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07. Dezember 2016 | 17:26 Uhr

Angorakaninchen-Züchter : Wo Langohren Wolle geben müssen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Günter Mahrt in Stafstedt ist einer von ganz wenigen Angorakaninchen-Züchtern in Schleswig-Holstein. Regelmäßig müssen seine Tiere eine wahre „Schererei“ über sich ergehen lassen.

Stafstedt | Die possierlichen Tiere sind wirklich handzahm. Günter Mahrt legt eines seiner 70 Angora-Kaninchen auf einem gepolsterten Tisch zurecht, hält es behutsam fest und setzt die Schermaschine an. Selbst wenn der 72-Jährige das Tier auf den Rücken dreht, bleibt es gelassen, strampelt nicht, zittert nicht, scheint es fast zu genießen, wenn jetzt die mehrere Zentimeter langen, samtweichen und weißen Wollhaare von ihm abfallen. Am Ende ist ein Bottich mit etwa 400 Gramm Angora-Wolle gefüllt. Blassrosa scheint nun die Haut des Kaninchens durch. „Es dauert etwa 24 Stunden, bis es sich daran gewöhnt hat“, sagt Mahrt. „Jetzt darf dem Kaninchen nicht zu kalt werden, sonst geht es ein.“ Das Tier kommt in einen Stall im beheizten Raum.

Viermal im Jahr lassen die Tiere diese Prozedur über sich ergehen. „Es muss sein, sonst verfilzt das Fellhaar, und dann würde es den Tieren schlecht gehen“, sagt der Kaninchenzüchter in Stafstedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Damit wird es ein aufwendiges Hobby, das lediglich fünf weitere Mitglieder im Landesverband der Rasse-Kaninchenzüchter noch pflegen. Angora sei aber auch die einzige Kaninchenrasse, die geschert werden müsse, sagt Mahrt.

Der 72-Jährige, mittlerweile Ehrenvorsitzender des Landesverbandes, ist vor 30 Jahren zu seinem Hobby gekommen. Zuvor war Mahrt zur See gefahren, hatte hier die Laufbahn „von Schiffsjungen und Schiffsführer“ durchlaufen. Später sei er Zivilbediensteter der Bundeswehr gewesen und infolge des Truppenabbaus ziemlich früh verrentet worden. „Im Hinterkopf war stets der Gedanke, auch nebenbei noch etwas zu verdienen“, berichtet Mahrt. Zunächst habe er Pelz liefernde Chinchillas, eine südamerikanische Nagetierart, ins Visier genommen, sich dann aber doch für die Woll-Variante Angora entschieden.

Ein Geschäft, von dem man nicht leben könne, „das aber immerhin ein wenig für die Arbeit entschädigt“, sagt Mahrt. Der Preis für Angora-Wolle sei rapide gefallen. Zu Beginn seien noch mehr als 100 Mark pro Kilo drin gewesen, heute seien es 18 Euro. „Und dies nicht in bar, sondern in Waren“, berichtet der Züchter. Nur einmal im Jahr liefert Mahrt – und zwar an einen Abnehmer aus dem baden-württembergischen Deizisau, der stets zur Rendsburger Landwirtschaftsmesse Norla kommt. Im Gegenzug erhält Mahrt dessen Produkte aus der Kaninchen-Wolle für den Weiterverkauf: Decken, Schals, Handschuhe, Pullover und andere wärmende Kleidung wie Angora-Nierenwärmer. „Wenn der Ischias nervt, gibt es nichts Besseres“, schwärmt seine Frau Dörte. Die 69-Jährige erledigt „den Schreibkram“ für ihren Mann und hilft ein wenig bei seiner Zucht mit.

Die Zucht – die ist natürlich auch mit stets mit einem Wettbewerb verbunden. In den Kaninchenschauen auf Vereins-, Kreis-, Landes- und Bundesebene werden die Tiere mit Blick auf ihren züchterischen Erfolg und Pflegezustand bewertet. „Dies geschieht nach dem 100-Punkte-System“, sagt Schauleiter und Züchter Ernst-Hermann Grund (61) aus Wittbek in Nordfriesland. „Die Elite-Züchter tummeln sich oberhalb der 96-Punkte-Marke“, sagt Grund. Und Günter Mahrt gehört dazu.

Die Auflagen dabei zu sein, sind streng: So dürfen auf der Landesverbandsschau am Wochenende in Husum nur Kaninchen aus dem laufenden Zuchtjahr präsentiert werden, und die Tiere müssen einem Verein in Schleswig-Holstein angehören, sagt Grund. Kann dies überhaupt kontrolliert werden? „Und ob“, sagt Mahrt. „Kommen Sie mal her, ich zeige Ihnen mal bei einem Tier den Personalausweis.“ Der Züchter klappt die Ohren eines Angora-Kaninchens auf: Hier sind Zahlen hineintätowiert, die Aufschluss geben über Geburtsmonat und -jahr, über die Vereinsnummer und über die laufende Nummer im Zuchtbuch. Auf den Schauen werden die Tiere aber nicht nur bewertet, sondern auch gehandelt. Bis zu 15 Kaninchen behält Mahrt jedoch stets für das folgende Zuchtjahr für sich.

Und die Tiere, die nicht verkauft werden? „Die wandern in die Truhe“, sagt Mahrt. Und seine Frau fügt hinzu: „Das Fleisch von Angora-Kaninchen schmeckt am besten.“

Landesschau - 167 Kaninchen-Aussteller in Husum
Etwa 1500 Mitglieder zählt der Landesverband Schleswig-Holsteinischer Rasse-Kaninchenzüchter. „Es waren mal fast 3500“, sagt Schauleiter Ernst-Hermann Grund. Für den Aufwand, gerade bei Angora-Kaninchen, hätten nur noch wenige Menschen Zeit. Der Trend gehe daher vermehrt zu „kleinen Schmusekaninchen, vor allem zum Zwergwidder“, so Grund. Widder, das sind jene Kaninchen mit den herabhängenden Ohren. Für die Landesverbandsschau – in diesem Jahr in Husum – warten 167 Aussteller mit insgesamt 920 Tieren auf, 110 davon werden von Züchtern aus dem Jugendbereich (6 bis 18 Jahre) präsentiert.  Die Schau richtet sich nicht nur an Züchter. „Jeder Tierliebhaber ist willkommen“, betont der Schauleiter.  
Termin: 62. Landesverbandsschau, 23. und 24. November, Sonnabend von 8 bis  17 Uhr, Sonntag  von 9 bis 16 Uhr; Eintritt: 3 Euro, Kinder und Jugendliche ermäßigt.
Navigation: NordseeCongressCentrum, Am Messeplatz 12-18, 25813 Husum
Internet: www.kaninchen-abc.de
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von
erstellt am 22.Nov.2013 | 07:20 Uhr

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