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Bildung in SH : „Mehr Schaden als Nutzen gebracht“: Lehrer fordern Rückkehr zu G9

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Aus der Onlineredaktion

Das Turbo-Abi steht in der Kritik. Jugendlichen sollen nach Ansicht der Lehrer wieder mehr Zeit für Bildung bekommen.

Rendsburg | Volle Rückendeckung für eine Abkehr vom Turbo-Abitur hat CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther von den Praktikern bekommen: Von den Mitgliedern des  Philologenverbands meldeten sich bei dessen Jahreskongress in Rendsburg durchweg Befürworter einer vollständigen Rückkehr vom G8- zum G9-Gymnasium zu Wort. Der Philologenverband vertritt die Gymnasiallehrer in Schleswig-Holstein.

In Schleswig-Holstein ist das G9 zurzeit Standard an den Gemeinschaftsschulen. Fast alle Gymnasien haben G8, elf noch G9 und vier Gymnasien bieten beide Optionen an.

„Die Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre hat mehr Schaden als Nutzen gebracht“, bilanzierte Vorsitzender Helmut Siegmon. „Ein Jahr weniger bedeutet eine systematische Absenkung des Niveaus und beschädigt die spätere Studier- oder Berufsfähigkeit.“ Bundesweit habe sich die Einsicht durchgesetzt, dass G8 falsch gewesen sei, sagte Siegmon. Aus dem Kreis der Delegierten kam der Hinweis, emotionale Entwicklung und Urteilsfähigkeit erforderten ältere Schulabgänger. Zu beobachten sei auch, dass die Zahl der Schüler, die in der Oberstufe ein Jahr wiederholen, durch G8 gestiegen sei.

Drei Viertel der betroffenen Eltern bundesweit befürworteten eine Rückkehr zu G9, also einer neunjährigen Gymnasialzeit. „Daraus haben so unterschiedliche Landesregierungen wie die Niedersachsens und Bayerns die richtigen Konsequenzen gezogen, die Albig-Regierung allerdings nicht“, sagte Siegmon.

Günther selbst verwahrte sich auf dem Kongress gegen den Vorwurf der Küstenkoalition, er zettele mit seinem Vorstoß für G9 eine „neuerliche Schulstrukturdebatte“ an. Es gehe nicht um andere Strukturen in der Schullandschaft, sondern schlicht um eine längere Oberstufe. Er wolle Jugendlichen mehr Zeit für Bildung geben und dadurch auch mehr Qualität erreichen, „damit Gymnasien wirklich wieder Gymnasien werden“.

FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki sprach sich für eine Wahlfreiheit zwischen Turbo- und Langsam-Abi aus – und prophezeite, dass sich 90 Prozent für G9 entscheiden würden.

Grünen-Herausforderin Monika Heinold und SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat blieben Antworten auf die Frage aus dem Publikum nach Pro-Argumenten für das Turbo-Abi schuldig. Habersaat konterte mit der Gegenfrage: „Können Sie irgendeinen Grund für G9 nennen, der nicht auch gleich für G10 spräche?“ Heinold ließ vorsichtig erkennen, dass mit ihr eines Tages vielleicht doch über G9 zu reden sein könnte: Nur „erst einmal“ fühlten sich die Grünen an die Verabredung gebunden, dass es kein Zurück geben solle.

Ebenso wie eine längere Gymnasialzeit forderten die Philologen, Lehrer wieder getrennt nach Schularten auszubilden. Ein „Einheitslehrer“ sorge für eine schleichende Angleichung von Gymnasien und Gemeinschaftsschulen.

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erstellt am 17.Mär.2017 | 06:33 Uhr

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