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Schleswig-Holstein

05. Dezember 2016 | 15:40 Uhr

Geldanlage : Niedrigzins: Kreditinstitute in SH erhöhen ihre Gebühren

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Geld auf dem Konto parken wird im Norden teurer. Verbraucherschützer üben Kritik.

Kiel | Geldinstitute, die nicht an der Gebührenschraube drehen, sind momentan die absolute Ausnahme. Um trotz Niedrigzins an ihren Kunden zu verdienen, verlangen die meisten Banken und Sparkassen für Kontoführung und EC-Karten ab September mehr Geld. Überraschend kommt das nicht. Zeiten des kostenlosen Girokontos seien vorbei, verkündete Sparkassen-Präsident Georg Fahren seit Monaten.

Auch in Schleswig-Holstein müssen die Kunden tiefer in die Tasche greifen. Einige Institute wie die Sparkasse Holstein haben schon erhöht, bei anderen wie etwa der Nord-Ostsee Sparkasse (Nospa) stehen – offenbar kräftige – Preisänderungen unmittelbar bevor.

Auch die Förde Sparkasse, die erst kürzlich durch hohe Jahresgehälter und Millionenpensionen ihrer Vorstandsmitglieder ins Gerede gekommen war, langt zu: Wer nicht Azubi oder Student ist, soll für die Kontoführung zwischen 7,50 und 13,50 Euro pro Monat zahlen. Pressesprecher André Santen verweist auf die vielen Zusatzvorteile wie Gratis-Handypolicen und Mehrwert-Apps die Kunden nutzen können.

Er räumt allerdings auch ein, dass einige jetzt in ein Tarifmodell mit monatlichem Grundpreis (2,90 Euro) gezwungen werden, die bislang nur pro Buchung zahlten. Die Vertragsänderung tritt automatisch in Kraft sofern keine Widerspruch erfolgt. „Diesen Vorschlag kann der Kunde annehmen oder sich gegen eine weitere Geschäftsbeziehung entscheiden“, so seine klare Ansage. Konkret ihm wird gekündigt.

Bei der Verbraucherzentrale häufen sich inzwischen Beschwerden von Kunden. „Zwar sind für eine Vertragsänderung eigentlich die Willensbekundungen beider Seiten nötig, die Sparkasse hat das aber in ihren Geschäftsbedingungen anders vereinbart“, erklärt Verbraucherschützer Michael Herte in Kiel und beanstandet die mangelnde Transparenz.

Ganz offen kommuniziert hingegen die Commerzbank ihre Preiserhöhung. Für „papierhafte Überweisungen“ berechnet sie seit Juni 1,50 Euro. Die Postbank mit ihren 14,3 Millionen Kunden kassiert bereits seit einem Jahr 99 Cent für Überweisungen, die nicht online ausgeführt werden. Das machen die Raiffeisenbanken im Norden ähnlich, erheben aber anders als die Post zusätzlich saftige Kontoführungsgebühren. Nur wer bereit ist pro Monat 12,90 Euro für ein Premium-Konto zu zahlen, darf kostenlos Überweisungsträger ausfüllen und am Schalter Daueraufträge ändern.

Für Branchenbeobachter bestätigt das einen Trend: Je weniger Dienstleistungen in der Filiale in Anspruch genommen werden, desto günstiger wird es für den Kunden. Das allerdings dürfte den Druck auf das bereits kräftig ausgedünnte Filialnetz weiter erhöhen.

Die gute Nachricht zum Schluss: Die Sparkasse Südholstein gehört zu den Ausnahmen. Sie hat in diesem Jahr noch nicht an der Gebührenschraube gedreht – und das soll vorläufig auch so bleiben.

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erstellt am 17.Jul.2016 | 20:28 Uhr

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