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Panorama

10. Dezember 2016 | 19:42 Uhr

Geldnot : Armut – Ansturm auf Sozialverbände

vom

Immer mehr Langzeitarbeitlose, Rentner und Geringverdiener suchen Hilfe. Der Landessozialverband Schleswig-Holstein hat im abgelaufenen Jahr 6000 neue Mitglieder bekommen.

Die Sozialverbände schlagen Alarm: Die Armut im Land wächst, immer mehr Schleswig-Holsteiner sind deshalb auf Hilfe angewiesen. Und: Menschen, die sich um Bedürftige kümmern, benötigen mehr denn je Förderung. Dass die Schere zwischen Arm und Reich sich weiter öffnet, registriert der Landessozialverband an den Mitgliederzahlen. „Wir verzeichnen einen großen Mitgliederzuwachs“, berichtet Sprecher Guido Bauer. Allein im abgelaufenen Jahr 2013 hat sich die Mitgliederzahl um 6000 erhöht. Damit nehmen mittlerweile 125.000 Menschen im Land das Beratungsangebot des Verbands in Anspruch, um sich im „Dschungel der Sozialleistungen“ zurechtzufinden. Vor fünf Jahren waren es nur 94.000 Mitglieder. „Vor allem Menschen, die mit der Rente im Alter nicht mehr zurecht kommen, beschäftigen uns sehr“, sagt Bauer. Der Verband, der sich komplett über seine Mitgliederbeiträge finanziert, habe deshalb seine hauptamtlichen Mitarbeiter von 80 im Jahr 2008 auf heute 117 Angestellte erhöht. Sie werden von etwa 4000 ehrenamtlichen Mitarbeitern unterstützt.

Auch der Wohlfahrtsverband Caritas, der Menschen in schwierigen Lebenslagen mit Rat und Tat zur Seite steht, kämpft mit einer Flut von Anfragen. „Wir beobachten eine steigende Zahl derer, die trotz ihrer Erwerbstätigkeit auf zusätzliche staatliche Transferleistungen angewiesen sind – also ihren Lebensunterhalt alleine mit ihrem Lohn nicht bestreiten können“, sagt Sozialreferent Norbert Schmitz. Die Caritas versucht daher neben der Beratung auch Gruppenangebote aufzubauen. „Wir werden aber bald mit Wartelisten arbeiten müssen“, so Schmitz.

Der Paritätische Schleswig-Holstein beobachtet bei seinen 500 Mitgliedsorganisationen ebenfalls eine steigende Nachfrage nach Angeboten in sozialen Brennpunkten, Projekten mit Langzeitarbeitslosen und Schuldnerberatungen. „Uns erschreckt die steigende Nachfrage vor dem Hintergrund wachsenden Wohlstands. Das reiche Deutschland wird noch reicher – gleichzeitig verfestigt sich die Armut“, sagt Vorstandsmitglied Günter Ernst-Basten und warnt: „Die sich öffnende Schere zwischen Arm und Reich bedroht den inneren Zusammenhalt unser Gesellschaft.

Zugleich haben die Tafeln im Land einen steten Zulauf. „Die Zahl der angemeldeten Familien hat sich 2013 auf 2000 verdoppelt“, berichtet Klaus Grebbin, Leiter der Tafel Flensburg. Es werde immer schwieriger, die gestiegene Nachfrage nach günstigen Lebensmitteln mit dem vorhandenen Personal zu stemmen: „Wir hängen bis zum Anschlag in den Seilen“, sagt Grebbin.

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erstellt am 02.Jan.2014 | 06:51 Uhr

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