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07. Dezember 2016 | 15:37 Uhr

Programm der Landesregierung : Kampf gegen die Plage: Katzen massenhaft kastriert

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein einzigartiges Programm der Landesregierung steht kurz vor dem Abschluss - die Finanzierung ist gesichert.

Kiel | Sie streunen herum, reißen Vögel und verenden oft doch selbst qualvoll: In Schleswig-Holstein gibt es nach Schätzungen rund 75.000 wild lebende Katzen. Da jede weibliche Katze in einem Jahr bis zu 35 Junge bekommen kann, werden die Tiere immer mehr zur Plage, da sind sich Tierschützer, Ärzte und Politiker weitgehend einig – und wollen deswegen möglichst viele Katzen kastrieren. Bislang konnten sie sich allerdings nicht darauf einigen, wer das bezahlen soll, denn die Sterilisierung eines weiblichen Tiers kostet 125 Euro. Und das wollen oder können manche Halter von Hauskatzen nicht aufbringen, die ihre Tiere im Freien herumlaufen lassen.

Doch nun ist die Landesregierung kurz vor dem Abschluss eines laut eigener Aussage deutschlandweit einzigartigen neuen Programmes, das das ändern soll. Wie aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Piraten-Abgeordneten im Landtag, Angelika Beer, hervorgeht, sollen spätestens im Frühjahr und Herbst kommenden Jahres landesweite Kastrationsaktionen stattfinden. „Damit wird Sorge dafür getragen, dass frei lebende Katzenpopulationen in Schleswig-Holstein wieder kleiner werden, das Elend dieser Tiere sinkt und weniger vermeintliche Fundtiere in Tierheime gebracht werden“, sagt Silke Schneider, Staatssekretärin im Umweltministerium. Das Land will dafür 65.000 Euro zur Verfügung stellen, weitere 35.000 Euro sind geplant. Und noch einmal 150.000 Euro sollen die Kommunen dazugeben. Dennoch könnte das Programm sie langfristig entlasten, weil die Kosten für die Fundtiere, für die sie aufkommen müssen, in Zukunft kleiner ausfallen könnten.

Insgesamt sollen 5000 Tiere in den zwei zeitlich begrenzten Aktionen vom 15. Februar bis 31. März und vom 1. bis 31. Oktober kastriert werden, darunter auch Hauskatzen. Dafür soll ein Fonds eingerichtet werden, aus dem vor allem finanziell Schwächere Zuschüsse bekommen können, womit sie dann kostenfrei ihre Katzen kastrieren lassen können.

„Die Landesmittel allein werden aber nicht ausreichen, um eine ausreichende Zahl von Katzenhaltern zu erreichen und auch zahlungsschwächere Besitzer zu unterstützen, wie es nach Ansicht der Landesregierung notwendig ist“, sagt Schneider. Soll heißen: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Möglich gemacht wird die Aktion auch durch die Tierärzte, die auf einen Teil ihres Honorars verzichten werden. „Das lässt unsere Gebührenordnung in gewissen Zeiträumen zu“, sagt der Chef der Tierärztekammer Schleswig-Holstein Jens-Peter Greve. Pro kastrierter Katze gibt es 25 Euro Rabatt – für jeden Tierhalter.

„Wir geben damit 125.000 Euro an nicht erhobenen Honoraren zu dem Programm dazu. Das ist ein Knaller“, sagt Greve, der weiter für Spenden wirbt, um noch mehr Tiere kastrieren zu können.

Darauf hoffen auch die Tierschützer, die dem Elend der wild lebenden Katzen jeden Tag aufs Neue begegnen. Holger Sauerzweig-Strey möchte am liebsten schon in diesem Herbst mit der Aktion beginnen. „Das Programm ist ein Anfang, aber wenn wir die Population noch mehr eingrenzen wollen, müssen wir noch mehr tun“, sagt der Landesvorsitzende des Deutschen Tierschutzbundes. Er hofft, dass die Aktion über mehrere Jahre laufen kann. Denn: „Die Tierheime platzen aus allen Nähten und brauchen dringend Entlastung.“ Finanziell seien viele Heime schon jetzt in ihrer Existenz bedroht.

Das sieht auch Angelika Beer so: „Ich freue mich, dass das Land nach über einem Jahr, in dem wir als Piraten mit Tierschützern und Aktiven getagt haben, auf unsere Forderungen eingeht – wenn auch nur im Schneckentempo.“ Beer fordert weiter, dass das Land 250.000 Euro pro Jahr zur Verfügung stellt, um mehr Katzen kastrieren zu können. Denn eines sei klar: Mit dem Programm kann allenfalls die Zunahme der Zahl der Katzen gesenkt werden, im besten Fall um 100.000 pro Jahr. Aber es werden immer noch viele neue Tiere geboren. Jeden Tag.

 

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erstellt am 30.Aug.2014 | 11:55 Uhr

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