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Schleswig-Holstein

04. Dezember 2016 | 13:19 Uhr

Taser in Schleswig-Holstein : Mit Video: Polizei demonstriert Elektroschocker in Neumünster

vom

Polizeigewerkschaft fordert Stromstoß-Waffen für alle Streifenbeamten. Land sieht keinen taktischen Nutzen.

Neumünster/Kiel | Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) fordert die Einführung von sogenannten Tasern für alle Streifenbeamten. Am Montag zeigte die Herstellerfirma Polizisten in Neumünster, wie die Stromstoß-Waffe funktioniert. Mitarbeiter Michael Radner (52): „Es sind fünf Sekunden unvorstellbarer Schmerz, ein Wadenkrampf am ganzen Körper.“

Der Einsatz potenziell tödlicher Schüsse soll mit den Tasern zukünftig vermieden werden. Die Zahl der Übergriffe auf Polizeibeamte erhöhe sich immer weiter– und die Täter würden immer aggressiver, heißt es vom Landesverband der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG).

Michael Radner von „Taser International“ präsentiert die Geräte an einer Pappfigur.

Michael Radner von „Taser International“ präsentiert die Geräte an einer Pappfigur.

Foto: Gehm

Pro Stück kostet der Taser 1200 Euro, zwei Tage Einweisung sollen reichen, um das Gerät zu beherrschen. Axel Bernstein, polizeipolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, sagte nach der Veranstaltung: „Es gibt eine Lücke zwischen Pfefferspray und Pistole, die der Taser mit seiner abschreckenden Wirkung schließen kann. Und die Ausbildungszeit ist nicht so hoch, wie das Innenministerium behauptet.“ SSW-Vorsitzender Lars Harms (SSW): „Wir wollen unideologisch über die Sinnhaftigkeit der Waffe für den Streifendienst diskutieren, ich selbst habe mich noch nicht festgelegt.“ Das Land lehnt die Waffe derzeit ab, weil es „keinen taktischen Nutzen“ sieht.

Ein Video der Vorführung finden Sie hier:

Der Taser verschießt zwei Metallspitzen mit Widerhaken, die an dünnen Drähten hängen und Strom transportieren. Bis zu 50000 Volt lähmen den Körper des Getroffenen, wodurch er kampfunfähig umkippt.

In Berlin testen Streifenpolizisten den Taser bereits, ebenso Beamte in Rheinland-Pfalz. Das Kieler Innenministerium indes lehnt eine Anschaffung ab. „Weil die Landespolizei vom taktischen Nutzen nicht überzeugt ist“, sagt Jana Ohlhoff, Sprecherin im Innenministerium. Zudem entstünde ein hoher Aus- und Fortbildungsbedarf, weshalb es aktuell auch keine Überlegungen gebe, Taser anzuschaffen. Selbst das SEK im Norden verzichtet auf das Gerät, im Gegensatz zu vielen Spezialeinheiten anderer Bundesländer.

Studien von Amnesty International aus den USA zeigen, dass Polizisten den Taser nicht als Alternative zur Pistole einsetzen, sondern statt Schlagstock oder Pfefferspray. Die Menschenrechtsorganisation hat zwischen 2001 und 2015 Todesfälle gezählt, bei denen ein Taser im Spiel war. „Man muss das Bewusstsein schaffen, dass er tödlich wirken kann“, sagt Mathias John, Rüstungsexperte bei Amnesty International.

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erstellt am 21.Nov.2016 | 20:19 Uhr

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