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27. August 2016 | 10:08 Uhr

Entwicklung ländlicher Raum : Lob für schleswig-holsteinisches Konzept

vom

Dünn besiedelte Gebiete, aus denen junge Menschen abwandern, werden in vielen Regionen zum wachsenden Problem. Dies geht aus einer aktuellen Studie des Berlin-Institus hervor. In Schleswig-Holstein ist die Lage jedoch nicht so drastisch. In Berlin wurden die Markttreffs gelobt.

In Dörfern, Gebieten und Regionen, in denen nur wenige Personen leben und junge Menschen abwandern, lohnt es sich nicht, Straßen auszubauen, den Linienverkehr aufrecht zu erhalten oder andere kostenintensive Projekte voran zu treiben, die die Abwanderung insbesondere von jungen Menschen stoppen könnten. Dies geht aus einer aktuellen Studie mit dem Titel „Vielfalt statt Gleichwertigkeit“ hervor, die das Institute Sustainability Studies (IASS) Potsdam und das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung am Montag veröffentlicht haben. Besonders vom Bevölkerungsschwund betroffen sind schon jetzt die ostdeutschen Länder. Bei der Vorstellung der Studie am Montag in Berlin wurden die schleswig-holsteinischen „Markttreffs“, die neben einem Lebensmittelladen weitere Dienstleistungsangebote unter einen Dach vereinen, erwähnt: „Das Konzept könnte vorbildhaft für andere ländliche Räume werden“, lobt die Studie die vom Land geförderte Idee.

Beim Thema „nachhaltige Entwicklung“ sollen laut den Autoren der Studie Raumentwicklungskonzepte entworfen werden, die an die demografische Entwicklung angepasst sind. Als Hindernisse für eine solche Entwicklung werden einheitliche Versorgungsstandards und die in Deutschland geltenden Leitbilder genannt. Beispielsweise sei die Vorstellung davon, dass eine einheitliche Versorgung in Städten und auf dem Land möglich ist, nicht fördernd. Bestehende Versorgungskonzepte für dünn besiedelte Regionen müssen sich wegen diesem Grundsatz meist hinten anstellen, da vielerorts an der Gleichwertigkeit gearbeitet wird. Klaus Töpfer, Exekutivdirektor des IASS Potsdam: „Durch den demografischen Wandel verstärkt sich das Gefälle zwischen städtischen Zentren und ländlichen Gebieten enorm. Diese Unterschiede müssen wir anerkennen, um den richtigen Ordnungsrahmen für das Kleinerwerden aufzustellen.“ Töpfer und seine Kollegen fordern deshalb, dass das Leitbild der Gleichwertigkeit neu diskutiert wird. Würde dieses Leitbild hinterfragt werden, so könnten Subventionen für bauliche Verschönerungen, die Ansiedlung von Unternehmen oder für neue Straßen in dünn besiedelten Landstrichen, in denen die Bevölkerungszahl abnimmt, diskutiert und von Einzelfall zu Einzelfall abgewägt werden.

So drastisch, wie die Studie die Entwicklung ländlicher Regionen darstellt, ist es in Schleswig-Holstein nicht, sagt Referentin Christina Pfeiffer vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes. Ihr seien keine Gebiete in Schleswig-Holstein bekannt, die „nicht mehr lebenfähig sind“. So seien alternative Konzepte wie mobile Arztpraxen, flexible Verkehrsmittel oder Fernschulen, die in der Studie vorgeschlagen werden, bisher kein Thema in Schleswig-Holstein. Bekannt sind sie der Referentin aber.

Man dürfe die Augen trotz der „rosigen Lage“ jedoch nicht verschließen, denn welchen Lauf die Entwicklung künftig nehme, könne man schließlich nicht mit Sicherheit sagen. Die Kreise Steinburg und Dithmarschen seien am meisten von Bevölkerungsrückgang und Überalterung betroffen, sagt Pfeiffer. Perspektivisch sei die Lage um Grundschulen und die ärztliche Versorgung auf dem Land negativ, erläutert die Referentin. Um die Schließung von Grundschulen zu vermeiden und die Versorgung medizinischer Art in Zukunft zu sichern, werden für diese Bereiche neue Ideen gebündelt. Zum Konzept der Markttreffs sagt Christina Pfeiffer: „Man kann eine hohe Qualität durch Verknüpfung schaffen.“ Ein Ort, an dem jung und alt zusammen kommen, wo die Möglichkeit besteht Lebensmittel zu kaufen, den Arzt zu besuchen und sich mit anderen Dorfbewohnern aus der Umgebung zu treffen, sei eine realisierbare Alternative, die bereits häufig umgesetzt wurde. In Schleswig-Holstein gibt es derzeit 29 Markttreffs, 13 weitere sind in Planung.

Entwicklung der Bevölkerungsdichte in Deutschland  

Die Entwicklung sei in Schleswig-Holstein verglichen mit anderen Ländern langsamer, erklärt Christina Pfeiffer. Würden in Zukunft immer mehr Gebiete an Attraktivität verlieren, da die Versorgung schlechter wird, so würden auch keine jungen Familien und junge Ausgebildete in diese zurück kehren oder diese als Wohnort wählen, macht Pfeiffer deutlich.

In der Studie heißt es weiter, dass insbesondere dünn besiedelte Gebiete unter dem Schwund leiden. Die Menschen, die dort leben, verdienen ihr Geld im nächsten Zentrum, und die wichtigen Infrastrukturen werden über den Finanzausgleich der Gebietskörperschaften finanziert. Die Autoren der Studie stellen die Frage: „Wäre es nicht tatsächlich besser, diese schwächelnden Regionen aufzugeben, hier ökologische Ruhezonen zu schaffen und stattdessen mehr in stabile Gebiete zu investieren?“ Vollkommen aufgeben müsse man solche Gebiete jedoch nicht. Christina Pfeiffer spricht von sogenannten „Raumpionieren“. „Darunter werden Menschen verstanden, die Visionen und innovative Lösungsansätze für Problemlagen in einen Raum hineinbringen. Sie nutzen beziehungsweise denken den Raum neu. Und lösen damit oft Entwicklungsimpulse aus.“ Bei den Raumpionieren handelt es sich meist um Zugereiste oder auch prominente Personen. Keine Frage, dass die Ansiedlung von Raumpionieren nicht planbar oder gar kalkulierbar ist. Doch immerhin scheint es eine solche Entwicklung zu geben ­- diskutiert wird zumindest darüber.

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erstellt am 10.Sep.2013 | 13:51 Uhr

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