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Landeskriminalamt : Kampf gegen Cybercrime: Polizei in SH rüstet auf

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Irgendwann trifft es jedes Unternehmen“: Alexander Hahn vom Landeskriminalamt sieht große Gefahren durch Internet-Kriminelle.

Wenn Alexander Hahn über Ermittlungserfolge des Landeskriminalamtes (LKA) Schleswig-Holstein zum Thema Cyberkriminalität sprechen soll, dann zeigt sich eine Sorgenfalte auf der Stirn des Leiters des Dezernats Cybercrime/Digitale Spuren. „Unsere Aufklärungsdaten sind nicht schlecht“, sagt Hahn zwar – kann aber keine konkreten Zahlen nennen. Doch eineinhalb Jahre nachdem das LKA sein Dezernat 23 geschaffen und damit alle Kräfte zur Bekämpfung der Cyberkriminalität gebündelt hat, macht er auch keinen Hehl daraus, dass er sich eine Verbesserung der Quote wünscht.

Die Gefahr durch Angriffe im Internet steigt stetig. Weil insbesondere Unternehmen Attacken nicht anzeigen, sind der Polizei häufig die Hände gebunden.

„Unser Problem ist, dass laut Studien etwa 90 Prozent der Kriminalität, die direkt mit Computern und Internet zu tun hat, im Verborgenen bleibt“, sagt Hahn. „Das Dunkelfeld ist gigantisch groß.“ Bundesweit gab es im Jahr 2015 rund 300.000 Anzeigen, in Schleswig-Holstein waren es 10.000. Zu wenig, meint Hahn.

So solle zwar nicht jeder User bei der Entdeckung einer E-Mail mit einem Trojaner, der bereits von der Sicherheitssoftware seines Rechners erkannt wurde, sofort die Polizei einschalten. Aber Hahn wünscht sich mehr Wachsamkeit bei den Schleswig-Holsteinern – vor allem den Unternehmen im Land.

Warum, das erklärt der Cybercrime-Spezialist an einem kleinen Beispiel: Erst kürzlich ging den Ermittlern ein Hacker ins Netz, der sich in die Systeme von zwölf Unternehmen im Land gehackt und versucht hatte, diese mit dem Datenklau zu erpressen. „Der Täter ging geschickt vor, wollte sich per Bitcoins bezahlen lassen“, sagt Hahn. Dabei versuchte er von wenigen hundert bis zu ein paar tausend Euro zu erpressen – letztlich ohne Erfolg. „Unser Problem ist nur, dass eben nur die wenigsten Firmen, diese Taten angezeigt haben“, sagt Hahn. Und dann seien den Ermittlern eben die Hände gebunden. Hahn warnt davor, dass sich kleinere Firmen in Sicherheit wiegten. „Die Hacker nehmen alles, was sie kriegen können. Irgendwann trifft es jedes Unternehmen.“

Wirksamer Schutz sei für alle Firmen erforderlich – sei es durch spezielle, moderne Software oder eigene IT-Spezialisten, die die Daten sichern.

Das LKA hat im vergangenen Jahr neben den sechs Ermittlern im neuen Dezernat auch 14 weitere in sieben Bezirkskriminalinspektionen eingesetzt. Die Beamten kämen zum Teil aus den eigenen Reihen und seien fortgebildet worden, so Hahn – oder es seien IT-Spezialisten aus der freien Wirtschaft. „Wer aus dieser Branche kommt und einen sicheren Job sucht, der ist bei uns gut aufgehoben“, sagt Hahn. Denn er rechnet damit, dass das Thema Cyberkriminalität weiter zunehmen werde. „Schon jetzt haben etwa 30 Prozent aller Straftaten einen direkten Zusammenhang mit Computern oder Internet.“ Doch auch der Polizei falle es nicht leicht, gute Fachkräfte zu finden – zumal die Verdienstmöglichkeiten in der freien Wirtschaft deutlich höher sein dürften als im öffentlichen Dienst.

Hahn plädiert dafür, dass den Ermittlern mehr Möglichkeiten gegeben werden, um die Täter, deren Spuren oft ins Ausland führen besser verfolgen zu können. „Wenn es etwa um Online-Durchsuchungen geht, wünsche ich mir eine objektive Diskussion“, so der Dezernatsleiter. „Da ist eine Menge Hysterie und Unwissen verbreitet.“ Den Beamten sei es zudem nicht möglich, sich im Netz so zu anonymisieren, dass sie weitgehend ermitteln könnten. Hahn: „Und das ist nicht immer fair.“

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erstellt am 16.Nov.2016 | 18:36 Uhr

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