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Schleswig-Holstein

04. Dezember 2016 | 05:02 Uhr

Muschelfischer im Wattenmeer : MSC-Gütesiegel macht den „Muschelfrieden von Tönning“ perfekt

vom
Aus der Onlineredaktion

Das Siegel zeichnet nachhaltige Fischerei aus. Jahrelang gab es Streit um die Muschelfischerei im Nationalpark.

Kiel | Schleswig-Holsteins Muschelfischer dürfen ihre Ware jetzt mit dem blauen MSC-Gütesiegel für nachhaltige Fischerei auszeichnen. Umwelt- und Fischereiminister Robert Habeck (Grüne) überreichte am Dienstag in Kiel das vom unabhängigen Marine Stewardship Council (MSC) vergebene Zertifikat an Peter Ewaldsen von der Erzeugerorganisation schleswig-holsteinischer Muschelfischer. Beide erinnerten dankbar daran, dass der jahrelange Streit um die Muschelfischerei im Nationalpark Wattenmeer 2015 mit dem „Muschelfrieden von Tönning“ beigelegt werden konnte.

Hintergrund: Der „Muschelfrieden von Tönning“

Die Eckpunkte von Tönning sehen vor, dass die Kulturfläche, auf der die Muschelfischer wirtschaften, von 2000 auf 1700 Hektar reduziert wird. Davon dürfen 250 Hektar für Saatmuschel-Gewinnungsanlagen genutzt werden, also für die Installation von Netzen, an denen sich junge Muscheln ansiedeln und aufwachsen können, bis sie auf die Kulturflächen gebracht werden. Die Fischerei auf wild lebende junge Besatzmuscheln ist dafür eingeschränkt. Die Vereinbarung soll für die nächsten 15 Jahre Grundlage der Zusammenarbeit zwischen Muschelfischerei und Naturschutz sein.

 

Die dort vereinbarten Eckpunkte und die Verpflichtung, sie auch einzuhalten, waren die Voraussetzung für die Zertifizierung - zwei vorherige Anträge waren vom MSC abgelehnt worden. Auch mehrere Naturschutzverbände, darunter der WWF, tragen die gefundene Regelung für die Muschelfischer im Wattenmeer mit.

Das Fischereiministerium bewertete die Zertifizierung als „weiteren Meilenstein im Einigungsprozess zwischen Naturschützern und Wattenmeer-Fischerei“. Habeck sagte, der Streit mit den Muschelfischern sei der verhärtetste in der schleswig-holsteinischen Fischerei gewesen. Der erfolgreiche Dialog mit Hilfe einer Mediation könne Vorbild sein für andere Debatten.

Ewaldsen betonte, die Muschelfischer hätten große Zugeständnisse gemacht und freiwillig auf 25 Prozent ihrer Muschel-Kulturflächen verzichtet. Aber auch Hans-Ulrich Rösner vom WWF sagte: „Auch wir haben das nicht ganz schmerzfrei unterschrieben.“ Vivien Kudelka vom MSC Deutschland meinte, „wenn alle unzufrieden sind, wissen wir, es richtig gemacht zu haben.“ Der MSC gelte weltweit als strengster Standard für nachhaltige Fischerei. Für drei der insgesamt 28 MSC-Nachhaltigkeitskriterien wurden besondere Auflagen in den Zertifizierungsbericht aufgenommen.

Zufrieden zeigt sich Detlef Hansen von der Nationalparkverwaltung. Nur noch 12 Prozent des geschützten Wattenmeers seien für die Muschelfischer nutzbar; früher seien es etwa 50 Prozent gewesen.

In Schleswig-Holstein gibt es fünf Miesmuschel-Firmen mit insgesamt acht Kuttern. Es handelt sich nach Angaben des Ministeriums um den umsatzstärksten Zweig der Fischerei in Schleswig-Holstein. Die Erntemengen schwankten nach Angaben des Ministeriums in den vergangenen zehn Jahren aufgrund der unterschiedlichen Verfügbarkeit von Besatzmuscheln für die Kulturen zwischen 0 und fast 13.000 Tonnen. 2015 wurden rund 6000 Tonnen angelandet.

Hauptabnehmer sind vor allem Holland, Belgien, Frankreich und Westdeutschland. „Wir haben die besten Muscheln in Europa“, sagte Ewaldsen. Künftig wolle man daher auch damit werben dürfen, dass sie aus dem Welterbegebiet Nationalpark Wattenmeer kommen. Das MSC-Siegel sei kein Gütesiegel für die Qualität der Muscheln, sondern dafür, dass nachhaltig gefischt werde. Und dieses Kriterium sei für viele Verbraucher wichtig. In der Zukunft könnten Supermärkte Produkte ohne solches Label womöglich auslisten, ergänzte Habeck.

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erstellt am 25.Okt.2016 | 07:07 Uhr

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