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Schleswig-Holstein

10. Dezember 2016 | 00:21 Uhr

Helgoland : Neue Idee: Per Fjord-Fähre zum Offshore-Windpark

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zwei Schleswig-Holsteiner transportieren mit umgebauten Katamaranen Techniker zu ihren Arbeitsplätzen auf dem Meer.

Husum/Helgoland | Wer mit Jannes Piepgras telefoniert, der merkt es schnell: Dieser Mann steht unter Strom. Kein Wunder, der 33-Jährige ist quasi ständig unterwegs, ob auf einem seiner Schiffe oder mit dem Flugzeug irgendwo zwischen dem Firmensitz in Husum, der Basis auf Helgoland und den Kunden. Zusammen mit Geschäftspartner Dennis Ronnebeck (36) verfügt Piepgras über drei Katamaran-Fähren, transportiert bei Wind und Wetter jeden Tag Dutzende Techniker von Helgoland aus zu ihren Arbeitsplätzen auf den Offshore-Windkraftanlagen in der Nordsee.

Es ist eine ebenso ungewöhnliche wie steile Karriere. Nach Abitur und einer Ausbildung zum Fischer bei seinem heutigen Kompagnon auf einem Pellwormer Krabbenkutter machte der gebürtige Kieler sein Kapitänspatent, wurde anschließend 2011 auf einem so genannten Crew-Transfer-Schiff in Emden angestellt, das – genau wie er selbst heute – Arbeiter zu den Offshore-Windkraftanlagen bringt. Piepgras: „Die Branche war noch sehr jung, ich habe häufiger mit meinem ehemaligen Lehrherren gesprochen, wir wollten irgendetwas Anderes, Neues machen.“ Zu der Zeit konnten die Transportschiffe aufgrund der Auflagen als Kleinfahrzeug nur mit maximal zwölf Personen fahren. „Wir haben gesehen, dass wir das besser machen können, bei einem Besuch auf Helgoland kam uns die Idee“, so Piepgras.

Starten mit ihrem Offshore-Business durch: Dennis Ronnebeck (li.) und Jannes Piepgras.
Starten mit ihrem Offshore-Business durch: Dennis Ronnebeck (li.) und Jannes Piepgras. Foto: North frisian offshore (2)
 

In Norwegen suchte und fand das Duo 2014 eine ausrangierte Passagierfähre für die Fjorde, die geeignet schien. Nach längeren Verhandlungen ließ sich schließlich eine Bank überzeugen, die mehrere Millionen Euro schwere Finanzierung zu übernehmen. „Wir haben das Schiff in Kiel umgebaut, einen großen Gummifender am Bug montiert, so dass wir den gegen die Plattform der Windanlagen drücken können und die Leute von Bord hinübersteigen.“ Der Clou daran: Im Gegensatz zu den anderen Schiffen darf die Katamaran-Fähre „Seewind I“ als Passagierschiff bis zu 90 Menschen transportieren. „Wir reizen das längst nicht aus. Aber auch mit 40 Leuten können wir viel mehr und aufgrund des Rumpfes und der Maschine wesentlich schneller bei weniger Verbrauch transportieren.“

Im Juni 2014 bekamen Piepgras und Ronnebeck mit ihrer Firma „North Frisian Offshore“ den ersten Chartervertrag auf Helgoland – für nur einen Monat. „Gerade bei schlechtem Wetter ist das Anlegemanöver eine große Herausforderung, das Schiff bewegt sich schnell hoch und runter, die Crew muss hellwach sein, und alle Sicherheitsvorschriften müssen eingehalten werden, damit niemand verletzt wird“, so Piepgras. Es habe am Anfang viel Skepsis wegen des neuen Schiffstyps gegeben. Was in den Fjorden funktioniert, das funktioniert auch draußen bei Seegang, dachten sich die mutigen Jungunternehmer. „Davon waren wir zu 100 Prozent überzeugt, wissen konnten wir es allerdings nicht.“ Doch alles lief bestens, der Charterer war so zufrieden mit der reibungslosen Performance der „Seewind I“, dass der Vertrag immer wieder neu verlängert wurde, derzeit bis zum Jahr 2019.

Im vergangenen Jahr entdeckte man ein weiteres ähnliches Schiff in Norwegen, investierte erneut mehrere Millionen Euro in Kauf und Umbau. „Und seit Anfang dieses Jahres managen wir zusätzlich das Schiff eines Windpark-Eigners, ebenfalls ein Katamaran“, sagt Piepgras, der zusammen mit seinem Partner mittlerweile 26 Angestellte beschäftigt, „alle gut trainiert, aus der Region und mit Erfahrung in der Seefahrt“, wie er betont.

Auch für die nächste Zeit gibt es viele Pläne. In Norwegen gebe es keine Fähren mehr, die zu gebrauchen wären, sagt Piepgras. „In Planung ist daher der Neubau eines weiteren Katamarans auf Basis der Erfahrungen, die wir mit unseren Schiffen bis jetzt gemacht haben.“

Auch in der Luft soll die Zukunft liegen. Piepgras und Ronnebeck bieten Außen-Inspektionen der Offshore-Windkraftanlagen mit Flugdrohnen an. Demnächst wollen sie Generatoren vermieten, die beim Aufbau neuer Anlagen Strom liefern. Selbst den Wechsel des Getriebeöls in den riesigen Windkraftanlagen wollen sie bald in ihr Repertoire aufnehmen. „Wir sind auf Wachstumskurs“, sagt Jannes Piepgras. „Aber mit Bedacht.“ Schließlich müsse man mit seinen angebotenen Produkten auch immer eine gute Auslastung finden. Über seine eigene kann Piepgras jedenfalls nicht klagen, gerade hat er einen kurzen Urlaub gemacht. „Das erste Mal seit Anfang 2014.“

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erstellt am 05.Sep.2016 | 13:02 Uhr

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