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25. Juli 2016 | 08:09 Uhr

Castor-Transporte : Atommüll-Zwischenlager in Brunsbüttel rückt näher

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Hessen ist bereit für Castoren – das wirkt sich auch im Norden aus: 2016 könnten die ersten Castor-Transporte ins Kernkraftwerk Brunsbüttel rollen.

Brunsbüttel/Wiesbaden | Hessens neue grüne Umweltministerin Priska Hinz ist grundsätzlich bereit, am Kernkraftwerk Biblis künftig Atommüll aufzunehmen. „Sollte es nach sorgfältiger Prüfung erforderlich sein, auch in Biblis Castoren zwischenzulagern, wird die Landesregierung eine Lagerung in Biblis dulden“, ließ die seit dieser Woche amtierende Hinz ihre Sprecherin gestern gegenüber unserer Zeitung erklären. Damit würde ein drittes Bundesland die Deponierung der Behälter ermöglichen – was die Bedingung von Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg ist, die als bisher einzige Länder Castoren aufnehmen wollen. Die geplante Unterbringung in Brunsbüttel rückt somit näher.

Ministerin Hinz bekräftigte mit ihrer Aussage eine Vereinbarung aus dem schwarz-grünen Koalitionsvertrag in Hessen. Wieviele Castor-Behälter in Biblis gelagert werden könnten, ließ sie offen: Erst nach sorgfältiger Prüfung könne beantwortet werden, „in welchem Umfang eine Aufnahme möglich wäre“, sagte ihre Sprecherin. Zudem müsse der Stromkonzern RWE als Betreiber von Biblis zuvor eine Genehmigung beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) beantragen. RWE wollte sich dazu gestern nicht äußern.

Insgesamt kehren noch 26 Castoren nach Deutschland zurück – zuerst fünf per Bahn aus dem französischen La Hague in 2015, ab 2016 dann 21 per Schiff aus dem britischen Sellafield. Die Behälter dürfen nicht mehr ins bisherige Zwischenlager Gorleben, da mit dem Gesetz zur Suche nach einem neuen Atomendlager auch jede weitere Zwischenlagerung dort untersagt wurde. Jedoch hatten sich Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und Umweltminister Robert Habeck (Grüne) ebenso wie Baden-Württembergs grüner Regierungschef Winfried Kretschmann bereit erklärt, einen Teil in Brunsbüttel beziehungsweise Philippsburg aufzunehmen – aber nur, wenn sich noch ein drittes Land beteiligt.

Dass seine hessische Kollegin dazu jetzt bereit ist, begrüßte Habeck. „Es ist notwendig, dass auch andere Bundesländer Lasten zu tragen“, sagte er. Schließlich sei die Atommüll-Entsorgung „eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ Nun erwarte er von der neuen Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), dass sie „zügig ein tragfähiges Konzept für die Lagerung der Castoren aus der Wiederaufbereitung vorlegt“.

In einem ersten Vorstoß hatte Hendricks Anfang des Jahres bereits Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) aufgefordert, sich an der Zwischenlagerung zu beteiligen – doch der hatte sich abweisender gezeigt als jetzt seine Umweltministerin. „Es scheint mir nicht zielführend“, hatte Bouffier gesagt, „wenn wir Castor-Transporte aus Sellafield mit tausenden Polizeibeamten absichern müssen und hunderte Kilometer durchs Land schicken, nur damit auch ein unionsregiertes Land betroffen ist.“ Allerdings schloss er nur ein Endlager in Biblis aus, nicht aber ein Zwischenlager.

Sollte Hessen sich tatsächlich zur Zwischenlagerung bereit finden, dann wächst die Wahrscheinlichkeit, dass ab 2016 auch in Brunsbüttel Castoren deponiert werden. Zwar hat das Oberverwaltungsgericht Schleswig das schon bestehende Zwischenlager für den AKW-eigenen Brunsbütteler Atommüll kürzlich für rechtswidrig erklärt. Doch zum einen haben Betreiber Vattenfall und das BfS Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision eingelegt – die Genehmigung des Zwischenlagers ist daher nach Angaben aus Habecks Ministerium weiter gültig. Zum anderen wäre für den wiederaufbereiteten Müll aus Sellafield ohnehin eine neue Erlaubnis notwendig.

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erstellt am 23.Jan.2014 | 00:31 Uhr

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