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Schleswig-Holstein

11. Dezember 2016 | 01:26 Uhr

Musik : Newcomerin Lina Maly: Das ist Schleswig-Holsteins Antwort auf Birdy

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mit 19 Jahren legt Lina Maly ihr erstes Album vor. Daneben studiert sie Philosophie, denn berühmt zu werden, war ursprünglich nicht ihr Plan.

Lina Maly begrüßt mich wie eine Freundin mit einer herzlichen Umarmung. Ihre Offenheit ist ungekünstelt, sie wirkt kein bisschen nervös. Dabei wird die junge Sängerin im Büro ihrer Plattenfirma in der Hamburger Speicherstadt gleich ihr erstes richtiges Interview geben. Anlässlich ihres Debütalbums „Nur zu Besuch“, an dem die 19-Jährige schon während ihrer Abi-Phase an der Elmshorner Bismarckschule gearbeitet hat.

Die gebürtige Schleswig-Holsteinerin schafft es, ihre Zuhörer innerhalb weniger Minuten mit ihrer melancholischen Popmusik zu fesseln. Mal singt sie leise-nachdenklich, mal eindringlich. Dass sie trotz ihrer Jugend so tiefgründige Texte schreibt, ist erstaunlich. Zumindest, wenn man Lina Maly nicht kennt.

Sie beherrscht die Kunst, richtig gut zuzuhören: „Ich helfe gerne und spende Verzweifelten Trost.“ Sie erzählt von Freunden, die sich geritzt haben. Von Mobbing oder Magersucht. Alles Dinge, mit denen sie sich sehr intensiv auseinandergesetzt hat, weil es in ihrem näheren Umfeld einige Betroffene gab.

„Sind wir denn nie schön genug, so wie wir sind?“

Angesichts dieser Erfahrungen wundert man sich nicht, wenn Lina Maly in dem Lied „Schön genug“ den Perfektionswahn unserer Gesellschaft kritisch unter die Lupe nimmt. „Sind wir denn nie schön genug, so wie wir sind?“ fragt sie in diesem Song. „Ich beziehe mich damit nicht bloß auf Äußerlichkeiten“, stellt sie klar. „Sondern ebenso auf Cliquenbildung und Egoismus.“ Wer das vermeintlich falsche Handy hat, ist als Teenager ganz schnell out: „Es nervt mich total, dass sich einige das Recht herausnehmen, sich über ihre Mitmenschen zu erheben.“

So etwas geht gar nicht, findet Lina Maly, die allerdings gegen Schönheitszwänge nicht immer immun war: „Als Teenager habe ich mir auch mal größere Brüste gewünscht. Aber ich war nie so extrem wie andere Mädchen.“ Statt mit ihren Mitschülerinnen in Modezeitschriften nach den neusten Trends zu stöbern, spielte sie lieber Basketball: „Girlie-Talk hat mir einfach nicht gelegen.“ Sie zog es vor, mit ihrem älteren Bruder Marven und dessen Kumpeln abzuhängen. Eine beste Freundin? Braucht sie nicht unbedingt: „Mein bester Freund ist ein Junge.“

Eine klare Ansage. Überhaupt scheint Lina Maly genau zu wissen, was sie will. Erst Philosophie studieren, dann Malerei. Ihre Bewerbungsmappe für die Kunsthochschule muss sie noch ein bisschen aufstocken. Darum konzentriert sie sich an der Uni zunächst auf die Schriften von Sartre oder Sokrates. Die Musik soll parallel zum Studium laufen.

Ein sympathisches Mädchen, das singen und Klavier spielen kann

Ein außergewöhnlicher Ansatz in einer Zeit, in der eigentlich alle möglichst rasch berühmt werden wollen. Lina Maly zuckt die Schultern: „Es war ja nie mein Ziel, Musikerin zu werden. Das ergab sich rein zufällig.“ Ihre Gesangslehrerin hat sie quasi ins kalte Wasser gestoßen: „Sie überlegte mit meinem heutigen Manager, was dem deutschen Musikmarkt wohl noch fehlen würde.“ Die beiden kamen zu dem Ergebnis: Deutschlands Antwort auf die Britin Birdy muss her – also ein sympathisches Mädchen, das singen und Klavier spielen kann.

In Lina Maly machten sie die geeignete Kandidatin aus. Schließlich ging sie schon als Sechsjährige zum Klavierunterricht, lernte später Gitarre und begann mit 15, Gesangsstunden zu nehmen. Auf dem Gymnasium belegte sie das ästhetische Profil mit dem Schwerpunkt Musik, sie stand bei Schulkonzerten auf der Bühne – ohne sich dabei eine große Karriere auszumalen. Ein Auftritt bei „Inas Nacht“ oder beim Reeperbahn Festival lag damals noch in weiter Ferne. Sie war lediglich eine Musikbegeisterte, die alles quer Beet hörte: Fiona Apple, Peter Gabriel, alt-J, Queen, Blur, K.I.Z., rattert sie die Liste der von ihr geschätzten Künstler runter.

Obwohl Lina Maly schon als Kind der Musik durchaus zugetan war, hing sie nicht tagein, tagaus vor der Stereoanlage oder übte wie eine Besessene Klavier. Sie stromerte oft durch den Wald, das Landleben genoss sie in vollen Zügen. Wie das Dorf in der Nähe von Elmshorn, wo sie aufgewachsen ist und heute noch mit ihrer Familie wohnt, heißt, verrät sie trotzdem nicht. Sie achtet darauf, ihre Privatsphäre zu schützen. Was nicht bedeutet, dass sie sich komplett abschottet.

Gerne erzählt sie von ihrer Leidenschaft für Tattoos. Zwei Bilder hat sie sich bereits in ihre Haut ritzen lassen, weitere sollen folgen: „Das ist wie eine Sucht. Eine schöne Sucht!“ Stolz präsentiert sie die Ziegen-Tätowierung auf ihrem Arm – ihre Mutter hat sich das gleiche Motiv stechen lassen. Warum? „Weil mein Vater dauernd zu uns sagt, wir seien zwei Zicken.“ Wie ein nettes Kompliment klingt das nicht gerade. Lina Maly lacht. „Ach was“, beschwichtig sie. „Das ist nicht böse gemeint.“

Lina Maly live: Sa, 24. September, 20 Uhr, Hamburg, Prinzenbar.

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erstellt am 11.Sep.2016 | 10:16 Uhr

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