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Landtagswahl in SH : Lars Harms (SSW): Ein Friese für die Dänen-Partei

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Küstenkoalition oder nichts“: Spitzenkandidat Lars Harms möchte gern in der Regierung bleiben.

Husum | Erst geht er einmal um ihn herum – dann spricht er ihn doch an. „Das ist wirklich ’ne gute Idee mit Ihrer Forderung nach einem Überholverbot für Lkw auf der A7“, sagt der ältere Mann aus Husum, der das Lars Harms „einfach mal sagen muss“. Denn wann bekommt man schon mal einen leibhaftigen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Husum zu sehen?

„Häufig“, sagt Harms, der den Marktplatz der nordfriesischen Kreisstadt als Treffpunkt für ein Pressegespräch vor der Landtagswahl vorgeschlagen hat. Denn hier ist er aufgewachsen, hier fühlt er sich wohl. „Husum ist mein Ding, Husum ist mein Kiez“, sagt der 52-jährige SSW-Politiker. Hier trifft er Bekannte, wie den Wirt des Cafés am Hafen, der ihm an diesem Nachmittag ein großes Bier serviert – natürlich draußen, denn die ersten stärkeren Sonnenstrahlen des Frühlings machen Harms gute Laune. Der waschechte Friese ist gern an der frischen Luft, auch wenn das für andere zu kalt sein mag. „Ich gehe auch leidenschaftlich gern baden – schon so ab 14 Grad Wassertemperatur.“

Dass er politisch baden geht, ist bei der Landtagswahl fast unmöglich, „denn der SSW hat in dieser Küstenkoalition sein Meisterstück abgeliefert“, meint Harms. Das muss er wohl so sagen, denn schließlich ist er nach dem Rückzug von Anke Spoorendonk aus der Politik zum ersten Mal Spitzenkandidat des SSW. Dass nun kein Vertreter der dänischen Minderheit die Partei in den Wahlkampf führt, sei kein Problem, meint Harms: „Ich bin genau so Ansprechpartner für die Dänen, wie es Anke für die Friesen war.“ Dass er Spitzenkandidat kann, daran lässt Harms keinen Zweifel. „Ganz unbescheiden kann ich sagen, dass ich mich in den meisten Politikfeldern gut auskenne.“

Seit 17 Jahren sitzt Harms im Landtag, immer mit einem oder zwei anderen Abgeordneten des SSW. „Da muss jeder alles machen“, sagt Harms, der auch an diesem Tag seinen kleinen Button mit den friesischen Farben am Mantelkragen trägt. Weil er seinen Sohn vor Jahrzehnten in einem dänischen Kindergarten anmeldete und dort über den SSW gesprochen wurde, kam er zu der Minderheitenpartei. Schnell sitzt er für die Partei im Stadtrat, dann im Kreistag – und rückt schließlich in den Landtag auf. Lange ist es her, dass Harms Betriebswirtschaft studierte, danach die Touristeninformation in Heide leitete. Heute ist der Vater von sechs Kindern beinharter Berufspolitiker, dem es nicht an Selbstbewusstsein mangelt. „Ich schlage im Vergleich zu Anke Spoorendonk mit ihrer ausgleichenden Art, vielleicht auch mal auf einen gröberen Keil“, sagt Harms. Aber das habe auch den Vorteil, dass jeder genau wisse, woran er mit ihm sei.

„Keine reine Klientelpartei für Minderheiten“

Klar ist jedenfalls die Koalitionsaussage des SSW: „Küstenkoalition oder nichts“, sagt Harms. Dabei hat Ministerpräsident Torsten Albig dem SSW sogar angeboten, sie bei jeder Koalition dabei haben zu wollen. „Wir haben viel zusammen erreicht, das wollen wir fortsetzen“, sagt Harms. Etwa wolle der SSW auch die Familien entlasten, die „gerade noch über Hartz-IV-Niveau liegen – etwa bei den Kita-Beiträgen“. Überhaupt stehe der SSW für soziale Gerechtigkeit. „Und viele Menschen haben, seit wir in der Regierung sind, endgültig gemerkt, dass wir keine reine Klientelpartei für Minderheiten sind.“

Und Harms’ Wahlziel? „Letztes Mal hatten wir mit 4,6 Prozent das beste Wahlergebnis seit 50 Jahren – es wäre doch der Hammer, wenn wir das noch toppen könnten.“ Es würde dem SSW endlich den lang ersehnten Fraktionsstatus bescheren – und einen vierten Abgeordneten im Landtag.

Doch 2012 profitierte der SSW von der Negativ-Kampagane der CDU, außerdem hatte die Partei mit der von ihr geforderten Gleichstellung der dänischen Schulen einen Wahlkampfschlager, den niemand so glaubhaft spielen konnte wie die Partei der dänischen Minderheit. Doch Harms glaubt an den Erfolg, will auch im Süden des Landes um Wählerstimmen buhlen. Und dann? Welche Rolle sieht er für sich in der künftigen Regierung? Harms wiegelt ab: Wer was an welcher Stelle mache – das werde nach der Wahl besprochen. Dass er einen Kabinettsposten anstrebt, gilt in Landtagskreisen aber seit langem als ausgemacht, dass er einen bedeutenderen will als Justiz-, Kultur- und Europaministerin Anke Spoorendonk auch.
 

Porträts der weiteren Spitzenkandidaten für die Landtagswahl lesen Sie in den kommenden Tagen auf shz.de.

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erstellt am 12.Apr.2017 | 13:35 Uhr

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