckt. Teilweise wird die Europäische Auster auch gezüchtet. In Frankreich werden allerdings vor allem Pazifische Austern kultiviert, die am Atlantik in drei Jahren und am Mittelmeer in nur sechs Monaten die notwendige Größe erreichen. Auch auf Sylt ist die asiatische Art seit einigen Jahrzehnten verbreitet.

Im Unterschied zur Europäischen Auster bilde die Pazifische keine Riffe im Meer. Ihre betonharten Ablagerungen seien direkt an der Küste zu sehen, Jungtiere bevölkerten auch die Spundwände von Hafenanlagen, sagte Nordheim, der die Abteilung Meeresnaturschutz im Bundesamt leitet. Während die Europäische Auster selbst nicht unter Naturschutz steht, fordert die FFH- (Flora-Fauna-Habitat) Richtlinie der EU die Bewahrung und Wiederherstellung der Riffe.

Ob sich ein neu angesiedelter Bestand von Europäischen Austern gegen die pazifische Art behaupten könnte, ist nicht ganz klar. Projektleiterin Pogoda geht davon aus, dass die vor allem im Flachwasser lebende Pazifische Auster nicht in das 25 bis 30 Meter tiefe Wasser wandern wird, das die Europäische Auster bevorzugt.

zur Startseite

von
erstellt am 10.Nov.2016 | 16:57 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen