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Urteil : Gericht: G8 am Gymnasium Wentorf bleibt

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Urteil des Verwaltungsgerichts Schleswig: Am Gymnasium Wentorf dauert das Abitur acht Jahre.

Schleswig | Am Gymnasium Wentorf bei Hamburg bleibt es beim achtjährigen Weg zum Abitur. Das Verwaltungsgericht in Schleswig entschied am Mittwoch, dass ein anderslautender Bescheid des Kieler Bildungsministeriums nicht rechtmäßig ist (Az. 9 A 187/12). Dem Bescheid lägen widersprüchliche Annahmen bezüglich der wirtschaftlichen Folgen einer G9-Einführung für die Gemeinde zugrunde, begründete das Gericht seine Entscheidung.

Das damals noch von Ekkehard Klug (FDP) geführte Ministerium hatte argumentiert, der pädagogische Nutzen von G9 sei so erheblich, dass die Mehrkosten nicht wesentlich ins Gewicht fielen. Der Bescheid vom Mai 2012 hätte der Schule ermöglicht, das neunjährige Abitur wieder einzuführen. Seit dem Schuljahr 2008/2009 gilt das achtjährige Abitur. Eine Berufung gegen das Urteil ist möglich.

Bildungsministerium prüft Urteil

Hintergrund ist die Uneinigkeit zwischen der Gemeinde, der Schulleitung und den Eltern. Die Gemeinde als Schulträger befürwortet vor allem aus wirtschaftlichen Gründen das Abitur nach acht Jahren, die Schule und die Eltern plädieren für G9. Gegen einen Bescheid des Bildungsministeriums pro G9 im Jahr 2011 klagte die Gemeinde. Im März 2012 bekam sie vor dem Schleswiger Gericht Recht. Dieses sah einen Ermessensfehler bei dem Bescheid, da eine konkrete, auf den Einzelfall bezogene Ermittlung der jeweiligen Kosten gefehlt habe. Das Ministerium stellte sich danach erneut auf die Seite von Eltern und Schulleitung und erließ im Mai 2012 den neuen Bescheid.

Das Bildungsministerium prüft derzeit das Urteil, plant aber keine weiteren juristischen Schritte. Sprecher Thomas Schunck verwies auf das Vorschaltgesetz, wonach bis 2014 ohnehin kein Wechsel zu G9 möglich sei. Mit dem Gesetz wird bis zur Schulreform der jeweilige Ist-Zustand festgeschrieben. "Ruhe vor Ort und an der Schule ist ein großer Wert nach dem Streit."

Finanzielle Mittel sinnvoll einsetzen

Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Martin Habersaat, zeigte Verständnis für eine Enttäuschung bei der Schule, rief aber die Beteiligten dazu auf, G8 in Wentorf "zu einem Erfolgsmodell für Schüler, Eltern und Lehrer zu machen". Die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Anita Klahn, bedauerte die Entscheidung. "Das Gericht wertet unbestätigte finanzielle Auswirkungen auf die Gemeinde höher als den klaren pädagogischen Nutzen, der mit dem Angebot von G9 verbunden wäre." Das Bildungsministerium solle gegen das Urteil Berufung einlegen.

Der Landesverband Schleswig-Holstein der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht sich durch das Urteil in seiner Haltung bestätigt: "Wir sind der Auffassung, an Gymnasien sollte es G8 geben", sagte Geschäftsführer Bernd Schauer. "Es ist aber natürlich ärgerlich, wenn es in einem Ort zu so einer Konfrontation kommt." Die Schulträger müssten aber auch sehen, wie sie ihre finanziellen Mittel sinnvoll einsetzen.

"Schon unglücklich, wenn Gerichte darüber entscheiden"

Anders sieht es der Philologenverband: Der Landesvorsitzende Helmut Siegmon befand, es sei "schon unglücklich, wenn Gerichte darüber entscheiden". Es gehe um pädagogische Aspekte, vor Gericht stünden aber Finanzen im Vordergrund. "Das hat eine gewisse Tragik." Es spiele die bildungspolitische Grundlage der Entscheider eine Rolle, nicht aber der Wille der Eltern, Lehrer und Schüler. "Schule muss eine breite Zustimmung aller gesellschaftlichen Kräfte bekommen."

Erst im März hatte das Bildungsministerium die Haltung von Ressortchefin Waltraud Wende (parteilos) verdeutlicht: Sie wolle generell G8 an Gymnasien und G9 an Gemeinschaftsschulen sowie den Fortbestand der bisherigen G9-Gymnasien. Aktuell gibt es im Norden elf G9-Gymnasien. An weiteren vier Schulen ist sowohl das schnellere als auch das langsamere Abitur möglich. Der Rest der 100 Gymnasien ist nur auf G8 ausgelegt.

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erstellt am 18.Apr.2013 | 11:51 Uhr

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