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Landtagswahl 2017 : Spitzenkandidaten in SH: So nutzen sie Social Media

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Aus der Onlineredaktion

Der Wahlkampf ist in vollem Gange - auch online. Ein Überblick über die Präsenz der Spitzenkandidaten.

Kiel | Ausgerechnet der Oldie ist in den modernen sozialen Medien ganz weit vorn. Fast 37.000 Menschen haben die Facebook-Seite von FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki (65) „gelikt“. Wenige Wochen vor Schleswig-Holsteins Landtagswahl am 7. Mai hat dort kein anderer Spitzenpolitiker aus dem Land so viele Fans. „Wir haben schon in früheren Wahlkämpfen festgestellt, dass wir viele Menschen über die klassischen Kommunikationswege (Wahlkampfstand, Plakate, Anzeigen, Postwurfsendung etc.) nur noch begrenzt erreichen“, sagt der Liberale. Doch er macht nicht überall mit: „Facebook liegt mir einfach mehr als Twitter.“ Es scheint zu funktionieren: Vor etwa einem Jahr umfasste Kubickis Facebook-Fangemeinde noch 17.000 Nutzer. Ein ordentlicher Zuwachs.

Wahlkampf findet immer mehr auch online statt - manche Zielgruppen erreichen politische Botschaften anders nicht. Doch auch der Kampf gegen Fake News ist für viele Politiker und Parteien ein Argument, im Netz aktiv zu sein.

Viel stärker als in früheren Wahlkämpfen nutzen die Parteien die sozialen Kanäle zur Verbreitung ihrer Botschaften. „Soziale Medien sind grundsätzlich ein interessantes und wichtiges Medium, um mit Menschen direkt in Kontakt zu kommen“, sagt Ministerpräsident Torsten Albig. Dem SPD-Politiker folgen bei Facebook mehr als 10.000 Menschen. Auch er hat Twitter ausprobiert. „Allerdings musste ich schnell feststellen, dass es mir nicht liegt. Weil es mir keinen großen Spaß gemacht hat und ich so auch nicht authentisch sein konnte, habe ich mich wieder abgemeldet.“

Präsenz in sozialen Netzwerken ist für den Medienwissenschaftler Helmut Scherer alternativlos. „Wenn man dort nicht in Erscheinung tritt, gilt man als gestrig“, sagt er. „Ein Wahlkampf ohne Social Media ist im Jahr 2017 undenkbar“, sagt auch Martin Fuchs. Das Kommunikations- und Informationsverhalten der Deutschen habe sich in den vergangenen Jahren elementar verändert. Bestimmte Zielgruppen erreiche man über klassische Kanäle nicht mehr, sagt der Politikberater und Blogger aus Hamburg. Doch: „Mit dem alleinigen Fokus auf Onlinekommunikation würde man wohl keine Wahl gewinnen.“ Online- und Offline-Aktivitäten müssen verzahnt sein.

Welches Instrument für den Ausgang der Wahl schließlich entscheidend ist, sei aber nicht zu sagen, so Fuchs. „Der Meinungsbildungsprozess ist dafür schlicht zu komplex.“ Allerdings ließen sich mit Online-Instrumenten sehr viel einfacher und kostengünstiger viel größere Reichweiten erzielen und Bürger zielgerichteter ansprechen.

Das weiß auch die AfD: „Wir nutzen diese Medien intensiv“, sagt Spitzenkandidat Jörg Nobis. Auf der Facebook-Seite seiner Partei haben fast 15.000 Menschen den „Gefällt mir“-Knopf gedrückt.

Aber nicht nur das, sondern auch wie Politiker online aktiv sind, sei relevant, sagt Helmut Scherer. Nur Botschaften auf Facebook zu verbreiten, reiche nicht. Politiker müssten authentisch bleiben. „Denn die Internet-Gemeinde ist sehr kritisch.“ Allzu schnell sei ein Shitstorm ausgelöst. „Deswegen müssen die Auftritte dort mit Sorgfalt betrachtet werden“, mahnt der Professor des Instituts für Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover. Für die Botschaften gelte aber generell: „Je klarer und emotionaler Inhalte sind, um so besser funktionieren sie in Social Media“, so Fuchs. Da kann es auch mal etwas lockerer zugehen, wie bei einem Blick hinter die Kulissen vom Wahlwerbespot-Dreh des SSW:

 

Wahlen können im Netz verloren werden

Der Professor glaubt, dass Wahlen auch im Internet verloren werden können. „Das passiert dann, wenn man peinlich ist“, sagt Scherer. Dass Politiker Einträge nicht immer selbst schreiben, hält er für kein großes Problem. „Die Leute wissen doch, dass hinter einem Politiker ein Team steht.“ Die Auftritte müssten „lediglich einen in sich stimmigen Grundtenor haben“.

CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther schreibt „das meiste selbst, vor allem Meinungsäußerungen“. Über Veranstaltungen und Termine berichtet sein Team. Er gibt auch Einblicke ins Private:

Kubicki macht das mit dem Kürzel TK unter seinen Einträgen deutlich – statt des von ihm selbst verwendeten WK. Albigs Facebook-Seite betreut ein Mitarbeiter. „Schließlich muss man in den sozialen Netzwerken auch mal schnell reagieren können“, sagt Albig. Das könne er bei seinen vielen Terminen nicht leisten. „Allerdings poste oder kommentiere ich hin und wieder auch selbst etwas auf Facebook.“

 

 

Die  Linken-Spitzenkandidatin Marianne Kolter nutze Facebook vor allem, um Kontakt zu Freunden zu halten. „Dieses Medium aber jetzt im Wahlkampf plötzlich intensiv für PR-Zwecke zu nutzen, wäre unehrlich und nicht authentisch“, sagt sie. Zunächst eine souveräne Entscheidung, sagt Martin Fuchs. Doch: „Ich glaube, sie verschenkt hier Potenzial. Selbstverständlich sollte man mit der politischen Nutzung nicht erst vier Wochen vor der Wahl anfangen, eine Community und Vertrauen müssen über Jahre aufgebaut werden.“

Dieses neu oder wieder gewonnene Vertrauen hätte zudem einen weiteren wichtigen Effekt: Es mache Bürger immun gegenüber Fake News, sagt Fuchs, „die ja nur funktionieren, weil das Grundvertrauen in Politiker und das politische System in bestimmten gesellschaftlichen Bereichen verschwunden ist.“

Soziale Netzwerke und ihre Schattenseiten

Hass-Kommentare und bewusste Falschmeldungen sorgen auch im Norden die Kandidaten. „Leider nehmen Fake News im Netz stark zu“, sagt Albig. Umso wichtiger sei es, etwas entgegenzusetzen. „Auf falsche Behauptungen muss schnell reagiert werden“, sagt Günther. „Sonst verfestigt sich sowas.“ Grünen-Spitzenkandidatin Monika Heinold sieht die Gefahr, „dass Fake News im Wahlkampf auch in Schleswig-Holstein zum Einsatz kommen“. Es sei ja leicht, diese Meldungen zu verbreiten.

SSW-Spitzenkandidat Lars Harms sagt, „wir nutzen die sozialen Medien auch gelegentlich, um Fake News zu entlarven“. Dafür seien soziale Medien ein wichtiges Instrument, sagt Fuchs und nennt die Bundes-Grünen als positives Beispiel. Mit Hilfe einer Netzfeuerwehr identifizieren sie Fakes und bekämpfen diese online aktiv. Es gehe darum, die eigenen Positionen selbstbewusst zu vertreten, so Fuchs. „Demokraten dürfen das Netz nicht den Populisten und ihren Fakes überlassen.“

Trotz hoher Bedeutung der Online-Kampagnen spielen konventionelle Medien nach Ansicht von Medienwissenschaftler Scherer weiter eine wichtige Rolle. „Der Wahlkampf wird weiter vor allem über die Medien-Berichterstattung entschieden.“ Auch Martin Fuchs sieht eher einen strategisch guten Mix der verschiedenen Medien und Kanäle als mögliches Erfolgskonzept. „Ich glaube nicht, dass die Wahl in Schleswig-Holstein online entschieden wird.“

So viele Follower haben die Spitzenkandidaten (Facebook und Twitter):

Kandidat Facebook-Likes Twitter-Follower Gesamt
Wolfgang Kubicki (FDP) 37.177 - 37.177
Torsten Albig (SPD) 10.403 1424 11.827
Daniel Günther (CDU) 3089 338 3427
Jörg Nobis (AfD) 1793 429 2222
Monika Heinold (Bündnis 90/Grüne) 1016 171 1187
Patrick Breyer (Piraten) - 1034 1034
Lars Harms (SSW) 129 735 864
Marianne Kolter (Die Linke) k. A. - -
Stand: 17. März 2017      
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von
erstellt am 18.Mär.2017 | 12:43 Uhr

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