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Panorama

09. Dezember 2016 | 22:15 Uhr

Jakobskreuzkraut : Gift im Honig – Minister Habeck reagiert

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach positiven Tests ruft Umweltminister Robert Habeck zum Kampf gegen das gefährliche Jakobskreuzkraut auf. Der Honig soll stärker kontrolliert werden.

Kiel | Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß – nach dieser Maxime handelt Kiels Umweltminister Robert Habeck. Der Grüne musste jetzt einräumen, dass Honigproben aus Schleswig-Holstein bislang noch nie offizielle auf die gefährlichen Pyrrolizidinalkaloide (PA) untersucht wurden.

Wie berichtet hatte der sh:z zwei Honigproben aus dem Jahr 2012 und 2013 in ein unabhängigen Labor geschickt. Dort wurden erschreckend hohe PA-Werte ermittelt. PA reichert sich in der Leber an und kann Zhirrosen und Krebs verursachen. In den Honig gelangt es durch Bienen, die Nektar aus dem giftigen Jakobskreuzkraut saugen. Es wächst an Straßenrändern, vor allem aber auf den extensiv bewirtschafteten Flächen der Stiftung Naturschutz und breitet sich im Norden immer weiter aus.

In der Antwort auf die kleine Anfrage des FDP Abgeordneten Oliver Kumbartzky begründet Habeck sein Verhalten damit, dass nach Ansicht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit „ein Risiko ausgeschlossen wird“. Fragt man das BfR hört sich das jedoch ganz anders an. „Das BfR kommt zu dem Schluss, dass die Gesamtexposition des Verbrauchers mit genotoxischen und karzinogen wirkenden PSA aus verschiedenen Lebensmitteln so gering wie möglich zu halten ist“, heißt es auf der Website der Behörde. Und weiter: „Grundsätzlich sollten bei der Produktion von Honig Maßnahmen zur Reduktion des PA getroffen werden“. Zwar gibt es noch keinen offiziellen Grenzwert, doch das BfR hält zum Beispiel die Aufnahme von 0,42 Mikrogramm pro Tag durch einen Erwachsenen als kritisch an. Bei einem Honig der 60 Mikrogramm PA pro Kilogramm enthält, wäre die zulässige Menge mit 7 Gramm Honig erreicht. Die Belastung des von unserer Zeitung untersuchten Honigs lag bei 212 Mikrogramm , also wäre in diesem Fall weniger als einen Messerspitze erlaubt. Habecks Hinweis, dass „der durchschnittliche Verzehr von Honig kein gesundheitliches Risiko darstellt“, ist also bedenklich , weil Verbraucher möglicherweise bei „üblichen Verzehrmengen“ überdurchschnittlich viel des gefährlichen PA konsumieren.

Doch selbst Habeck dämmert offenbar, dass sich das Honigproblem nicht mehr kleinreden kann. Er hat inzwischen angeordnet, das Gewächs zu bekämpfen und dabei namentlich die Stiftung Naturschutz genannt. Weil das Jakobskreuzkraut hoch giftig ist, sollen beim Ausreißen unbedingt Handschuhe getragen werden, warnt der Minister.

„Jetzt kommt Habeck endlich aus dem Quark und scheint das Problem erkannt zu haben“, meint Kumbartzky. Bislang – so der Vorwurf des Liberalen – habe der Minister die Gefahr „komplett ignoriert.“

Ähnlich die Kritik der CDU: „Minister Habeck handelt viel zu spät und immer noch halbherzig“, meint der Unions-Abgeordnete Hauke Göttsch. „Wenn es um Giftstoffe nicht natürlichen Ursprungs in dieser Konzentration ginge, würde Habeck als Verbraucherschutzminister schon im Dreieck springen. Er soll endlich die grünen Scheuklappen abnehmen.“ Damit spielt Göttsch auf die bisherige Argumentation der Stiftung Naturschutz an, beim Jakobskreuzkraut handele es sich um eine heimische Pflanze, die für Schmetterlinge wichtig sei. Die Stiftung als größter Landbesitzer im Norden muss nun einen Fachmann benennen, der Imkern in Schleswig-Holstein als zentraler Ansprechpartner bereit steht.

Gut eine Milliarde Bienen gibt es in Schleswig-Holstein, um eine Glas Honig zu produzieren müssen sieben Millionen dieser fleißigen Insekten Blüten anfliegen. Ihr Problem: Ist der Raps verblüht, finden sie kaum noch Blühendes. „Das Land wird immer intensiver bewirtschaftet, es werden nur wenige Feldfrüchte angebaut“, sagte Habeck. Die Folge: „Zwar gehört Jakobskreuzkraut nicht zu den bevorzugten Trachtpflanzen für Honigbienen, aber weil sie im Sommer immer weniger Alternativen haben, sind sie fast gezwungen, Standorte mit Jakobskreuzkrautvorkommen anzufliegen“. Er fordert deshalb Gartenbesitzer auf, für die Bienen Blühpflanzen zu setzen. In einer Kooperation von 70 Landwirten und Imkern werden 2014 zudem landesweit 43 Hektar „Blühflächen“ angelegt, die für ein reichhaltiges Pollen- und Nektarangebot sorgen sollen.

Und : Es wird endlich gemessen: „In diesem Jahr wird die Erfolgskontrolle um eine systematische Analyse des Sommerhonigs auf Pyrrolizidinalkaloide ergänzt, um die Datenbasis zu erweitern“, kündigte Habeck an. Außerdem nimmt Schleswig-Holstein an einem bundesweiten Monitoring teil, in dessen Rahmen erstmals auch auf Pyrrolizidinalkaloide in Honig untersucht wird.

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erstellt am 16.Jun.2014 | 10:09 Uhr

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