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27. September 2016 | 10:42 Uhr

Solarstrom : Sonnenfinsternis am 20. März 2015 sorgt für Stress im Stromnetz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Sonne wird sich verdunkeln. Wie Betreiber die Versorgung trotz plötzlichen Solarstrom-Wegfalls sicher stellen.

Kiel | Die Sonnenfinsternis am 20. März bereitet den Netzbetreibern in Schleswig-Holstein Kopfzerbrechen. Um 9.30 Uhr beginnt an diesem Tag ein nie dagewesener Stresstest für die gesamte Stromversorgung im Land. Bis 12 Uhr verdunkelt sich der Himmel über Deutschland und Tausende Photovoltaikanlagen fallen aus. „Damit fällt allein in Schleswig-Holstein schlagartig ein Potenzial von 1300 Megawatt aus. Das ist vergleichbar mit dem des Kernkraftwerks Brokdorf“, sagt Ove Struck, Sprecher der Schleswig-Holstein Netz AG. Deutschlandweit fallen während der Eklipse sogar 39 Gigawatt installierte Leistung weg. Und das Netz reagiert empfindlich auf Schwankungen.

Zwar wird das Himmelsphänomen in Deutschland nicht als totale Sonnenfinsternis wahrnehmbar sein. Trotzdem verdeckt der Mond am Tag des Frühlingsanfangs bei uns 80 Prozent der Sonne. Wenn dies um 9.30 Uhr geschieht, speisen die Photovoltaik-Anlagen bundesweit schon über 15 Gigawatt Strom ins Netz, prognostiziert der für Schleswig-Holstein zuständige Übertragungsnetzbetreiber Tennet. Die Leistung sinkt dann schlagartig um 12,6 Gigawatt ab. Noch problematischer wird es jedoch, wenn die Sonne zwischen 10 Uhr und 12 Uhr wieder sichtbar wird. Da sie dann bereits höher steht, drängen innerhalb kurzer Zeit sogar 19,2 Gigawatt Erzeugungsleistung zurück ins Netz.

„Für uns wird das eine extreme Herausforderung“, erklärt Ulrike Hörchens, Sprecherin von Tennet in Bayreuth. Zusammen mit vier weiteren Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland koordiniert Tennet alle Maßnahmen, die so große Schwankungen im Stromnetz erforderlich machen.

Für unvorhergesehene Ausfälle im Netz halten die Netzbetreiber 4 Gigawatt sogenannter Regelenergie vor. Sie stammen von schnell anlaufenden Kraftwerken, die die Energielücken füllen können. In Schleswig-Holstein käme als Erzeuger dafür zum Beispiel das Kernkraftwerk Brokdorf in Frage. Für die Eklipse muss die Regelenergie also aufgestockt werden.

Wie viel zusätzliche Energie vorgehalten wird, steht laut Tennet noch nicht fest. Denn wie schwierig dieser Stresstest wird, hängt vom Wetter ab: „Wenn der 20. März ein sonniger Tag wird, wird die Erzeugerleistung innerhalb kurzer Zeit bundesweit um die Leistung von 19 Großkraftwerke schwanken“, so Hörchens. Das Unternehmen wartet die Prognosen bis kurz vor dem Ereignis ab. „Wir hoffen auf einen bewölkten Tag. Dann fällt die Schwankung geringer aus.“ Trotzdem würden die Netzbetreiber für jedes Szenario genügend zusätzliche Regelenergie bereitstellen können.

Die Frequenz im Stromnetz beträgt 50 Hertz. Allein eine Veränderung um 0,2 Hertz wäre kritisch. „Das wäre ein Zustand, den wir nicht haben wollen“, so die Tennet-Sprecherin. Das Netz würde zusammenbrechen. Das Wort „Blackout“ – ein flächendeckender Stromausfall –  nimmt sie dabei nicht in den Mund. „Bevor das eintritt, haben wir viele Maßnahmen, die wir ergreifen können“, versichert Hörchens. Ein ganzes Jahr hätten sich die Netzbetreiber vorbereitet. Auch die Mitarbeiter der Schleswig-Holstein Netz AG in der Netzleitstelle in Rendsburg wurden zusätzlich geschult. Ihr Sprecher Ove Struck sagt: „Wir gehen davon aus, dass die Versorgung nicht beeinträchtigt wird.“

Hier können Sie die Sonnenfinsternis mit Experten zusammen beobachten:

Am Planetarium und der Sternwarte Glücksburg (Fördestraße 37) kann die Sonnenfinsternis bei gutem Wetter  zwischen 9.30 und 12 Uhr draußen beobachtet werden, bei schlechtem Wetter und auch nach der Bedeckung kann das Ereignis in der Planetariums-Kuppel nachvollzogen werden.

Die Astronomen der VHS-Sternwarte Neumünster stehen zwischen 9 Uhr und 12 Uhr auf dem Großflecken und bieten Interessierten einen Blick durch professionelle Beobachtungsgeräte.

Auf der Dachplattform der FH-Sternwarte in Kiel (Mediendom, Sokratesplatz 6) stehen Experten von 9 bis 12 Uhr bereit und halten Schutzbrillen zur Verfügung.

Die Sternwarte Lübeck ist von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Beobachter treffen sich vor der Sternwarte (Am Ährenfeld 2).

Die Sternwarte Hamburg-Bergedorf (August-Bebel-Straße 196) öffnet zwischen 9 und 12 Uhr. Hier kann die Sonnenfinsternis durch Teleskope beobachtet werden. Dazu gibt es Kurzvorträge.
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erstellt am 13.Mär.2015 | 13:00 Uhr

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