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Schleswig-Holstein

28. August 2016 | 16:02 Uhr

Alternative Projekte in SH und Hamburg : Nach Zwangsräumung: Es gibt noch mehr Luftschlossfabriken

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Luftschlossfabrik in Flensburg ist Geschichte. Anderswo in Schleswig-Holstein und Hamburg sind aus ähnlichen Projekten feste kulturelle Institutionen geworden. Ein Überblick.

Die Stadt Flensburg hat das Kulturzentrum Luftschlossfabrik an der Harniskaispitze unter massivem Polizeieinsatz aufgelöst. Das Gelände, auf dem sich Alternative einen Freiraum geschaffen hatten, wird nun freie Fläche. Doch es hätte auch anders enden können. Das zeigen Beispiele ähnlicher Projekte in Schleswig-Holstein und Hamburg. shz.de gibt einen Überblick.

Lübeck: Die Alternative auf der „Walli“

Der Verein
Der Verein "Die Alternative" betreibt seit 37 Jahren ein interkulturelles Zentrum auf der Lübecker Wallhalbinsel. Foto: st
 

Auf der Wallhalbinsel „Walli“ in der Lübecker Innenstadt betreibt der Verein „Die Alternative“ ein Zentrum für „interkulturelle, antifaschistische und autonome Kultur und Politik“. Dazu gehören mit dem Café Brazil, der Vereinskneipe des alternative Tagungstätte eV (VeB) und „treibsand“ drei Kulturveranstalter beziehungsweise Kneipen, die sich einem „anspruchsvollen Programm jenseits des Mainstreams“ verschrieben haben. Die Entstehungsgeschichte des Zentrums reicht bis in das Jahr 1978 zurück.

Damals wurde in der Hüxstraße ein selbstverwaltetes Zentrum eröffnet. Den Mietvertrag mit dem Verein kündigte die städtische Wohnungsbaugesellschaft Trave jedoch. Daraufhin besetzten Mitglieder und Unterstützer des Vereins das Haus. Nach monatelangen Verhandlungen bot die Stadt der Alternative das Ersatzgelände auf der Wallhalbinsel im ehemaligen Verwaltungsgebäude des städtischen Fuhrparks von Müllabfuhr und Stadtreinigung an. Es gibt einen Mietvertrag, der jährlich verlängert wird.

Kiel: Alte Meierei und Hansa 48

Die Alte Meierei ist ein selbstverwaltetes Kulturzentrum nahe der Kieler Innenstadt an der Bundesstraße 202. Die Einrichtung entstand in den 1980er- Jahren, nachdem die Stadt besetzte Häuser am Sophienblatt hatte räumen lassen und den Besetzern andere legale Ausweichprojekte zur Verfügung stellte. Übrig geblieben ist nur die Alte Meierei.

Dort ist ein Wohnprojekt angesiedelt, außerdem gibt es eine Veranstaltungshalle, wo nicht-kommerzielle Konzerte, Theater und andere Veranstaltungen stattfinden. Bands haben die Möglichkeit zu proben, es gibt Werkstätten, politische Treffen und regelmäßig haben Café und Volksküche geöffnet.

Im westlichen Stadtgebiet ist in der Hansastraße 48 der Kommunikationsverein Hansa 48 beheimatet. Das Haus in Uni-Nähe gehört zu den etablierten Veranstaltungseinrichtungen in der Landeshauptstadt. Die Betreibergemeinschaft bewohnt das Gebäude, es gibt einen Kneipen- und Restaurantbetrieb. Und seit Langem geregelte Mietverhältnisse.

Flensburg: Hafermarkt eV, Octopus Garden

Das Wohn- und Kulturprojekt Hafermarkt eV in der Heinrichstraße 8 hat sich nach einer Besetzung des Gebäudes dort angesiedelt. Mittlerweile sind die Verhältnisse geordneter.

Für die Liegenschaft in städtischer Hand wurden Mietverträge mit einzelnen Personen geschlossen. Nach dem Abriss der Luftschlossfabrik sind ehemalige Siedler vom Harniskai dort untergekommen. Allerdings sei das Haus nun vollständig belegt, sagen sie.

Im Stadtteil Friesischer Berg ist an der Boreasmühle der Octopus Garden, ein Platz für Bauwagen, zu finden. Hier hatte die Stadt auch Stellflächen für die ehemaligen Bewohner der Luftschlossfabrik in Aussicht gestellt. Die Nutzung des Grundstücks ist vertraglich geregelt.

Hamburg: Rote Flora

Während einer dreimonatigen Sommerbaustelle im vergangenen Jahr wurde die Rote Flora im Hamburger Schanzenviertel neu gestrichen.
Während einer dreimonatigen Sommerbaustelle im vergangenen Jahr wurde die Rote Flora im Hamburger Schanzenviertel neu gestrichen. Foto: Axel Heimken
 

Es ist das wohl bekannteste Beispiel im Norden, wie aus einer jahrelangen Besetzung am Ende doch noch eine legale Nutzung werden kann: die Rote Flora im Hamburger Schanzenviertel. Das Theater- und Kulturhaus wurde auf Anordnung des SPD-geführten Senats Ende des Jahres 2014 von der Stadt zurückgekauft. Der Käufer, die stadteigene Lawaetz-Stiftung, stellte die Immobilie dann den Besetzern zur Verfügung.

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erstellt am 05.Feb.2016 | 16:48 Uhr

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