zur Navigation springen

Schleswig-Holstein

11. Dezember 2016 | 07:18 Uhr

Bahnstrecke von Sylt nach Hamburg : Kommentar: Norden ohne Bahn – ein Desaster mit Ansage

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Verschlissene Züge und Schienen – wenn es den Betreibern nur um die Zahlen geht, bleibt der Kunde schon mal auf Strecke.

Marode Infrastruktur – man mag es nicht mehr hören. Ob bei den Straßen, den Schleusen, den Brücken, den Schienen und nun auch den Zügen – alles, was Deutschland am Laufen hält, befindet sich im Zustand fortgeschrittenen Verfalls. Im öffentlichen Sektor ist der Schuldige schon gefunden: Die Politik investierte lieber in spektakuläre Neubauten, als sich um die Pflege und die Wartung des Bestands zu kümmern.

Im privaten Sektor sieht es nicht besser aus, wie nun das Desaster der Nord-Ostsee-Bahn beweist. Neunzig Personenwaggons müssen auf den Prüfstand, weil die Wagenkupplungen reißen können. Auf den Tag genau einen Monat, bevor die Zuggarnituren an den neuen Betreiber DB Regio übergehen.

Leidtragende sind Tausende Fahrgäste an der Westküste, die tagtäglich auf einen verlässlichen Zugverkehr angewiesen sind. Doch Begriffe wie Verlässlichkeit, Zufriedenheit, Pünktlichkeit tauchen in einer Gewinn- und Verlustrechnung nicht auf. Wenn es um den maximalen Shareholder Value geht, bleibt der Kunde schon mal auf Strecke.

Doch das sind Erfahrungen, die Bahnfahrer auch in anderen Ländern machen mussten. Auffallend ist, dass vor allem Nationen betroffen sind, die früh auf eine Privatisierung der Eisenbahngesellschaften gesetzt haben.

Wer erleben will, dass es auch anders geht, muss in die Schweiz reisen. Saubere Züge, nahtlose Übergänge, pünktlich wie ein Uhrwerk – die Eidgenossen sind um ihr Bahnwesen zu beneiden. Das kommt nicht von ungefähr: Bei der Volksabstimmung „Bahn 2000“ haben unsere Nachbarn schon 1987 viele Milliarden Franken für die SBB bereitgestellt. Zu einer Zeit, als hierzulande noch die Privatisierung der Deutschen Bundesbahn als Allheilmittel gepredigt wurde. Schade, doch nun sind Züge und Schienen verschlissen.

Es ist Zeit für eine Bestandsaufnahme. Eine Volkswirtschaft muss definieren, welche Ziele sie konkret anstrebt. Ist uns das Bahnwesen Milliarden wert oder nicht? Hat ein Pendler in Klixbüll einen Anspruch darauf, in einer Stunde einen Arbeitsplatz in Tinnum zu erreichen? Wer Ja sagt, muss auch die nächste Frage beantworten: Wo soll das Geld herkommen?

zur Startseite

von
erstellt am 11.Nov.2016 | 19:20 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen