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Panorama

10. Dezember 2016 | 09:54 Uhr

Tote Tiere in SH : Gift tötet Hunde, Marder und Bussarde

vom

Schleswig-Holstein erlebt ein unheimliches Tiersterben: Erst verenden zwei Hunde, dann werden zwei Marder und zwei Krähen vergiftet. Die jüngsten Opfer: fünf Mäusebussarde.

Gudendorf/Hohenlockstedt/Kiel | Mysteriöse Todesfälle von Tieren alarmieren derzeit die Menschen im Südwesten Schleswig-Holsteins. So waren kurz vor Ostern zwei Hunde in Kuden im Kreis Dithmarschen mutmaßlich vergiftet worden. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist ebenfalls unmittelbar vor den Festtagen die Polizei in Hohenlockstedt (Kreis Steinburg) von einem Spaziergänger alarmiert worden. Zwei Marder und zwei Krähen lagen nicht unweit von einem Köder, "der aussah wie ein Brötchen", berichtet Frank Edelhagen von der örtlichen Polizeistation. Die Beamten alarmierten die Kriminaltechniker in Kiel. Das Ergebnis: "Das Brötchen war mit einem Schädlingsbekämpfungsmittel vergiftet", bestätigte gestern Stefan Jung, Sprecher des Landeskriminalamtes in Kiel.

Doch damit nicht genug: Jetzt schlagen Naturschützer im Kreis Dithmarschen Alarm. Sie wurden Anfang April von einem Spaziergänger gerufen, der in einem Wald in Gudendorf gleich fünf tote Mäusebussarde entdeckt hatte. "Er äußerte den Verdacht, dass die Tiere vergiftet sein könnten", berichtet Dieter Grade (60) vom Naturschutzbund (Nabu) in Dithmarschen. Er habe die Tiere mitgenommen und von Uwe Robitzky, dem Organisator der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz, begutachten lassen. "Nur eines der Tiere war bereits skelettiert, von den anderen vier Vögeln konnten wir Proben nehmen", bestätigt Robitzky.

Vergiftete Greifvögel in Dithmarschen häufig

Doch auch ohne Laborergebnis seien bereits Merkmale gefunden worden, "die klar auf einer Vergiftung hinweisen", erklärt Robitzky weiter. So sei die Brust muskulatur der vier erhaltenen toten Vögel klar ausgebildet gewesen. "Die Mäusebussarde waren also nicht geschwächt", folgert der 71-Jährige. Aber die Lebern der Tiere - die seien tief blaurot verfärbt gewesen. Für den Vogelschützer ein klares Zeichen einer akuten Vergiftung. Mit der Kostenzusage aus dem Umweltministerium in Kiel habe er die Proben zum Klinisch-toxikologischen Labor der Universitätsmedizin nach Göttingen gesandt.

Wieder einmal. Denn: "In Dithmarschen kommt es immer wieder vor, dass Tiere, insbesondere Greifvögel vergiftet werden", beklagt Grade. Robitzky geht noch weiter. Er glaubt, dass die Naturschützer es mit einem landesweit zunehmenden Problem zu tun haben. "Wir in Dithmarschen haben jedoch aufgrund unserer Arbeit verfeinerte Suchmethoden." So hätten er und weitere Aktive der AG Wanderfalkenschutz nicht nur tote Vögel, sondern auch ausgelegte Köder gefunden. Robitzky: "Da werden überfahrene Hasen mit Gift versehen, und es ist doch merkwürdig, wenn wir solche Köder ausgerechnet unter Horsten von Uhus oder Bussarden finden. Diese Vögel nämlich können Hasen gar nicht schleppen."

Land bemüht sich um Greifvogelschutz

Dass es immer mehr Vergiftungen von Vögeln gibt, kann Thomas Gall, Artenschutzreferent im Umweltministerium, allerdings nicht bestätigen. Zwar werden mehr Proben als früher eingesandt, so Gall weiter. Aber eher deshalb, weil sich inzwischen herumgesprochen habe, dass das Ministerium die Kosten dafür generell übernimmt. "Es sind auch Vergiftungs fälle darunter", bestätigt Gall. Beispielsweise mit Carbofuran, einem seit 2007 in der Europäischen Union nicht mehr zugelassenen Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln. "Aber es sind eben auch viele Fälle darunter, bei denen sich ein solcher Verdacht nicht nachweisen lässt." Zudem seien die gesamten Ergebnisse noch nicht statistisch ausgewertet worden. Dies aber soll nun zum Ende des Jahres passieren, kündigt der Artenschutzreferent an.

Auch wenn es so gut wie nie gelingt, eines Täters habhaft zu werden - jeder Vergiftungsfall steht im krassen Gegensatz zu den Bemühungen des Landes beim Greifvogelschutz. Deshalb haben bereits im Jahr 2008 das Umweltministerium, der Landesjagdverband und die Ornithologische Arbeitgemeinschaft eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, die "kriminelle und unbelehrbare Einzeltäter" ächtet - diese verfolgt und ahndet.

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erstellt am 12.Apr.2013 | 04:13 Uhr

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