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A7 in Schleswig-Holstein : Mehr Verkehr auf der Rader Hochbrücke als gedacht – Meyer fordert sechs Spuren

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Täglich überqueren 54.200 Fahrzeuge die Brücke. Besonders zugenommen hat die Zusatzbelastung durch Schwerverkehr.

Rendsburg | Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer hat seinen Bundeskollegen Alexander Dobrindt aufgefordert, die Pläne für den Ersatzbau der heruntergekommenen Rader Hochbrücke auf der A7 bei Rendsburg noch einmal grundlegend ändern zu lassen. Die neue Autobahnbrücke müsse sechsspurig werden, sagte SPD-Politiker Meyer dem sh:z am Dienstag. „Sonst planen wir sehenden Auges einen neuen Flaschenhals.“ CSU-Mann Dobrindt will dagegen nur vier Spuren bauen lassen sowie breitere Standstreifen, die notfalls freigegeben werden könnten.

Experten gehen davon aus, dass die alte Brücke noch höchstens neun Jahre genutzt werden kann. Bereits jetzt gilt auf der maroden Autobahnbrücke für Lastwagen Tempo 60. Die Anlieger in den umliegenden Gemeinden befürchten jedoch auch mehr Lärm, wenn dort noch mehr Autos fahren.

Grund für Meyers Forderung sind neue Zahlen von Dobrindts Bundesanstalt für Straßenwesen. Die Behörde hat bei ihrer jüngsten, nur alle fünf Jahre stattfindenden Verkehrszählung festgestellt, dass über die Rader Hochbrücke viel mehr Autos fahren als die zuletzt angenommenen 43.000. So ist die Zahl der Fahrzeuge, die die Nord-Ostsee-Kanal-Brücke täglich überqueren, zwischen 2010 und 2015 von 42.600 auf 54.200 Autos gestiegen. Diese bisher erst für 2030 angepeilte Größenordnung ist damit viel früher erreicht als Bund und Land bisher kalkuliert haben. Schon bald könnten 62.000 Autos am Tag über die Brücke fahren – ab diesem Aufkommen hält auch der Bund sechs Spuren auf einer Autobahn für gerechtfertigt.

Besonders drastisch zugenommen hat die Zusatzbelastung der Rader Hochbrücke durch Schwerverkehr ab 3,5 Tonnen: Die Zahl der Lastwagen, Busse und Transporter kletterte um gut 45 Prozent auf rund 7750 täglich – ein Grund mehr für Meyer, seiner alten Forderung nach sechs Spuren wieder Nachdruck zu verleihen. Auch die von Bund und Land eingeschaltete staatliche Planungsgesellschaft Deges hat gegenüber Meyer angekündigt, die bisherigen Pläne angesichts der neuen Zahlen zu überprüfen. Dass der Zeitplan für den Ersatzbau der voraussichtlich nur noch neun Jahre haltenden Brücke durch eine neue Planung in Gefahr gerät, glaubt Meyer nicht: „Wir haben genug Spielraum bis 2026“, sagte er. Auch sei die Sicherheit auf der alten Brücke trotz der höheren Verkehrsbelastung nicht bedroht. So habe man kürzlich eine Hauptprüfung des Bauwerks abgeschlossen. „Dabei wurden keine neuen, außergewöhnlichen Schäden festgestellt.“ In der zweiten Hälfte des Jahres würden zudem Teile der Stahlkonstruktion verstärkt.

Mit der neuen Verkehrszählung hat Dobrindts Bundesanstalt nicht nur überraschende Zahlen für die Rader Hochbrücke ermittelt. Aus den Daten geht auch hervor, dass sich die Verkehrsströme im Norden durch den 2014 gestarteten sechsspurigen Ausbau der A7 weiträumig verlagert haben. So waren 2015 auf der A7 südlich von Neumünster bis zu 16 Prozent weniger Autos unterwegs als noch fünf Jahre zuvor. Im Gegenzug verzeichnete die Ausweichroute über die A21 großen Zuwachs. Auch der Verkehr auf der A 1 nahm südlich von Bad Oldesloe zu. Dort liegt auch zwischen Ahrensburg und Stapelfeld die am meisten befahrene Strecke im Land mit über 95.000 Autos pro Tag.

Autos pro Tag im Jahr 2015:

A1 Ahrensburg-Stapelfeld 95.100
A1 Stapelfeld - Barsbüttel 93.200
A23 Pbg.-Süd - Halstenbek 88.600
A1 Barsbüttel - AK HH-Ost 86.100
A23 Pinnbg.-Mitte - Pbg.-Süd 83.400
A23 Halstenbek - Krupunder 80.500
A1 AK Bargteh. - Ahrensbg 79.300
A1 Pbg.-Nord - Pbg.-Mitte 78.800
A23 Krupunder - Eidelstedt 76.900
A23 Tornesch - Pinbg.-Nord 73.400

 

Die Pläne sollten geändert werden - aber bitte schnell, kommentiert Henning Baethge:

Da waren sich die schleswig-holsteinische CDU und SPD-Landesverkehrsminister Reinhard Meyer ausnahmsweise mal einig: Der Ersatzbau für die bröckelnde Rader Hochbrücke auf der A7 bei Rendsburg solle auf jeder Seite drei statt nur zwei Fahrspuren erhalten, forderten beide Kontrahenten schon vor zwei Jahren unisono. Doch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt ließ sich damals nicht erweichen – und tut es bis heute nicht: Der CSU-Mann plant für die künftige Brücke lediglich breitere Standstreifen, die bei hohem Verkehrsaufkommen notfalls mal  freigegeben werden könnten.

Dobrindt sollte seine Pläne ändern. Denn  ausgerechnet seine eigene Behörde liefert jetzt Zahlen, die einen sechsspurigen Neubau nahelegen. Wenn schon jetzt statt der bisher angenommenen 43.000 Autos gut 54.000  jeden Tag die Brücke über den Nord-Ostsee-Kanal  überqueren, werden es bald schon mehr als 60.000 oder gar 70.000 sein. Und dann erlauben nicht nur  Dobrindts eigene Richtlinien  den Bau von sechs Spuren – sondern dann ist es auch dringend ratsam. Denn wenn die neue Brücke erst mal gebaut ist und sich dann herausstellt, dass sie der befürchtete Engpass geworden ist, ist es zu spät – dann lässt sie sich nicht mehr erweitern. 

Allerdings gilt es, sich mit der Änderung der Pläne zu sputen. Nur noch neun Jahre hält die alte Brücke – dann muss etwas Neues stehen.   Wenn die mit der Planung beauftragte staatliche Firma Deges jetzt noch mal selbst die Autos zählen will, ist das  verschenkte Zeit – denn an den aufwendig und gewissenhaft ermittelten Daten von  Dobrindts Bundesanstalt für Straßenwesen gibt es bisher keinen begründeten Zweifel. Die Deges sollte deshalb  lieber  bei Minister Dobrindt darauf drängen, dass die neue Brücke breit genug wird – gemeinsam mit dem Kieler Meyer und der schleswig-holsteinischen CDU.

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erstellt am 31.Jan.2017 | 20:15 Uhr

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