zur Navigation springen

Meldungen

27. Juni 2016 | 20:38 Uhr

Pensionswelle : Der Kirche gehen die Pastoren aus

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Immer mehr Pfarrer stehen kurz vor der Pensionsgrenze und der Nachwuchs ist rar. Die Nordelbische Kirche hofft, dass sich mehr junge Protestanten für ein Theologiestudium entscheiden - und es bestehen.

Kiel | Dem Norden droht ein Pfarrermangel. Immer mehr in den 70er und 80er Jahren eingestellte Theologen gehen auf die Altersgrenze zu, gleichzeitig rücken nur wenige Absolventen eines Theologiestudiums nach. Der Höhepunkt wird in den Jahren nach 2020 erreicht sein: Allein im Jahr 2023 werden nach heutigem Kenntnisstand 100 evangelische Pfarrer in der Nordkirche pensioniert. „Es rollt die große Pensionswelle an“, sagt Pastor Lorenz Kock, der Vorsitzende des Vereins der Pastorinnen und Pastoren in Nordelbien, der Berufsorganisation der evangelischen Geistlichen. Schon vor einigen Jahren hat sein Verein deswegen vor dem drohenden Pfarrermangel gewarnt. „Aber wir beobachten auch Erfreuliches: Das Interesse am Theologiestudium ist größer geworden“, sagt Kock.

„2014 wird das Verhältnis zwischen Pensionierungen und Aufnahmen ins Vikariat noch ausgeglichen sein“, sagt der Sprecher der Nordkirche, Frank Zabel. Denn in diesem Jahr rechnet die Nordkirche noch mit etwa 30 Pensionierungen. Zugleich werden rund 30 Hochschulabsolventen in den Pfarrdienst übernommen. Doch langfristig geht die Schere zwischen Theologiestudenten und Pensionären auf: „Auf unserer Liste der Theologiestudenten finden sich derzeit 213 junge Frauen und Männer“, sagt Zabel. Doch diese 213 Kandidaten studieren in unterschiedlichen Semestern. Und nicht alle werden ihr Studium bestehen, beenden oder anschließend in den Pfarrdienst gehen. „Zusätzlich können auf Antrag bei Eignung jüngere Pastorinnen und Pastoren aus anderen Landeskirchen in Einzelentscheidung vom Personaldezernat zur Übernahme in den Dienst der Nordkirche vorgeschlagen werden“, sagt Zabel. Doch auch andere Landeskirchen rechnen für die Zeit nach 2020 mit einem akuten Pfarrermangel. Weswegen die Nordkirche die Nachwuchswerbung intensiviert hat: Schon vor einiger Zeit hat sie ein Internetportal und eine Projektstelle ins Leben gerufen, um junge Menschen für den Pfarrdienst zu begeistern. Unter www.die-nachfolger.de erhalten Abiturienten Informationen über die Voraussetzungen und den Ablauf eines Theologiestudiums. Absolventen erzählen von ihrem Weg zu Talar und Kanzel – von der Vikarin aus Trittau bis zum Bundespräsidenten. Denn auch Joachim Gauck war einst Pfarrer der Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs, die 2012 in die Nordkirche aufgegangen ist.

In der katholischen Kirche betet dagegen sogar der Papst für neue Priester. 2015 soll für Katholiken weltweit ein „Jahr der geistlichen Berufungen“ werden. Schon 2009 hatte die Kirche weltweit ein „Jahr der Priester“ begangen. Doch in Deutschland sinkt die Zahl der katholischen Geistlichen unaufhaltsam: Nach Angaben der Katholischen Bischofskonferenz gab es 1995 noch 18.668 Priester in Deutschland. 2012 waren es nur noch 14.636. Und im Erzbistum Hamburg, zu dem neben Schleswig-Holstein auch Mecklenburg gehört, konnte Erzbischof Werner Thissen 2013 mit dem gebürtigen Niebüller Alexander Görke gerade einmal einen einzigen Kandidaten zum Priester weihen.
 

zur Startseite

von
erstellt am 03.Feb.2014 | 00:33 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen