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Schleswig-Holstein

04. Dezember 2016 | 19:26 Uhr

Nach anhaltendem Regen in SH : Mieser Sommer verhagelt den Bauern die Ernte

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Bauern in SH haben mit herben Ertragseinbußen bei Gerste und Raps zu kämpfen - geringe Hoffnung auch bei Weizen.

Rendsburg | Nach der Milchpreis-Krise droht nun die Krise für die Ackerbauern: Das anhaltende Schauer-Wetter der letzten zwei Monate sorgt für trübe Ernteaussichten. Beim Raps verzeichnet die Landwirtschaftskammer in Rendsburg im Vergleich zu Durchschnittsjahren Ertragseinbußen von 30, bei der Gerste von etwa 25  Prozent. Die Gerste ist vollständig, der Raps größtenteils eingebracht. Der Weizen steht fast noch komplett auf den Feldern. In zwei bis drei Wochen muss er vom Acker sein. „Doch auch da brauchen wir jetzt beständiges Hochdruckwetter, damit es noch klappen kann“, sagt Kammer-Sprecherin Daniela Rixen. Es sei aber „zu vermuten, dass auch ihm Sonne fehlt“.

Speziell beim Raps ist es laut Rixen „die schlechteste Ernte seit vielen Jahren“. Das Ergebnis sei deutlich niedriger ausgefallen als noch vor wenigen Wochen erwartet. Teils kamen  weniger als 30 Dezi-Tonnen pro Hektar zusammen. Das langjährige Mittel der Erträge beim „Gold des Nordens“ liegt bei gut 40 Tonnen; im letzten Sommer gab es Spitzen-Mengen von rund 50 Dezi-Tonnen. Neben dem Sonnenmangel, so Rixen, hat Schädlingsbefall die Rapspflanzen zusätzlich geschwächt. Raps wird auf rund 94000 Hektar angebaut. Das entspricht 14,3 Prozent der Ackerfläche.

Bei der Gerste habe das ewig wechselhafte Wetter dazu geführt, dass komplette Ähren abgeknickt seien. „Teilweise haben die Bauern angefangen, sogar bei Feuchtigkeit zu ernten – aus Angst, ihre Ähren sonst komplett auf dem Boden vorzufinden“, schildert die Kammer-Sprecherin. Dabei hat die Gerstenfläche gerade leicht um fünf Prozent auf rund 70000 Hektar zugelegt. Als einen Grund nennen Experten, dass eine abwechslungsreichere Fruchtfolge Krankheiten besser vorbeugt.

Der Weizen ist mit rund 190.000 Hektar das häufigste Getreide in Schleswig-Holstein. Gute Preise hängen bei ihm davon ab, dass die Ernte Back-Qualität erreicht. Die Bauern bangen, ob es dafür genügt. Bleibt die Witterung feucht, bliebe nur weniger rentabler Futterweizen übrig. Wie beim Raps sind die Erlöse für Weizen – bedingt durch ein Überangebot auf den internationalen Märkten – ohnehin unter Druck.

Noch nicht nervös sind die Bauern derzeit allein beim Mais –  denn seine Ernte beginnt erst Ende September. Er wächst auf 164.400 Hektar heran. „Der Mais hat ein hohes Kompensationsvermögen in Bezug auf die Witterung, und ohnehin hat er ja noch Zeit aufzuholen“, zeigt sich Daniela Rixen gelassen.  Wenn es klappt, würden davon auch die so gebeutelten Milchbauern profitieren: Rund die Hälfte des erzeugten Maises wird nämlich von ihnen als günstiges Futter für die Kühe angebaut.

Neben der mauen Ausbeute bereitet die miese Witterung den Landwirten logistisch arge Schwierigkeiten. „Wenn es überhaupt mal halbwegs trocken ist, müssen sie  immer wieder aufhören, weil der nächste Regen kommt“, erklärt Susanne Werner, Referentin beim Bauernverband. Nasses Material verstopft den Mähdrescher.

Die ständigen Verschiebungen bringen  den Terminkalender der Lohnunternehmer durcheinander, mit denen laut Werner über die Hälfte der Bauern bei der Ernte zusammenarbeitet. Das erspart einem Hof, sich selbst einen mindestens 300.000 Euro teuren Mähdrescher anzuschaffen. „Eigentlich ist es so getaktet, dass ein Lohnunternehmer auf zwei Betrieben pro Tag arbeitet – aber das lässt sich witterungsmäßig oft nicht durchhalten“, klagt Werner.

Die vollständige Erntebilanz mit exakten Zahlen will die Landwirtschaftskammer am 23. August mit Agrarminister Robert Habeck bekanntgeben.

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erstellt am 10.Aug.2016 | 12:04 Uhr

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