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Schleswig-Holstein

02. Dezember 2016 | 23:22 Uhr

Meldepflichtige Krankheit : Norovirus trifft SH heftig wie selten – Was Ärzte jetzt raten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dass der Norovirus im November umgeht ist normal. Die Häufigkeit ist in diesem Jahr allerdings erstaunlich.

Altenheime, Kindergärten, Schulen: Landesweit leiden vor allem junge und alte Menschen derzeit an Brechdurchfall – hervorgerufen durch den unangenehmen Norovirus. „Die Norovirus-Saison hat in Schleswig-Holstein heftig begonnen, im Vergleich zu den letzten Jahren früher und stärker“, erklärt der Chef des Instituts für Infektiologie an der Universität Kiel, Helmut Fickenscher. So wurden in der dritten Novemberwoche im Norden 484 Fälle bei den Gesundheitsämtern gemeldet. Im Fünf-Jahres-Vergleich waren es um diese Jahreszeit nur 71.

Beste Vorbeugung: Derzeit sollte auf Händeschütteln verzichtet und auf peinlichste Hygiene geachtet werden, denn die Noroviren sind hochansteckend und sitzen auf Türklinken, Wasserhähnen und Toilettensitzen.

Und wenn es einen dann doch trifft? „Für jede einzelne Person ist das natürlich ein heftiges, aber meist nur kurz andauerndes Problem“, räumt Fickenscher ein. Erkrankten raten die Ärzte, viel zu trinken.

Allein im Kreis Nordfriesland gab es nach Angaben des Sprechers Hans-Martin Slopianka seit dem 1. September 390 bestätigte Norovirus-Fälle. Reha-Kliniken und Kindertagesstätten hätten sich dabei als die größten Ansteckungsherde hervorgetan. Dazu kommen 242 Verdachtsfälle – so genannte bedrohliche gastroenterologische Vorfälle, die nicht auf Norovirus getestet worden sind.

„Wir beobachten das, sind aktuell aber nicht beunruhigt“, sagt Hans Treinies, für Seuchenhygiene zuständiger Dezernent im Kreis Steinburg, zum gehäuften Auftreten des Norovirus in Itzehoe und Umgebung. Georg Hillebrand, stellvertretender Ärztlicher Direktor des Klinikum Itzehoe, spricht ebenfalls von einer „durchaus heftigen Noro-Welle“. Kreisdezernent Treinies schränkt jedoch ein: „Beim Noro-Virus ist ein Anstieg im November grundsätzlich nicht ungewöhnlich.“ Schleswig-Holstein ist mit dem Anstieg der Noro-Fälle in Deutschland aber nicht allein. Auch aus anderen Bundesländern wird ein teilweise krasser Anstieg registriert.

Norovirus im November ist normal

Das hoch ansteckende Norovirus grassiert vor allem in der Wintersaison. Dies liegt laut dem Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) vor allem an den niedrigen Temperaturen und der trockenen Luft, die zu dieser Jahreszeit vorherrschen. In diesem Klima sind die Erreger der Magen-Darm-Krankheit stabiler. Außerdem ist das menschliche Immunsystem im Winter weniger schlagkräftig als im Sommer. In der Wintersaison 2015/16 infizierten sich daher alleine in Norddeutschland Tausende Menschen. Dabei waren die Infektionsraten je nach Bundesland unterschiedlich hoch: Während in Niedersachsen und Bremen fast 5200 sowie in Mecklenburg-Vorpommern fast 3200 Menschen erkrankten, lagen die Zahlen in Hamburg und Schleswig-Holstein jeweils nur bei rund 1500 gemeldeten Fällen. Dabei waren besonders häufig Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie Kindergärten und Schulen betroffen. Laut RKI-Statistik erkranken vor allem Kinder unter fünf Jahren und Personen über 70.

 

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erstellt am 29.Nov.2016 | 20:07 Uhr

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