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Panorama

28. Februar 2017 | 18:12 Uhr

Journalisten sollen der Türkei beim EU-Beitritt helfen

vom

Kiel | Das deutsch-türkische Verhältnis ist so angespannt wie lange nicht mehr. Der Streit um Plätze beim Gerichtsprozess gegen NSU-Mitglied Beate Zschäpe verärgert die Türken. Ein wesentlicher Knackpunkt bleibt der Beitritt zur Europäischen Union. Bundeskanzlerin Angela Merkel hält Premier Recep Erdogan auf Abstand. Warum es dennoch zur Partnerschaft kommen sollte, diskutierten junge Journalisten des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages mit den Türkei-Experten Prof. Hans-Heinrich Driftmann, Prof. Recep Keskin, Baha Güngör und Bülent Uzuner an der Fachhochschule Kiel. Moderiert wurde der Abend von Stephan Richter, Sprecher der Chefredakteure unserer Zeitungen.

Anders als auf der weltpolitischen Bühne waren sich alle Gäste einig: Europa würde vom Beitritt der Türkei profitieren. Wirtschaftlich sei das Land so gut aufgestellt, dass es Europa auf den orientalischen und asiatischen Märkten Türen öffnen könnte. "Als ich vor Kurzem in Usbekistan war, habe ich in der Hauptstadt Taschkent - dort leben immerhin 2,5 Millionen Einwohner - kein einziges deutsches Auto gesehen", berichtet Bülent Uzuner, Vorstandsvorsitzender des IT-Consultingunternehmens BTC AG aus dem niedersächsischen Oldenburg. Auch der Ehrenpräsident der Industrie- und Handelskammer, Hans-Heinrich Driftmann, zeigt sich von der wirtschaftlichen Stärke der Türkei beeindruckt: "Die Türken sind die orientalischen Preußen."

Doch warum sollte eine starke Türkei überhaupt noch einem krisengebeutelten Europa beitreten? "Die Türkei gehört einfach zu Europa", zeigt sich Recep Keskin überzeugt. Als Präsident des Verbandes türkischer Unternehmer und Industrieller in Europa fordert er von Europa eine eindeutige Begründung, warum der Beitrittswunsch der Türkei immer wieder verzögert wird. Schließlich prädestiniere das militärische Engagement die Türkei für einen EU-Beitritt, waren sich die Diskutanten einig. Baha Güngör, Leiter der Türkei-Redaktion der Deutschen Welle, verwies auf die langjährige Nato-Mitgliedschaft. Die Türkei gehöre dem Verbund immerhin seit 1952 und damit drei Jahre länger an als Deutschland.

Seiner Meinung nach liege die Hinhalte-Taktik der EU an falschen Vorurteilen. Nicht jeder Türke sei Terrorist. Auch Driftmann gestand ein: "Wir wissen nicht genug voneinander" und appellierte an die Zuhörer: "Lassen Sie uns aufgeschlossener sein." Vorurteile zu bekämpfen und Verallgemeinerungen zu vermeiden sei Aufgabe der Journalisten. "Sie sind das Gewissen der Öffentlichkeit", wendete sich der Redaktionsleiter Güngör an die jungen Kollegen.

Wenig gesprächsbereit waren die Gäste allerdings beim Thema Menschenrechte, Presse- und Meinungsfreiheit. Das Herzensthema der Journalisten spielte für die Gäste nur eine untergeordnete Rolle.

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erstellt am 29.Apr.2013 | 03:59 Uhr

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