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Schleswig-Holstein

08. Dezember 2016 | 17:07 Uhr

Bandenkriminalität in SH : Neues Großverfahren in Schleswig: Autoknackerbande vor Gericht

vom

Sie sollen Autos reihenweise aufgebrochen und fast zwei Jahre lang aktiv gewesen sein. Dann beendete die Polizei den Spuk. Jetzt müssen sich neun Männer vor Gericht verantworten.

Schlewig | Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat am Montag in Schleswig ein Prozess gegen eine litauische Autoknacker-Bande begonnen. Die Kieler Staatsanwaltschaft wirft den neun Angeklagten vor, in wechselnder Beteiligung über 200 Einbrüche begangen und teure, gestohlene Autos nach Osteuropa verschoben zu haben.

Die zunehmende Bandenkriminalität stellt die Justiz in Schleswig-Holstein vor immer größere Herausforderungen. Die Sitzungssäle in Kiel sind für Prozesse mit vielen Teilnehmern zu klein - deswegen wird nach Schleswig ins Oberverwaltungsgericht ausgewichen. 

Der Anklage zufolge brach die Bande aus Litauen ab Dezember 2013 nachts reihenweise Autos auf Güterzügen auf und stahl Navigationsgeräte sowie Airbags. Bis zur Festnahme im Oktober 2015 werden allein einem der Angeklagten 109 Taten zur Last gelegt, zwei weiteren jeweils über 80. Die Autoknackerbande hatte es den Angaben zufolge auf hochwertige Fahrzeuge abgesehen und die Beute in Litauen abgesetzt. Fünf weitere Männer werden gesondert verfolgt.

Anfangs sollen die Männer nur in Schleswig-Holstein aktiv gewesen sein, die Einbrüche und Diebstähle dann aber auch auf andere Bundesländer ausgeweitet haben. Die Bande flog nach langwierigen Ermittlungen im Oktober 2015 zeitgleich in Litauen und den Bundesländern auf.

Im Oktober 2015 waren bei Durchsuchungen in vier Bundesländern und in Litauen acht Menschen festgenommen worden, darunter auch der mutmaßliche Drahtzieher aus Litauen. Der 36-Jährige soll nach ersten Erkenntnissen nicht nur die in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg agierenden Diebe gesteuert, sondern auch die Absatz- und Vertriebswege der Beute koordiniert haben. Der Mann war nach Polizeiangaben sowohl in Deutschland als auch in Litauen mehrfach wegen schwerer Diebstähle aufgefallen.

200 Polizeibeamte und drei Staatsanwälte in Deutschland und Litauen waren an den Ermittlungen beteiligt. Etwa zwei Jahre haben die Ermittlungen unter Federführung der Staatsanwaltschaft Kiel gedauert. Ins Rollen gebracht hatte sie die Polizei in Norderstedt, die durch eine Serie von Wohnungseinbrüchen und Diebstählen auf die Bande aufmerksam geworden war.

Für den Prozess hat das Gericht bis zum 31. Oktober sieben Verhandlungstage im Gebäude des Oberverwaltungsgerichts in Schleswig vorgesehen. Dort hatte das Landgericht Kiel bereits gegen zwölf Juwelenräuber aus Litauen verhandelt, die sich wegen Überfällen auf Juweliere und Auktionshäuser unter anderem in Kiel und München verantworten mussten.

Die Fortsetzungstermine für die Verhandlung gegen die Litauer sollen am 12., 13., 19., 27. September sowie am 11. und 31. Oktober sein.

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erstellt am 05.Sep.2016 | 14:50 Uhr

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