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27. Juli 2016 | 03:48 Uhr

Jagd- und Artenschutzbericht : Vergiftete Greifvögel, Wölfe auf Streife – und weniger Hasen in SH

vom

Neun tote Seeadler, drei verendete Rotmilane und fünf getötete Mäusebussarde - das ist die Bilanz vergifteter Greifvögel in Schleswig-Holstein seit 2008.

30 Greifvögel vergiftet

Der Mäusebussard: Dank seines  Sehvermögens erfasst er aus großer Höhe kleine Beutetiere - leider  auch  Gift-Köder.  Foto: Patrick Pleul/dpa
Der Mäusebussard: Dank seines Sehvermögens erfasst er aus großer Höhe kleine Beutetiere - leider auch Gift-Köder. Foto: Patrick Pleul/dpa

Greifvögel wie Seeadler, Rotmilan und Mäusebussard verenden in Schleswig-Holstein bedauernswert oft infolge von Vergiftungen. Seit 2008 sind nachweislich 30 Greifvögel durch Gift getötet worden. „Das Ausmaß ist erschreckend“, sagte Umweltminister Robert Habeck (Grüne) am Mittwoch bei der Vorstellung des Jagd- und Artenschutzberichts. Konkret wurden 70 Proben von toten Greifvögeln untersucht. In mehr als 40 Prozent der Fälle wurden tödliche Vergiftungen nachgewiesen, darunter bei neun Seeadlern, drei Rotmilanen und fünf Mäusebussarden.

Die Greifvögel sind in Deutschland streng geschützt. „Wir haben erhebliche Straftaten in diesem Bereich“, sagte Habeck. Eine schleichende Vergiftung der Vögel sei auszuschließen. „Sie wird nicht aus Versehen, sondern mutwillig herbeigeführt.“ In drei Viertel der Fälle nutzten die Täter Chemikalien, die nicht nur in Deutschland, sondern in der Regel auch in der EU verboten sind. Die Suche nach den Tätern gestaltet sich schwierig. Über ihre Gründe gibt es nur Mutmaßungen. „Man erwischt die Leute leider nicht“, sagte Habeck.

Das reale Ausmaß der Vergiftungen schätzt Habeck sogar noch größer ein, weil die untersuchten Tiere eher zufällig gefunden wurden. Sorgen bereitet ihm dabei vor allem der dramatisch zurückgehende Bestand der Mäusebussarde. „Die Zahl der Brutpaare im Bereich Schleswig sank seit der Jahrtausendwende von mehr als 120 auf gegenwärtig nur 30 Paare.“

Es gibt aber auch erfreuliche Nachrichten aus dem Artenschutz: 2014 brütete erstmals seit 130 Jahren wieder ein Fischadler-Paar im Land. Auch 2015 brütete das Duo im Naturpark Lauenburgische Seen. Naturschützer hatten in potenziell geeigneten Bäumen Plattformen als Bruthilfe befestigt. „Und genau so einen Baum hat sich der Fischadler ausgesucht“, sagte Habeck.

Rotwild: 1027 Tiere geschossen

Rotwild an der Küste: Das wird künftig in Nordfriesland kein ungewöhnlicher Anblick mehr sein.
Rotwild an der Küste: Das wird künftig in Nordfriesland kein ungewöhnlicher Anblick mehr sein. Foto: picture alliance

Das Rotwild sucht sich vor allem im nördlichen Landesteil neue Lebensräume und bereitet laut Habeck Probleme bei der Wiederaufforstung von Waldflächen. Diese ist nach Stürmen wie „Xaver“ und „Christian“ in der waldarmen Region notwendig. „Das Rotwild frisst die jungen Bäume aber wieder auf“, sagte Habeck.

Der Präsident des Landesjagdverbandes, Klaus-Hinnerk Baasch, forderte den Grünen-Politiker deshalb zum Handeln auf. Die Ausbreitung des Rotwilds in den vergangenen zehn Jahren zeige deutlich, dass Wildtiere keine Grenzen kennen. „Die ministeriellen Vorgaben, wo Rotwild vorkommen darf und wo nicht, sind damit seit Jahren von der Realität überholt und gehören abgeschafft.“ Im Jagdjahr 2014/15 wurden im Norden 1027 Tiere geschossen. Das entsprach einem Anstieg um 13 Prozent zum Vorjahr.

SH wird immer weniger hasig

Der Feldhase (Lepus europaeus) ist vom Aussterben bedroht.
Der Feldhase (Lepus europaeus) ist vom Aussterben bedroht. Foto: Julian Stratenschulte
 

Rückgänge der Bestände beobachten Experten dagegen bei den Hasen. Im vergangenen Jahren wurden von Jägern nur noch rund 26.000 Tiere geschossen. Vor zehn Jahren waren es doppelt so viele. „Insgesamt zeigt sich beim Niederwild, dass die Qualität der Lebensräume leidet und die Feldraine, Brachflächen und Tümpel verloren gehen“, sagte Habeck.

Der Wolf wird gemanagt

Wölfe streifen jetzt auch wieder durch SH. In Estland (Foto) sind sie weit häufiger - dass man ihnen in freier Wildbahn begegnet, ist aber auch dort  unwahrscheinlich.
Wölfe streifen jetzt auch wieder durch SH. In Estland (Foto) sind sie weit häufiger - dass man ihnen in freier Wildbahn begegnet, ist aber auch dort unwahrscheinlich. Foto: Visit Estonia
 

Ausgebaut hat Habeck das Wolfsmanagement. 2016 gibt es dafür erstmals einen eigenen Haushaltstitel mit einem Volumen von 100.000 Euro. Hintergrund ist, dass inzwischen häufiger Wölfe zumindest durch den Landesteil Schleswig streifen. Seit 2013 zahlte das Land insgesamt 36.000 Euro als Entschädigung für Risse durch Wölfe. Zwar waren 78 Schäden gemeldet. Nur achtmal hatte sie nachweislich ein Wolf verursacht. In 15 Fällen ließ sich das nicht ausschließen.

 

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erstellt am 06.Jan.2016 | 14:56 Uhr

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