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Schleswig-Holstein

03. Dezember 2016 | 12:32 Uhr

Vom Anruf bis zum Eintreffen : Notruf: So schnell ist die Polizei in Schleswig-Holstein

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bis Hilfe kommt, dauert es immer länger. Gründe sind die zunehmende Zentralisierung und zu wenig Personal.

Kiel | Ein Dieb vor der Haustür, das Auto an der Leitplanke oder Hilferufe aus der Nachbarwohnung: Oft zählt in solchen Notfällen jede Minute. Während die Polizei in Schleswig-Holsteins Städten schnell zur Stelle ist, geraten ländliche Kreise ins Hintertreffen. Im Kreis Rendsburg-Eckernförde zum Beispiel benötigen die Ordnungshüter bei Notfällen der höchsten Kategorie 12,8 Minuten vom Eingang des Notrufs bis der Funkwagen am Einsatzort eintrifft, im Kreis Schleswig-Flensburg 14,2 Minuten und im Kreis Steinburg sogar fast 20 Minuten. Vorbildlich läuft es hingegen in den kreisfreien Städten Neumünster (8,2 Minuten) und Flensburg (8,4) sowie im Kreis Pinneberg (9,4). Das belegt eine Polizeistatistik für die Monate Mai, Juni und Juli 2016, die dem sh:z exklusiv vorliegt.

So lang ist die durchschnittliche Dauer vom Anruf bei der Leitstelle bis zum Eintreffen des ersten Fahrzeugs (in Minuten, Quelle: Landespolizeiamt):

Kreis Steinburg 19,4
Kreis Schleswig-Flensburg 14,2
Kreis Herzogtum Lauenburg 13,7
Kreis Ostholstein 13,6
Kreis Plön 13,2
Kreis Rendsburg-Eckernförde 12,8
Kreis Nordfriesland 12,8
Kreis Dithmarschen 12,6
Kreis Stormarn 12,3
Schleswig-Holstein 12,1
Kreis Segeberg 11,0
Stadt Kiel 10,4
Stadt Lübeck 10,3
Kreis Pinneberg 9,4
Stadt Flensburg 8,4
Stadt Neumünster 8,2

Insgesamt haben sich die Reaktionszeiten im Norden verschlechtert. Wie die Landesregierung auf Anfrage der FDP jetzt bekannt gab, waren Funkstreifen im Herbst 2014 durchschnittlich in 11,2 Minuten am „Tatort“. Jetzt brauchen sie fast eine Minute länger.

Aus Sicht der Liberalen rächt sich bitter, dass die Landesregierung viel zu lange am Personalsparkurs bei der Landespolizei festgehalten hat. „Anders als immer behauptet, hat der Rückzug aus der Fläche faktische Konsequenzen“, erklärte FDP-Chef Wolfgang Kubicki. Konkret: Weil Dienststellen auf dem flachen Land geschlossen und Einsatzkräfte zentralisiert wurden, sind jetzt die Anfahrtswege weiter. Die FDP kündigte an, das Thema für die kommende Landtagssitzung auf die Tagesordnung zu setzen.

Auch die Gewerkschaft der Polizei ist beunruhigt. Die Zahlen spiegelten „das polizeilich angespannte Personaltableau“ wider, sagte GDP-Chef Karl Hermann Rehr am Freitag. Zudem sieht auch er in der „Zentralisierung von Polizeidienststellen“ eine Ursache für die Verschlechterung.

Binnen zehn Minuten will die Polizei am Einsatzort sein, dieses Ziel hat sie sich in einer Vereinbarung mit dem Innenministerium gesetzt – angelehnt an die Hilfsfrist bei der Feuerwehr. Die Funkwagen halten diese Frist locker ein. Im Schnitt sind sie 5,5 Minuten nach der Alarmierung durch die Leitstelle am Einsatzort, in Neumünster sogar in 3,3 Minuten. Dem Bürger, der die 110 wählt und um Hilfe ruft, nützt diese rekordverdächtige Schnelligkeit der Polizei allerdings wenig, wenn die Leitstelle zuvor den Notruf nicht schnell an die Einsatzkräfte weitergibt. In Kiel dauert das zum Beispiel fast sechs Minuten, in Schleswig-Flensburg sieben und im Kreis Steinburg sogar 12,2 Minuten. Hier besteht offensichtlich noch Optimierungspotenzial.

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erstellt am 19.Aug.2016 | 19:56 Uhr

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