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Panorama

10. Dezember 2016 | 21:37 Uhr

H5N8 : Geflügelpest weitet sich aus: Erster Verdachtsfall in Geflügelhaltung - Stallpflicht auch in HH

vom

Offenbar hat die Vogelgrippe auch Tiere aus einem Stall getroffen. 18 Puten starben – der Rest muss jetzt getötet werden.

Kiel | Am Donnerstag wurden erstmals Proben von verendeten Puten aus einer kleinen Geflügelhaltung im östlichen Landesteil positiv auf Influenza-A-Viren des Subtyps H5 getestet. Eine endgültige Feststellung der Geflügelpest durch das nationale Referenzlabor für aviäre Influenza, das Friedrich-Löffler-Institut (FLI), steht noch aus. Nach der Geflügelpestverordnung besteht der Verdacht auf Geflügelpest.

Wegen des Ausbruchs der Vogelgrippe in SH muss das Geflügel in Hamburg auch in Ställen untergebracht werden. Die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz erließ am Donnerstag das sogenannte Aufstallungsgebot. Ab kommenden Montag sind die 1000 Halter in der Hansestadt verpflichtet, Hühner, Puten, Enten und anderes Geflügel in Ställen oder überdachten Volieren unterzubringen - das gilt auch für Hobbyhalter. So soll der Kontakt zu Wildgeflügel vermieden werden. Bei Nichtbeachtung drohten hohe Bußgelder, hieß es.

In der von der Vogelgrippe betroffenen Geflügelhaltung sind alle 18 Puten verendet. Weiteres Geflügel des kleinen Bestands muss nun, wie in der Geflügelpestverordnung vorgeschrieben, gekeult werden. Der Tierhalter hatte seine Tiere sofort nach Bekanntwerden des Geflügelpestverdachts bei Wildvögeln in Schleswig-Holstein aufgestallt. Die zuständige Veterinärbehörde bereitet die notwendigen Restriktionsgebiete vor.

Umweltminister Robert Habeck (Grüne) sagte: „Die Behörden arbeiten unter Hochdruck, um die Ausbreitung gering zu halten.“ Angesichts der hohen Aggressivität des Virus ei eine solche Entwicklung aber zu erwarten gewesen. „Sie ist sehr besorgniserregend. Ich habe heute dem Bundeslandwirtschaftsministerium die Lage geschildert. Bund und Länder sind in enger Abstimmung über die notwendigen Krisenmaßnahmen“, sagt der Minister. „Wir können nicht ausschließen, dass es weitere Fälle in Tierhaltungsanlagen gibt.“

Außerdem wurde im Kreis Rendsburg-Eckernförde der Geflügelpestverdacht bei toten Enten bestätigt. Sperrgebiete und Beobachtungsbezirke werden hier eingerichtet. Auch der Kreis Segeberg bereitet diese Maßnahmen vor, nachdem dort durch Untersuchungen im Landeslabor nun ein Geflügelpestverdacht festgestellt wurde. Die endgültige Bestätigung durch das FLI steht noch aus.

Es liegen jetzt insgesamt 33 Probenergebnisse des FLI von Tieren von der Plöner Seenplatte vor. Alle an das FLI eingeschickten Verdachtsproben wurden positiv auf HPAI H5N8 getestet und weisen eine hohe Viruskonzentration auf. Täglich werden weitere Totfunde von Wildvögeln gemeldet, exakte Zahlen liegen nicht vor. Veterinäre sind dabei, stichprobenartig Proben zur Untersuchung zu nehmen.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern sind inzwischen Fälle von Geflügelpest des hochpathogenen Subtyps H5N8 (HPAI H5N8) bei Wildvögeln festgestellt worden. Eine landesweite Aufstallung wurde auch dort angeordnet.

Ist die Vogelgrippe immer gleich gefährlich?

Nein. Es gibt niedrigpathogene (gering krankmachende) und hochpathogene (stark krankmachende) Varianten und verschiedene Subtypen. Gefährlich können die Influenzaviren der Subtypen H5 und H7 werden. Geringpathogene Influenzaviren dieser beiden Subtypen verursachen bei Hausgeflügel kaum oder nur milde Krankheitssymptome. Allerdings können diese Viren zu einer hochpathogenen Form der klassischen Geflügelpest (Vogelgrippe) mutieren. Die Krankheit ist für Hausgeflügel hochansteckend und verläuft mit schweren allgemeinen Krankheitszeichen. Aktuell haben wir es in Deutschland mit einem hochansteckenden Erreger zu tun.

Wie kann die Vogelgrippe nach Deutschland kommen?

Wildlebende Wasservögel sind das natürliche Reservoir für die niedrigpathogenen Vogelgrippe-Erreger. Es ist davon auszugehen, dass Zugvögel das Virus großflächig verbreiten. Der aktuelle Ausbruch steht nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit, im Zusammenhang mit dem Vogelzug. Der Import von infiziertem Futter oder Eiern spielt demnach bei den aktuellen Fällen im Wildvogelbereich eher keine Rolle.

Bei jedem Ausbruch bei Nutzgeflügel werden laut FLI mögliche Eintragungsquellen wie Futter und Einstreu untersucht. Ist der Erreger in der Wildvogelpopulation vorhanden, kann er direkt und indirekt - etwa über den Kot infizierter Wildvögel - übertragen werden. Daher sollte Futter für Nutzgeflügel nicht frei gelagert werden. Wildvögel sollten keinen Zugang zum Trinkwasser von Nutzgeflügel haben und Menschen über Seuchenmatten Ställe betreten.

Kommt die Vogelgrippe häufiger in Deutschland vor als früher? 

Durch die verbesserte Diagnostik werden heute mehr Fälle bekannt. Nach Einschätzung des FLI hat die Zahl und Schwere der Ausbrüche seit den 1990er Jahren aber auch zugenommen. Eine Ursache könnte die Art der engen Tierhaltung in Südostasien sein.

Ist die Vogelgrippe für den Menschen gefährlich?

Das hängt vom Erreger ab. Zudem hatten die meisten der an Influenza erkrankten Menschen engen Kontakt zu krankem oder verendetem Geflügel. Mediziner gehen davon aus, dass Säugetiere und Menschen sehr große Virusmengen aufnehmen müssen, um sich zu infizieren.

Am hochpathogenen Erreger H5N1 erkrankten laut Weltgesundheitsorganisation seit 2003 weltweit rund 850 Menschen, etwa 450 starben. Für den hochpathogenen Erreger H5N8 sind bislang weltweit keine Erkrankungsfälle bekannt. Augenmerk richten die Forscher auf H7N9. Als niedrigpathogene Variante bleibt er im Geflügel lange unauffällig, kann aber beim Menschen zu Erkrankungen und Todesfällen führen. Seit 2013 wurden weltweit knapp 800 erkrankte Menschen registriert, mehr als 300 starben an H7N9.

 
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erstellt am 10.Nov.2016 | 15:51 Uhr

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