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Schleswig-Holstein

10. Dezember 2016 | 15:47 Uhr

Lübeck : Nordische Filmtage: Island räumt ab

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Filmfestival ehrt zum Abschluss seine Gewinner. Die bieten keine leichte Kost.

Lübeck | Ein Spielfilm-Debüt prescht ganz nach vorn: Der 34 Jahre alte isländische Regisseur Gudmundur Arnar Gudmundsson ist am Sonnabend bei der Preisgala der Nordischen Filmtage für „Herzstein“ mit dem NDR Filmpreis, der bedeutendsten von insgesamt acht Auszeichnungen, geehrt worden. Zusammen mit „Rosemari“ (Norwegen) und „Der Tag wird kommen“ (Dänemark) sind die Sieger der Spielfilm-Kategorie einer jungen Generation so nahe gekommen wie selten.

Mit den Nordischen Filmtagen werden Filme aus dem Norden und Nordosten Europas geehrt und unterstützt. Die kleineren Filmnationen haben gegen den großen US-Blockbuster-Trend wirtschaftlich keine Chance und sind selten in den in erster Linie kommerziell ausgerichteten Großkinos zu sehen.

Dass die sich selbst auch über pädagogisch ganz und gar unkorrekte Beiträge freuen kann, zeigt der Preis der Kinderjury für „Gilberts grausame Rache“ aus Norwegen.  Als Kind habe er gewünscht, er könne den Erwachsenen zeigen, wie die Welt für die Jungen wirklich ist, sagt Gudmundur Arnar Gudmundsson. Er tut es jetzt, als Filmemacher. Nach den Kurzfilmen „Am Walfjord“ und „Ártún“ (2013 und 2014 im Programm der Nordischen Filmtage zu sehen) erzählt er in „Herzstein“ nun vom Erwachsenwerden zweier Jungen in der kleinen Gemeinschaft eines abgelegenen Fischerdorfes, in der Abwechslungen rar sind und jedes Abweichen von der erklärten Norm problematisch ist. Um erste Liebesgeschichten geht es dabei, um die Erkenntnis, dass Zuneigung nicht nur gegen-, sondern auch gleichgeschlechtlich sein kann, eine starke Freundschaft und das Verstehen, dass eine enge Gemeinschaft Segen und Fluch zugleich sein kann.

Pädagogisch unkorrekt: „Gilberts grausame Rache“ – ausgezeichnet.
Pädagogisch unkorrekt: „Gilberts grausame Rache“ – ausgezeichnet. Foto: nft

Leichte Kost ist es nicht, die da von der fünfköpfigen NDR Spielfilm-Jury ausgezeichnet wurde, in der unter anderem die Schauspielerinnen Inger Nilsson und Helene Grass über die 17 konkurrierenden Filme urteilten. Leichte Kost ist auch „Der Tag wird kommen“ nicht, der die lange unaufgearbeiteten Zustände in dänischen Jugendheimen anpackt. Zwei Brüder geraten 1967 in die Gewalt eines sadistischen Heimleiters. Sehr viel leichtfüßiger kommt dagegen die Geschichte des Findelkindes „Rosemari“ daher, mit dem das diesjährige Festival am Mittwoch eröffnet worden war. Die Kinderjury schließlich verzichtete gestern gänzlich auf den Nimbus des Schwermütigen, der dem nordischen Film anhaftet. „Gilberts grausame Rache“ wird im Kampf gegen eine schreckliche Verwandte geübt.

NDR Filmpreis (12500 Euro) „Herzstein“, Regie: Gudmundur Arnar Gudmundsson, Island

 

LN-Publikumspreis (5000 Euro) „Der Tag wird kommen“, Regie: Jesper W. Nielsen, Dänemark

Baltischer Filmpreis (undotiert) „Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki“, Regie: Juho Kuosmanen, Finnland

Kirchlicher Filmpreis Interfilm (2500 Euro) „Rosemari“, Regie: Sara Johnsen, Norwegen

CineStar-Preis (3000 Euro) „Pauls Boot“, Regie: Cyprien Clément-Delmas, Deutschland

Preis der Kinderjury (5000 Euro) „Gilberts grausame Rache“, Regie: Hanne Larsen, Norwegen

Weitere Preise

Dokumentarfilmpreis (2500 Euro) „Die Überfahrt“, Regie: George Kurian, Norwegen. Lobend erwähnt wurde „Der Mann, der 75 Sprachen konnte“, Regie: Anne Magnussen, Pawel Debski; Norwegen.

Kinder- und Jugendfilmpreis (5000 Euro) „Ich bin hier“, Regie: Renars Vimba, Lettland. Lobend erwähnt wurde: „Gilberts grausame Rache“, Regie: Hanne Larsen, Norwegen.

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