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Schleswig-Holstein

05. Dezember 2016 | 09:38 Uhr

Armut in SH : Mehr als 15 Prozent der Kinder auf Hartz IV angewiesen

vom

Vor allem die Kinder von Alleinerziehenden müssen mit dem leben, was der Staat für das Existenzminimum hält. In Kiel ist das fast ein Drittel der unter 18-Jährigen.

Kiel | Beengtes Wohnen, kein Geld für gesundes Essen, Bildung, Hobbys oder Urlaub – für rund zwei Millionen Kinder in Deutschland ist das Realität. Sie sind auf staatliche Unterstützung angewiesen. Trotz florierender Wirtschaft ist die Zahl der armen Kinder in Westdeutschland gestiegen – auch in Schleswig-Holstein. Insgesamt lebten 2015 im nördlichsten Bundesland  70.913 Kinder unter 18 Jahren in Familien, die auf Hartz IV angewiesen waren, teilte die Bertelsmann-Stiftung mit. Das sind 1000 mehr als 2011. Die Quote stieg damit von 14,7 auf 15,3 Prozent und liegt damit leicht über dem Bundesdurchschnitt, der sich zwischen 2011 und 2015 von 14,3 auf 14,7 Prozent verschlechtert hat.

Das höchste Armutsrisiko hat laut Studie der Nachwuchs von Alleinerziehenden. So wächst mehr als die Hälfte aller Kinder im Hartz-IV-Bezug bei nur einem Elternteil auf. 35 Prozent der armen Kinder im Norden haben zwei oder mehr Geschwister. Negativspitzenreiter bei der Quote armer Kinder ist  in Schleswig-Holstein die Stadt Kiel, gefolgt von Neumünster und Flensburg. Auf Kreisebene hat Dithmarschen ein erhöhtes Armutsrisiko.

Am schlechtesten schnitten auch im Norden die größeren Städte ab: Kiel kam 2015 auf 30,3 Prozent,Neumünster auf 27,7, Lübeck auf 26,9 und Flensburg auf 26,3 Prozent. Unter den Kreisen hatte Dithmarschen mit 17,6 Prozent die höchste Quote und Stormarn mit 8,4 Prozent die niedrigste.

Je länger Kinder in Armut aufwachsen, desto negativer sind die Folgen: Kinder aus armen Familien besuchten später seltener eine weiterführende Schule oder verlassen die Schule ohne Abschluss. Sie wiederholen häufiger eine Klasse und haben schlechtere Noten. Verglichen mit Kindern aus Familien mit geregeltem Einkommen sind der Studie zufolge arme Kinder zudem häufiger sozial isoliert und gesundheitlich beeinträchtigt. Sie haben seltener ein eigenes Zimmer und keinen Rückzugsort für Schularbeiten. Zudem essen sie oft kaum oder gar kein Obst und Gemüse.

Experten kritisieren, dass trotz vieler Hilfen für Familien die Unterstützung bei armen Kindern nicht ankomme. Nötig sei eine Reform der Hilfen, mahnen auch die Autoren der Studie. Bundesweit am stärksten  nahm die Armutsquote in Bremen zu (plus 2,8 Prozentpunkte), gefolgt vom Saarland (plus 2,6) und Nordrhein-Westfalen (plus 1,6).

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erstellt am 12.Sep.2016 | 17:17 Uhr

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