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Umstrittenes Projekt : Kieler Stadt-Regionalbahn auf dem Abstellgleis?

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Seit fast zehn Jahren bastelt Kiel am Konzept einer Stadt-Regionalbahn (SRB). Die Küstenkoalition unterstützt das Projekt, da es auch umliegende Städte mit Kiel vernetzten soll. Die Kosten in Höhe von mindestens 380 Millionen Euro sorgen aber für Unmut. Verkehrsminister Meyer will für die „Bimmelbahn“ kein Geld locker machen.

Kiel | Das Projekt ist hoch umstritten, ob es je auf die Schiene kommt, steht in den Sternen. Seit fast zehn Jahren bastelt Kiel am Konzept einer Stadt-Regionalbahn (SRB). Mindestens 380 Millionen Euro würde das vor allem von den Grünen erträumte Projekt kosten. Auch die Küstenkoalition im Landtag hat das geplante Projekt – jedenfalls politisch – auf der Rechnung. Die SRB sei „von landespolitischer Bedeutung, da sie eine Vernetzung von Eckernförde, Rendsburg, Neumünster, Preetz und Kiel ermöglicht“, heißt es im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und SSW. Bis zu 25 Prozent der Infrastrukturkosten will das Land übernehmen.

Ob diese Rechnung auch finanziell aufgeht, ist allerdings fraglich. Die Umlandkreise halten sich angesichts der geschätzten Betriebskosten von fast 14 Millionen Euro jährlich zurück. Selbst die Kieler Ratsversammlung geht nicht zuletzt angesichts der Widerstände aus der regionalen Wirtschaft auf Nummer sicher und plant eine Bürgerbefragung.

Zurückhaltend zeigt sich auch Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD). Der ließ schon kurz nach seinem Amtsantritt keinen Zweifel daran, dass die Finanzierung einer „Bimmelbahn“ nicht in Frage komme. Mit ihm als Verkehrsminister, stellte Meyer klar, werde es kein Geld für teure Prestige-Projekte geben.

Dazu passt, dass Schleswig-Holstein und Hamburg bei einem Nord-Gipfel Mitte September die Weichen für den Bau der S-Bahn-Linie 4 gestellt haben. 30 Millionen Euro wollen beide Länder in die konkrete Planung des neben der A20 wichtigsten norddeutschen Verkehrsprojektes stecken. Geht alles glatt, könnte 2016/17 mit dem Bau der Strecke begonnen werden. Ab 2024/25 soll mit dem 630-Millionen-Projekt der Kreis Stormarn mit der Hamburger City im Zehn-Minuten-Takt verbunden sein.

126 Millionen Euro hätte Schleswig-Holstein bei der S4 zu tragen. Das ginge automatisch zu Lasten der SRB in Kiel, zumal die S 21 von Kaltenkirchen nach Hamburg wohl den Vorzug erhalten würde.

Ohnehin fragen sich Kritiker, welchen Sinn die SRB angesichts der  bestehenden Bahn-Verbindungen von und nach Kiel macht. Neumünster und Eckernförde sind hier gut angebunden. Auf der Strecke von Rendsburg in die Landeshauptstadt sollen ab Ende 2014 mehr Züge fahren und das im Halbstunden-Takt, von Schönberger Strand (Kreis Plön) aus ab 2016.

Befürworter der SRB wollen sich mit einer immerhin 30 Millionen Euro teuren „Regionalbahn light“ nicht zufrieden geben. Die Regionalbahn sei noch nicht vom Tisch, betont der Vorsitzende des SRB-Fördervereins, Reinhold Hundt. „Solange wir darüber reden, dass es eine SRB geben soll, sind wir auf einem guten Weg.“ Den will auch die  Ratsversammlung in der Landeshauptstadt weitergehen. Deren Vorgänger hatten übrigens die Kieler Straßenbahn Ende der 70er Jahre aufs Abstellgleis geschoben. Die letzte Bahn stellte 1985 ihren Betrieb ein.

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erstellt am 02.11.2013 | 07:00 Uhr

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