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Panorama

05. Dezember 2016 | 15:40 Uhr

Großer Tümmler in der Ostsee : Delfin in Kiel und Rendsburg: Worauf sich Freddy im Winter einstellen muss

vom
Aus der Onlineredaktion

Er war in Kiel, Eckernförde und Rensburg - wo lässt er sich als nächstes blicken? Fragen und Antworten zum Thema.

Kiel/Rendsburg | Schon seit anderthalb Monaten ist Schleswig-Holstein im Delfin-Fieber: Freddy, wie er meist genannt wird, verzaubert die Menschen mittlerweile an vielen Orten entlang der Ostsee. Zuerst wurde der Große Tümmler an der Kieler Schleuse gesichtet, dann war er lange in der Förde der Landeshauptstadt, schwamm nach Eckernförde, kam dann noch einmal zum Kanal in Kiel, und am vergangenen Wochenende wurde er gar in Rendsburg in der Ober-Eider gesehen: Freddy begleitete einen Ruderverein beim Training - sehr zur Freude der Sportler.

In Nahaufnahme: Der Tümmler tummelte sich ausgelassen im Eider-Wasser.
In Nahaufnahme: Der Tümmler tummelte sich ausgelassen im Eider-Wasser. Foto: Jessica Liebe
 

Die Flensburger dagegen haben das Tier bisher nicht zu Gesicht bekommen. Bekommen sie vielleicht auch noch eine Chance? Oder wird Freddy im Winter ohnehin von dannen ziehen? shz.de hat mit Anja Gallos, Wissenschaftlerin am Deutschen Meeresmuseum Stralsund, gesprochen.

Seit nunmehr anderthalb Monaten tummelt sich der Delfin Freddy an der Ostseeküste. Wie lange wird er noch bleiben?

So gern es alle Delfin-Fans wissen wollen: Eine Vorhersage lässt sich dazu leider nicht treffen. Sicher aber ist: Auch den Winter kann er grundsätzlich in der Ostsee verbringen. „Er findet hier genug Nahrung und kennt sein Habitat“, sagt Anja Gallus. Gerade jetzt sei das Wasser reich an Fischen, dem Winter-Hering beispielsweise.

Gallus vergleicht Freddy mit Selfie und Delfie, die seit einem Jahr ebenfalls immer wieder an verschiedenen Orten aufgetaucht sind - auch in Dänemark.

Gibt es Faktoren, die gegen Freddys dauerhaften Aufenthalt in der Ostsee sprechen?

Ja, denn aufgrund ihres geringeren Salzgehalts friert die Ostsee schneller zu als die Nordsee. Das könnte dem Delfin, der zum Atmen an die Oberfläche kommen muss, das Luft holen erheblich erschweren. Außerdem seien die gesichteten Tiere allesamt Männchen – wollen sie sich fortpflanzen, müssen sie auf der Suche nach einer Partnerin in andere Gewässer schwimmen.

Mit den Temperaturen hat Freddy allerdings kein Problem – er ist auch auf kälteres Wetter angepasst.

Wo kommt Freddy denn ursprünglich her?

„Ich vermute, dass er aus der Nordsee gekommen ist“, sagt Anja Gallus. Welchen Weg er dabei genommen hat, kann sie allerdings nicht sagen. „Wahrscheinlich ist er über den Kattegat gekommen“, sagt die Wissenschaftlerin. Ihrer Meinung nach sei die zweite Möglichkeit, der Nord-Ostsee-Kanal, die unwahrscheinlichere Alternative. „Da hätten ihn sicherlich Leute gesehen“, so Gallus.

Sollte Freddy wieder zurückschwimmen, geht Gallus davon aus, dass er wieder den Weg über den Kattegat nehmen wird - im Nord-Ostsee-Kanal gebe es einfach zu viele Schleusen.

Warum verfolgt Freddy so oft Boote und „spielt“ mit den Menschen?

Dass er so viel Kontakt zu den Menschen sucht, findet Anja Gallus „schon überraschend“. Und sie betont, dass man trotz allem nicht vergessen dürfe, dass ein Delfin auch ein Raubtier ist. „Er kann länger die Luft unter Wasser anhalten als die Menschen“, sagt die Wissenschaftlerin. Das kann für einen Menschen auch tödlich enden – wenn er von dem Tier unter Wasser gezogen wird beispielsweise. Auch ihr Kollege Michael Dähne wies bereits darauf hin - hier können Sie nachlesen, warum Dolphin Watching seiner Meinung nach gefährlich werden kann.

Dass Freddy es zu Beginn vor allem auf die Schleuse abgesehen hatte, erklärt Gallus mit dem erhöhten Nahrungsangebot dort. „Die Fische sind ja dort eingeschlossen, und der Delfin hat leichtes Spiel.“ Auch Selfie und Delfie hatten sich an der Kieler Schleuse aufgehalten.

Wo ist der Große Tümmler jetzt gerade?

Nachdem er am Wochenende in Rendsburg gesehen wurde, hat noch niemand wieder zu dem Thema in der Facebook-Gruppe „Delfine in Kiel“ gepostet. Dort halten sich die Fans auf dem Laufenden. Wo er als nächstes auftaucht, bleibt also spannend.

Auf unserer Karte sehen Sie, in welchen Orten der Delfin bereits aufgetaucht ist (blau=Freddy, rot=Selfie und Delfie). Mit einem Klick auf die Symbole lesen Sie weitere Details, außerdem können Sie in die Karte scrollen:

Wenn Sie einen Ort in der Karte vermissen oder Freddy erneut gesehen haben, schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an onlineredaktion@shz.de.

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erstellt am 24.Okt.2016 | 16:33 Uhr

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