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Kultur

25. Juli 2016 | 17:52 Uhr

2,6 Millionen Gäste : Kultur im Trend: Besucherrekorde in Museen in SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Besucherrekorde in Gottorf, zufriedene Gesichter im Günter-Grass-Haus, große Zuwächse im Museum der Westküste – die Museen in SH erfreuen sich stetig steigender Beliebtheit. Jedenfalls dann, wenn sie was zu bieten haben.

Schleswig/Lübeck | Es ist ein Bekenntnis mit den Füßen: Mehr als 110 Millionen Besucher werden deutschlandweit in rund 6250 Museen gezählt, davon in Schleswig-Holsteins knapp 240 Häusern reichlich 2,6 Millionen. Zwar schwanken die Zahlen je nach Ausstellungsangeboten und Sonnenscheinstunden, das Institut für Museumsforschung in Berlin registriert jedoch seit 20 Jahren eine prinzipiell steigende Tendenz. Auch für Schleswig-Holstein. Aber überall gilt: Wer volle Häuser will, muss mehr bieten als seine Dauerausstellungen an Wänden oder in Vitrinen.

Museen vermitteln Bildung und bewahren das kulturelle Erbe für künftige Generationen. Da meist die Zuschüsse zu gering sind, sind Besucher ein wichtiger Faktor, um diese Aufgabe finanzieren zu können. 

Das Plus im Gottorfer Globushaus war berauschend. 35,6 Prozent mehr Besucher zählte das Museum vor einem Jahr, ein Erfolg, der sich 2015 mit einem weiteren kleinen Zuwachs stabilisieren wird. Die Ursache: neue moderne Vermittlungsformen. An 18 Stationen sind Informationen und Geschichten rund um Globushaus und Barockgarten abrufbar. 70.000 Euro wurden darin investiert, viel Geld für ein Haus im Norden.

Zahlen gibt es aus dem Lübecker Günter-Grass-Haus zwar noch nicht, dessen Leiter Jörg-Philipp Thomsa verrät für 2015 aber schon, „die besten Zahlen seit Bestehen“ erreicht zu haben. Das, sagt er, liege natürlich auch am Tod des Namensgebers im vergangenen April und den Führungen zur aktuellen Sonderausstellung „War eigentlich ein schönes Schiff...". Vor allem bei den jungen Menschen wird das Grass-Haus immer populärer: „Die Abiturienten, die die Novelle ,Im Krebsgang’ durchnehmen, rennen uns die Türen ein.“

Einen satten 25-Prozent-Zuwachs konnte vor einem Jahr das Haus Kunst der Westküste auf Föhr vermelden. Bis Ende 2015 kommen weitere fünf Prozent hinzu, schätzt Mitarbeiterin Christiane Morsbach. „Tatsächlich konnten wir die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen sehr viel weiter erreichen, da wir unser Workshopangebot und die Vermarktung desselben stark ausgefeilt und ausgebaut haben seit dem vergangenen Jahr.“

Computergestützte Informationsquellen, Hörstationen, Erklärungen vom Tablet – es sind moderne Vermittlungstechniken, die junge Menschen locken, und das der weltweit digitalisierten Kultur zum Trotz. Das Museum hat Originale, und die können ganz andere Erlebnisse vermitteln, als Abbildungen zwischen Buchdeckeln oder an Bildschirmen es vermögen. Vorausgesetzt, der Glamour-Faktor stimmt.

Das belegt auch eine Befragung des Berliner Instituts für Museumsforschung. In der Rangordnung der Gründe für starkes Ansteigen beziehungsweise Absinken der Besucherzahlen stehen große Sonderausstellungen oder eben deren Einschränkungen an erster Stelle. Als Erfolgsfaktoren gaben deutsche Museen außerdem in dieser Reihenfolge an: Erweiterung von Öffentlichkeitsarbeit und Museumspädagogik, Eröffnung neuer Räume und Neubauten, Sonderveranstaltungen, Verlängerung der Öffnungszeiten, Stadtfest oder Jubiläum, eine Schließung im Vorjahr, Senkung oder Abschaffung von Eintrittsgeld. Die Rangfolge für sinkende Besucherzahlen wurde mit baulich-organisatorischen Schließungen, Witterungsbedingungen, Verkürzung der Öffnungszeiten, Einschränkung der Öffentlichkeitsarbeit, Etat-Kürzungen, erschwertem Zugang durch Bauarbeiten fortgeschrieben.

Die meistbesuchten Museen der Welt

Statistische Ergebnisse sind – je nachdem, wer wie zählt – bekanntlich geschmeidig; wenn es um das meistbesuchte  Museum der Welt geht, herrscht weitgehend Einigkeit:

Platz 1 belegt der Louvre in Paris, für den der Museumsindex der TEA (Themed Entertainment Association) zuletzt 9,3 Millionen Besucher verbuchte.

Das British Museum, London, zählte 6,7 Millionen Besucher, die National Gallery, ebenfalls in London, 6,4 Millionen Besucher, das Metropolitan Museum of Art (New York) 6,1 Millionen Besucher, die Vatikanischen Museen 5,9 Millionen Besucher, die Tate Gallery of Modern Art (London) 5,8 Millionen Besucher, das Nationale Palastmuseum von Taipeh 5,4 Millionen Besucher, die National Gallery of Art in Washington DC 3,9 Millionen Besucher, das Koreanische Nationalmuseum in Seoul reichlich 3,5 Millionen und das Musée d’Orsay (Paris) 3,5 Millionen Besucher.

Deutsche Museen finden sich nicht unter den Top 20 der weltweit besucherstärksten. Das meistbesuchte heimische Museum ist das Residenzschloss Dresden mit fast 1,3 Millionen Besuchern pro Jahr, gefolgt vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund (1,2 Millionen Besucher), dem Deutschen Museum in München (1,18 Millionen Besucher), dem Neuen Museum in Berlin (1,14 Millionen Besucher), dem Modelleisenbahn-Museum Miniatur Wunderland in Hamburg (1,07 Millionen Besucher) und dem Berliner Pergamonmuseum (1,04).

 

Welchen Einfluss das Wetter auf die Besucherzahlen in Museen hat, war gerade im durchwachsenen Sommer 2015 im Norden zu erleben. Der Regen spülte mehr als 50 Prozent zusätzliche Gäste in die Häuser. Das Europäische Hansemuseum in Lübeck etwa sackte in dieser Zeit ein Großteil seiner guten Besucherzahlen ein; 130.000 im ersten Jahr wurden bei der Eröffnung im Mai als Ziel ausgegeben. Anfang Dezember sind schon die ersten 90.000 im Visier.

Nur das Landesmuseum für Volkskunde – Freilichtmuseum in Molfsee im Kreis Rendsburg-Eckernförde mit seinen vielen Freiflächen profitierte nicht. Das könnte sich schon im nächsten Regensommer geändert haben, denn gerade entsteht nach dem Vorbild des Globushauses ein hochmoderner Medienguide.

Bekannt für den Einsatz neuer Medien sind die Gottorfer ohnehin; bei der Sonderschau „Von Degen, Säbeln und Kanonen“ wurden Besucher gleich am Eingang zum Museum Schloss Gottorf mit einem Tablet-PC ausgerüstet, der wiederum an mit Labels gekennzeichnete Stellen angelegt werden konnte. NFC-Chips (Near Field Communication) erkannten den jeweiligen Standort der Besucher und hatten die jeweils zugewiesenen Informationen parat.

Neue Wege auf der Suche nach dem Publikum (und Künstlern) von morgen geht auch die Overbeck-Gesellschaft. Neue Medien spielen hier allerdings nur Nebenrollen. „OverBlick“ heißt das Projekt, das der Kunstverein Lübeck jüngst ins Leben gerufen hat. Direktor Oliver Zybok bietet Kindern und Jugendlichen beispielsweise Workshops an – und gibt seinen Pavillon in der Zeit zwischen den Ausstellungen für die junge Lübecker Kunst frei. Kosten für die Workshop-Teilnahme: keine. Materialien werden gesponsort. Auch die Fahrt in die Innenstadt wird wenn nötig finanziert. „Denn den Bus zu bezahlen, ist für viele Familien ein Problem“, sagt Zybok, der zeitgenössische Kunst genau dahin bringen will, wo sie mutmaßlich am wenigsten zu Hause ist.

Das Potenzial für neue Besucher wäre da. Laut Statistik besuchen weltweit zwei Milliarden Menschen pro Jahr ein Museum.

 

 

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erstellt am 06.Dez.2015 | 10:26 Uhr

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