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Panorama

30. August 2016 | 19:03 Uhr

Tourismus oder Windenergie : Helgoland erfindet sich neu

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Noch zehrt Helgoland vom Windpark-Geschäft. Wenn die Bauarbeiter abrücken, sollen langfristig Abgeschiedenheit und Ruhe wieder Touristen anlocken.

Deutschlands einzige Hochseeinsel wagt den touristischen Neustart. „Helgoland hat beste Voraussetzungen dafür“, sagte der Helgoländer Hotelier Detlev Rickmers beim Saisonausblick der Insel für 2014 in Hamburg. Der Offshore-Boom habe dem zum Kreis Pinneberg gehörenden Felsen-Eiland neue Perspektiven eröffnet – vor allem indirekt und langfristig, so Rickmers. Der Sohn des ersten Nachkriegsbürgermeisters Henry Peter Rickmers und Neffe von Schriftsteller James Krüss erwartet, dass die durch den Windpark-Bau ausgelöste Übernachtungswelle 2015 ausläuft. Tatsächlich sind die drei Felder nahe der Insel weit fortgeschritten: Eines ist fertig, die beiden anderen sollen im kommenden Jahr in Betrieb gehen; insgesamt investieren die Unternehmen mehr als drei Milliarden Euro in die Kraftwerke vor Helgoland.

Doch auch nach dem Abrücken der Bauarbeiter werde die Insel nicht wieder in Tristesse verfallen, so Rickmers. Zum einen, weil Helgoland als „erste Offshore-Service-Insel der Welt“ für die Wartung der Rotoren fungieren wird. Vor allem aber reichten wichtige Veränderungen im Zuge der Offshore-Offensive weit über die Bauphase hinaus. So hat der Bund die wichtigsten Hafenflächen an die Gemeinde übergeben. Damit können die Service-Gebäude der Windpark-Betreiber sowie die Versorgungseinrichtungen der Insel im Süd- und im Vorhafen konzentriert werden. Der Binnenhafen wird dann frei für das, was Urlauber auf einer Insel erwarten, Helgoland bisher aber nicht bietet: klassische maritime Atmosphäre. Rickmers: „Rund um die Hummerbuden entsteht ein solches Hafenerlebnis, mit Marina, Kunst, Kultur und Knieper.“

Die Windkraftwerke vor der Haustür sind zudem ein eigenes Reisemotiv für Helgoland-Besucher geworden. Im vorigen Jahr hatte die Flensburger Förderreederei Seetouristik (FRS) erste Ausflugsfahrten mit dem „Halunder Jet“ zum Windpark Meerwind Süd/Ost 23 Kilometer vor der Insel angeboten. Mit derartigem Erfolg, dass der Katamaran auch in der Saison 2014 an acht Donnerstagen Touristen von Helgoland zu den Turbinen bringt.

Auch andere Neuerungen haben sich bewährt, etwa die Architekturführungen über die Insel. Einmal pro Monat zeigt und erläutert die Hamburger Agentur A-Tour Interessierten die ganz besondere Inselbebauung. Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg im Geiste der Bauhaus-Idee sei „einzigartig“, schwärmt A-Tour-Chef Torsten Stern: „Helgoland wird als Blaue Mauritius der jungen bundesrepublikanischen Architektur bezeichnet.“

Hotelier Rickmers sieht in solchen und ähnlichen Angeboten die Zukunft des Roten Felsens, der in den vergangenen Jahrzehnten einen stetigen Besucherrückgang erleben musste. Gegen klassische Urlaubsinseln des Südens komme der Flecken in der Deutschen Bucht nicht an, aber: „Wir sollten den Mut haben zu sagen: Wir sind rau, abgelegen und ruhig.“ Und das viel stärker auch im Winter.

Die dunkle Jahreszeit berge große Chancen, bestätigt der frühere Kurdirektor Martin Linne. Mit seiner Gesellschaft für Tourismusforschung hat er in den vergangenen Monaten ein neues Hochseewinter-Konzept umgesetzt. Dazu gehören eine tägliche Schiffsverbindung zwischen November und März von Cuxhaven – erstmals seit 1826 – sowie neue Angebote wie die stimmungsvolle Grottenbeleuchtung an der Westklippe. Die Ergebnisse könnten sich sehen lassen, so Linne. „Wir hatten 20 Prozent mehr Wintergäste und 50 Prozent mehr Übernachtungen.“

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erstellt am 22.Mai.2014 | 14:24 Uhr

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