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Schleswig-Holstein

06. Dezember 2016 | 13:19 Uhr

Seegras-Plage : Lösungen gesucht: Ungeliebtes Strandgut kommt Küstenorten teuer zu stehen

vom
Aus der Onlineredaktion

Strand-Spaziergänger stören sich am unangenehm riechenden Treibgut. Der Klimawandel verschärft das Problem noch.

Boltenhagen | Nach Verwertungsmöglichkeiten für massenhaft angespülte Seegräser und Algen an der deutschen Ostseeküste haben Vertreter von Kommunen, Unternehmer und Wissenschaftler bei einem Symposium am Montag in Boltenhagen (Nordwestmecklenburg) gesucht.

Während weltweit Seegraswiesen eher rückgängig sind, ist an der Ostsee eine Erholung der Bestände seit den 1960er-Jahren zu beobachten. Die Küstengemeinden beklagen auch vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Meereserwärmung eine starke Zunahme des Spülgutes an den Stränden. Bis Ende 2017 plant die Universität Rostock eine Seegras-Karte der deutschen Ostseeküste.

Treibgut an den Stränden stelle die Ferienorte vor große finanzielle und organisatorische Herausforderungen, erklärte eine Sprecherin des Verbandes Mecklenburgischer Ostseebäder. So koste die Strandreinigung jedes Jahr etwa 38 Euro pro Küstenmeter. Einer Gästebefragung in diesem Sommer in Mecklenburg-Vorpommern zufolge wollen sieben von zehn Touristen kein Treibgut an den Stränden, weil es die Qualität des Urlaubsortes mindere, sagte Leoni Herhaus vom Verein Küsten-Union Deutschland.

Um diesen Haufen Seegras in Eckernförde wegzufahren, braucht ein Lohnunternehmen drei Tage.
Um diesen Haufen Seegras wegzufahren, braucht das Lohnunternehmen Engel drei Tage. Mitarbeiter Thomas Möller schaufelt mithilfe eines Radladers das Seegras auf einen Hänger. ´ Foto: karkossa-schwarz (2)
 

Eckernförde macht aus der Not eine Tugend

Die weltweit vorkommenden Seegräser erfüllen eine wichtige Funktion für die Küsten, wie Hendrik Schubert vom Institut für Biowissenschaften der Universität Rostock sagte. Sie stabilisierten Meeresboden und Küste, seien Laichgebiet und Rückzugsraum für Jungfische und somit bedeutsam für den Erhalt der Biodiversität. Allerdings fördere der Klimawandel das Seegraswachstum, das bei zunehmenden Extremwetterlagen und Stürmen vermehrt an die Strände gespült werde.

Versuche für eine Verwertung laufen derzeit auf der Insel Poel bei Wismar. Das eingesammelte Treibgut werde am Strand vorgetrocknet und gesiebt und erst dann in einem Silo gelagert, erklärte Kurdirektor Markus Frick. In einem Pilotprojekt werde eine Biogasanlage statt mit Mais mit Seegras gefüttert. Auch ein Verbrennen der Meerespflanzen zur Energiegewinnung sei in speziellen Öfen machbar.

Das Ostseebad Eckernförde macht seit Jahren aus der Not eine Tugend. Aus Seegras wurden Wälle am Strand errichtet und bepflanzt, wie Michael Packschies von der Stadtverwaltung sagte. Daraus entstanden kleinere Deiche, die dem Küstenschutz dienten. Ein Schutzstreifen aus Strandgut sei 2015 an einer Einfallsstraße ins Ostseebad angelegt worden. Packschies plädierte für mehr naturbelassene Strände. Der Kurdirektor von Eckernförde, Stefan Borgmann, hielt dagegen, dass die Ferienorte einem „Entledigungszwang“ fürs Treibgut unterlägen.

Touristen erwarteten einen weißen sauberen Strand. Nicht nur Seegräser und Algen müssten maschinell entfernt werden, sondern zugleich auch Müll. Die Kosten für die Strandreinigung in der Stadt bezifferte Borgmann auf 80.000 Euro im Jahr. In der Vergangenheit gab es im Klützer Winkel im Landkreis Nordwestmecklenburg eine Pilotanlage, die Seegras zu biologischem Dämmstoff und Katzenstreu verarbeitete. Der Testbetrieb im Rahmen eines EU-Projektes erwies sich aber als unwirtschaftlich und wurde 2007 nach zehn Jahren Technologieforschung eingestellt.

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erstellt am 17.Okt.2016 | 17:08 Uhr

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