zur Navigation springen

Schleswig-Holstein

05. Dezember 2016 | 11:29 Uhr

Hamburger Zoll : Mitbringsel aus dem Urlaub: Eine Muschel kann teuer werden

vom
Aus der Onlineredaktion

Muscheln, Lebensmittel, Tiere: Welche Souvenirs können Urlaubern beim Zoll am Flughafen Probleme bereiten?

Hamburg | Es ist immer nur eine Handbewegung. Heiko Sander zeigt auf den kleinen  Raum des Zolls in der Ankunftshalle des Hamburger Flughafens und bittet einen jungen Mann hinein, der gerade aus Moskau in Fuhlsbüttel gelandet ist. „Darf ich?“, fragt der Mann vom Hauptzollamt Itzehoe und schaut dann ins Gepäck des Touristen. „Haben Sie Lebensmittel dabei? Wurst? Käse?“ Der Mann schüttelt den Kopf, denn er weiß, dass er solche Dinge aus außereuropäischen Ländern nicht nach Deutschland einführen darf.

„Doch viele Reisende haben davon keine Ahnung“, sagt Zöllner Sander. Und gerade  für Urlauber, die am Hamburger Flughafen ankommen, kann das schnell zum Problem werden, denn bekanntlich schützt Unwissenheit nicht vor Strafe. „Dass die Einfuhr von Waffen, Drogen und lebenden Tieren nach Deutschland untersagt ist, dürfte vielen Urlaubern bekannt sein, aber dass schon ein Butterbrot, eine Scheibe Wurst oder eine Muschel sie beim Zoll teuer zu stehen kommen kann, das wohl oftmals nicht“, meint der Leiter der Kontrolleinheit des Zolls am Hamburger Flughafen, Jürgen Schulz.

<p>In Kindertaschen verstecken Schmuggler gern Ware: Heiko Sander bei der Kontrolle eines Reisenden.</p>

In Kindertaschen verstecken Schmuggler gern Ware: Heiko Sander bei der Kontrolle eines Reisenden.

Foto: Ruff

Denn steht ein Tier oder eine Pflanze im Washingtoner Artenschutzübereinkommen, dürfen sie nicht eingeführt werden – auch wenn es sich um Produkte handelt, die daraus gewonnen werden. „Entdecken wir einen Gürtel aus Schlangenleder, Figuren aus Elfenbein, Reste einer Koralle oder Kaviar, dann müssen wir die Ware beschlagnahmen“, sagt Schulz. „Dazu gibt es einen fetten Bußgeldbescheid.“ So könnten für eine Muschel, die ein Kind am Strand gefunden hat und mit nach Hause nehmen will, schnell ein paar hundert Euro fällig werden.

Und auch scheinbare Kavaliersdelikte können teuer werden. 200 Zigaretten darf jeder Reisende mitbringen, aber alles was darüber liegt, muss versteuert werden. „Und wer die grüne Linie unter dem Schild mit der Aufschrift ,Anmeldefreie Waren‘ überschreitet, den haben wir auf dem Radar“, sagt Heiko Sander. Der Zöllner hat auch schon erlebt, wie Eltern ihren Kindern Zigaretten ins Gepäck geschmuggelt haben. „Man muss hier immer aufmerksam sein.“ Für die Schmuggler wird es jedenfalls teuer: 38 Euro müssen sie pro Stange Zigaretten an Steuern zahlen und noch einmal 38 Euro an Zuschlag für den Zoll. „Wir bieten ihnen allerdings auch an, die Zigaretten zu vernichten“, sagt Schulz grinsend.

Er teilt die Menschen, die er erwischt, in drei Kategorien ein: „Am häufigsten sind die Unbedarften, die nicht wissen, dass sie gegen Gesetze verstoßen. Dann gibt es professionelle Täter, die ein Gewerbe daraus machen wollen – und Gelegenheitsschmuggler, die einfach mal versuchen wollen, Steuern zu hinterziehen.“

<p>„Entdecken wir einen Gürtel aus Schlangenleder, Figuren aus Elfenbein, Reste einer Koralle oder Kaviar, dann müssen wir die Ware beschlagnahmen“, sagt der Leiter der Kontrolleinheit des Zolls am Hamburger Flughafen, Jürgen Schulz.</p>

„Entdecken wir einen Gürtel aus Schlangenleder, Figuren aus Elfenbein, Reste einer Koralle oder Kaviar, dann müssen wir die Ware beschlagnahmen“, sagt der Leiter der Kontrolleinheit des Zolls am Hamburger Flughafen, Jürgen Schulz.

Foto: Ruff
 

Für Letztere ist oft vor allem der in Deutschland im Vergleich zum Ausland hohe Goldpreis attraktiv. Doch die Einfuhr ist nur bis zu einem Wert von 430 Euro erlaubt – und dafür haben die Zöllner einen Blick. In Jürgen Schulz’ Büro steht jede Menge Fachliteratur über Schmuck und teure Uhren. Und auch die Ausrede, dass jemand die Sachen schon in Deutschland gekauft hat, zieht nicht. „Der Reisende muss das uns gegenüber nachweisen. Es empfiehlt sich also vor Reiseantritt teure Gegenstände bei uns vorzulegen, damit es bei der Rückreise kein Problem gibt“, sagt Schulz, der auch schon spektakuläre Entdeckungen gemacht hat – etwa eine Uhr im Wert von 254.000 Euro oder 180 syrische Münzen und seltene Kulturgüter, die ein Schmuggler wohl in Deutschland zu Geld machen wollte.

Dem Zöllner ist klar, dass er nicht alle Schmuggler erwischen kann – er kennt auch keine Dunkelziffer. „Wir haben hier rund 50000 Kontrollen im Jahr, davon gibt es etwa 2500 Beanstandungen.“ Jeder Zöllner habe seine eigene Methode – und vertraue auf sein Bauchgefühl. „Ich wähle im Vorwege immer den dritten oder den fünften Reisenden aus, den ich am Gepäckband stehen sehe, damit ich gar nicht in die Gefahr komme, jemanden nach Geschlecht, Alter oder Ethnie auszusuchen und mich so zu beschränken“, sagt Heiko Sander. Ein Fund macht ihm Freude. Aber einen Touristen wegen eines Wurstbrötchens zu bestrafen, das nicht – auch wenn durch die Einfuhr  tierischer Produkte theoretisch Seuchengefahr besteht.

Allerdings hat er wie Jürgen Schulz einen Tipp für alle Urlauber, die Muscheln nach Hause mitbringen wollen: „Lasst sie einfach da, wo ihr sie gefunden habt – denn da gehören sie hin.“

> Mehr Informationen unter www.zoll.de oder www.artenschutz-online.de.

zur Startseite

von
erstellt am 10.Aug.2016 | 08:23 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen