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Stallpflicht und Keulungen : Millionenschäden durch Geflügelpest – 69.000 Vögel getötet

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Land will alle Verluste der Geflügelhalter ausgleichen und gibt mehr Geld für den Tierseuchenfonds.

Kiel | Sie nimmt kein Ende: Immer wieder tauchen in Schleswig-Holstein mit Vogelgrippe infizierte Wildvögel auf. Es gilt weiter die Stallpflicht, mittlerweile sind im Norden rund 69.000 Tiere gekeult worden. Auch der materielle Schaden ist enorm: Seit Beginn der Geflügelpest im vergangenen Herbst haben die Geflügelhalter beim Tierseuchenfonds, in den alle Tierhalter einzahlen und den das Land verwaltet, 1,698 Millionen Euro an Entschädigung geltend gemacht. Das beinhaltet Kosten für die Tötung und Beseitigung der Tiere sowie die Grobreinigung der Ställe.

In diesem Jahr haben von der Geflügelpest betroffene Halter bereits eine halbe Million Euro Entschädigung geltend gemacht. „Und das wird noch mehr werden, weil noch nicht alle ihren Schaden beziffern konnten“, sagt Hans-Peter Goldnick, Vorsitzender des Geflügelwirtschaftsverbandes Schleswig-Holstein und Hamburg. „Das Land muss seinen Beitrag zur Bewältigung der Folgen der Geflügelpest leisten. Denn das Risiko, dass weitere Bestände infiziert werden, bleibt bis mindestens Anfang April hoch.“

Das Landwirtschaftsministerium in Kiel garantiert die Hilfe: „Alle Tierhalter haben einen Anspruch auf Entschädigung – egal was kommt“, sagt Sprecherin Nicola Kabel. Für 2016 seien schon alle Rechnungen bezahlt. Sie wurden zur Hälfte aus dem Tierseuchenfonds beglichen, die anderen 600.000 Euro hat das Land beigesteuert.

Um einen Puffer zu haben, falls es in diesem Jahr weitere Fälle von Geflügelpest in Nutztierhaltungen geben sollte, hat das Land im Nachtragshaushalt den Zuschuss auf 1,37 Millionen Euro aufgestockt. „Wir wollen gewappnet sein, das ist rein vorsorglich“, sagt Kabel. Der Tierseuchenfonds sei finanziell gut gesichert.

Für die Gesamtkosten kann eine Kofinanzierung aus EU-Mitteln beantragt werden, die im günstigsten Fall 50 Prozent ausmacht, so dass die anderen 50 Prozent je zur Hälfte aus dem Tierseuchenfonds und Landesmitteln beglichen werden.

Die Halter bekommen nach dem Tiergesundheitsgesetz den so genannten Gemeinen Wert ersetzt. „Dieser entspricht dem Verkehrswert der Tiere auf der Grundlage aktueller Marktwerte und Notierungen zum Zeitpunkt der Tötung“, so Kabel.

Darüber hinaus stellt das Land insgesamt 855.000 Euro zur Verfügung, um den 57 Freilandbetrieben einen Ausgleich zahlen zu können, weil diese aufgrund der lang anhaltenden Stallpflicht ihre Eier nach zwölf Wochen nicht mehr als Freilandeier vermarkten dürfen. Pro Betrieb gilt eine EU-rechtlich festgelegte Obergrenze von 15.000 Euro.

„Noch haben viele Halter diese Hilfe nicht in Anspruch genommen“, sagt Hans-Peter Goldnick. „Die Verbraucher ziehen weitgehend mit und zahlen weiter höhere Preise für Freilandeier, auch wenn die Tiere im Stall stehen.“ Die Stallpflicht hält Goldnick weiter für sinnvoll. „Bis ganz klar ist, dass es keine neuen Fälle von Vogelgrippe mehr gibt, muss man daran festhalten.“

 
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erstellt am 07.Mär.2017 | 17:21 Uhr

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