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Schleswig-Holstein

10. Dezember 2016 | 09:51 Uhr

Infrastruktur in SH : Neue Straßenplaner: Warum die Personalsuche nicht einfach wird

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Landesbetrieb für Straßenbau sucht 30 neue Mitarbeiter. Aber was macht eigentlich ein Straßenplaner?

Kiel | Als Torsten Conradt in den Achtzigerjahren anfing, hatte der Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr 2000 Mitarbeiter. Nach und nach wurden es immer weniger. Jetzt sind es noch 1400, deren Chef Conradt ist. Da erscheinen die bis zu 30 reinen Planer-Stellen – bisher sind es 92 – nicht allzu viel, die jetzt für die Verkehrsplanung hinzukommen sollen, doch der Abbau ist immerhin gestoppt. Das ist angesichts des Aufgabenvolumens auch dringend erforderlich. Die Besetzung mit qualifizierten Leuten wird aber einige Mühe bereiten.

Schleswig-Holstein stehen noch viele Baustellen bevor: Vom Weiterbau der A20 samt Elbquerung bei Glückstadt über den Neubau der Rader Hochbrücke bis hin zum sechsstreifigen Ausbau der A 23 rund um Hamburg reichen die Aufgaben.

Die Opposition hatte schon lange gefordert, die Planungskapazitäten aufzustocken, und das soll im nächsten Jahr nun auch geschehen. Wenn der neue Bundesverkehrswegeplan im Dezember verabschiedet wird, ist Schleswig-Holstein mit vielen Neubauprojekten vertreten.

Binnen weniger Monate soll Landesbetriebsdirektor Conradt bis zu 30 geeignete Fachleute finden und einstellen. „Wir schaffen damit die Voraussetzung, die bis 2030 anstehenden Großprojekte aus dem neuen Bundesverkehrswegeplan auch zügig abzuarbeiten“, sagt Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD). Aber die Konkurrenz um die Fachleute ist groß. Zwar bietet der öffentliche Dienst Sicherheit, aber die private Wirtschaft zahlt besser. Erste Stellenausschreibungen sind schon vorbereitet.

Dass nun eine Bundesfernstraßengesellschaft gebildet werden soll, ändert an den beschlossenen 30 neuen Planer-Stellen nichts. Wann die neue Gesellschaft tatsächlich „stehen“ wird, ist ebenso offen wie ihre Struktur und die künftige Aufgabenverteilung zwischen ihr und den Ländern. Aber Ungewissheit ist in der Behörde schon aufgekommen.

Was macht eigentlich ein Straßenplaner?

Der Landesbetrieb ist verantwortlich für ein 8300 Kilometer langes Straßennetz. Die Mitarbeiter begleiten die Planungen von Eisenbahnlinien, Häfen, Flughäfen oder Großprojekte wie den Fehmarnbelt-Tunnel. Für den Straßen-Winterdienst ist der Betrieb ebenso zuständig wie für die Anfechtung von Klagen gegen Vorhaben wie den Weiterbau der A20.

Conradt sieht in der Aufstockung der Planungskapazitäten einen Wendepunkt. Seit den Achtzigerjahren hätten sämtliche Landesregierungen stetig Personal abgebaut. Allein die Haushaltsstrukturkommission unter CDU-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen habe 2010 einen Abbau von fast 300 Stellen verordnet. „Nun können wir erstmals den Hebel umlegen und Ingenieure oder andere Fachleute wie Geografen oder Juristen anheuern“, sagt Conradt. Das werde aber angesichts der boomenden Baukonjunktur und des Fachkräftemangels in vielen technischen Berufen kein leichter Gang.

Welche Vorteile hat der Job?

Weil nicht nur viele Baufirmen deutlich höhere Einstiegsgehälter als der Landesdienst zahlen, sondern auch Bundesbehörden und Kommunen, setzen Conradt und seine Personalabteilung auf „weiche Faktoren“, wie der Direktor sagt. „Schleswig-Holstein mit Städten wie Kiel, Lübeck oder Flensburg bietet nicht nur hohe Lebensqualität.“

Die Mitarbeiter arbeiteten auch stets sehr ortsnah, müssten also nicht wie bei europaweit tätigen Ingenieurbüros oder Baufirmen ständig unterwegs sein. Zudem gebe es gerade für Frauen umfangreiche Teilzeit- und Homeoffice-Angebote. „Wir müssen einerseits stärker für diese zukunftsfähigen Fachbereiche werben, andererseits mehr dafür tun, dass unsere Absolventen auch von uns eine berufliche Perspektive geboten bekommen“, sagt Meyer.

Aus Sicht Conradts gibt es aber noch eine weitere Klippe: „Ich beobachte seit Jahren eine spürbar rückläufige Technikbegeisterung bei jungen Menschen.“ Um gegenzusteuern setzt der Landesbetrieb unter anderem verstärkt auf Messeauftritte, bietet Praktika an und macht gemeinsam mit den Hochschulen Schnupper-Projekte. Conradt setzt sich auch gemeinsam mit dem Minister dafür ein, dass künftig nicht nur in der Fachhochschule in Lübeck Straßenbauingenieure ausgebildet werden. Möglicherweise könnte ja auch Kiel dazukommen.

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erstellt am 18.Okt.2016 | 13:28 Uhr

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