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"Die Geiselnahme": Wenn das Lachen im Hals stecken bleibt

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Hamburg | Es gibt viele Gründe, warum das Premierenpublikum bei Hans Scheibners Komödie "Die Geiselnahme" in den Hamburger Kammerspielen lachte. Aus Wut und Frust, weil viele Zuschauer selbst beim Geldanlegen ärmer geworden sind. Aus Spaß, weil das bitterböse Stück von Regisseur Hanns Christian Müller komödiantisch in Szene gesetzt worden ist. Oder es war schlicht ein befreiendes Lachen angesichts der aktuellen Meldungen aus der Bankenwelt: Gerade sind irische Banker entlarvt worden, die sich bei der Rettung ihres Geldhauses über die Euro-Staaten einschließlich der "Scheißdeutschen" lustig gemacht hatten. Selbst Hans Scheibner hatte da seine Mühe, die Realität mit den Mitteln der Satire zu entlarven. Es gelang ihm trotzdem. Am Ende stellt der Anlageberater in der Komödie fest, dass Zuhälter und Banker vieles gemeinsam hätten. Nur dass der Banker in der falschen Branche arbeite.

Langer Beifall begleitete die Uraufführung anlässlich des 60. Autorenjubiläums von Hans Scheibner. Dies auch ein Verdienst der guten Besetzung: Detlef Heydorn, Olaf Kreutzenbeck und Klaus Peeck spielen die drei Rentner, die von ihrem Anlageberater (Dietmar Horcicka) die Ersparnisse zurückfordern, die sie ihm anvertraut haben. Doch nicht nur sie wurden von dem smarten Banker betrogen. Bevor das Rentnertrio zur Tat schreiten kann, hat Zuhälter Ronaldo die Entführung in Angriff genommen. Auch er ist ein Opfer der Finanzspekulation. Ronaldo wird von Alicia begleitet, die ihre Kunden aus dem horizontalen Gewerbe ebenso kennt wie der Anlageberater seine Klientel. Vor allem Tim Grube als Zuhälter und Alexandra Kamp als Prostituierte spielen die Komödie im gut durchdachten Bühnenbild von Beatrice von Bomhard in vollen Zügen aus. So lacht das Publikum am Ende wohl auch über sich selbst, hält doch Scheibner nicht nur den Bankern, sondern auch deren Kunden einen Spiegel vor.

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erstellt am 03.Jul.2013 | 03:59 Uhr

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