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Schleswig-Holstein

26. Mai 2016 | 14:35 Uhr

Airport Lübeck-Blankensee : Insolvenzverwalter Klaus Pannen: Lübecker Flughafen geht Mitte April das Geld aus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es gibt noch immer keine Entscheidung, wie es mit dem Lübecker Flughafen weitergeht. In einer Sondersitzung informiert der Insolvenzverwalter über die Lage. Er sagt: Sie ist ernst, das Geld wird knapp.

In einer Sondersitzung hat der Insolvenzverwalter für den Flughafen Lübeck, Klaus Pannen, am Donnerstag den Hauptausschuss der Stadt über die Situation des Airports informiert. Er habe dem Gremium mitgeteilt, dass er nach wie vor mit zwei potenziellen Investoren mit schlüssigen Konzepten verhandele, sagte Pannen nach der nicht-öffentlichen Sitzung. Namen habe er in der Sitzung nicht genannt. Er habe auch deutlich gemacht, dass die Zeit dränge. Wenn kein Käufer gefunden werde, gehe dem Flughafen Mitte April das Geld aus.

Der Flughafen in Lübeck hat eine Reihe von Pleiten und Pannen hinter sich. Immer wieder hat man versucht, den Standort zu retten, doch ein gutes Konzept fehlte. Dabei stürzte sich die Stadt allzu blauäugig auf fadenscheinige Pläne. Zuletzt scheiterte die Idee, Medizintouristen aus China über Lübeck einzufliegen.

Der Hauptausschuss-Vorsitzende Jan Lindenau (SPD) sagte, nach Angaben Pannens bemühe sich ein Investor, über Ostern ein Finanzierungskonzept auf die Beine zu stellen. Dann werde es Anfang April eine Sondersitzung der Bürgerschaft geben, in der auch über mögliche Übergangszahlungen der Stadt beraten werde, sagte Lindenau. Die wären nötig, um die Frist für die Investorensuche noch einmal zu verlängern.

Die Lage ist ernst. Vergangene Woche hat der Airport seinen letzten Linienfluganbieter und damit seine wichtigste Einnahmequelle verloren. Die ungarische Wizz Air verlegt im April drei Strecken nach Hamburg, drei weitere Routen werden ausgesetzt. „Als geborener Optimist habe ich noch immer ein Fünkchen Hoffnung, dass der Flughafen eine Zukunft hat“, sagt Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Und Verkehrsstaatssekretär Frank Nägele (SPD) erklärt: „Ich sehe noch keinen Grund, die Flinte ins Korn zu werfen.“

Einer der Kaufinteressenten will den Flughafen erwerben, um dort dort Passagiermaschinen abzuwracken. Da Fachleute damit rechnen, dass in den kommenden 20 Jahren weltweit 12.000 Jets ausgemustert werden, könnte das Flugzeug-Recycling ein Geschäftsmodell sein. Leider soll die Finanzierung noch nicht stehen. Der zweite Interessent, ein Unternehmer aus der Region, soll zwar über das nötige Geld verfügen, aber noch kein konkretes Konzept für den Betrieb entwickelt haben.

Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD, l) und Insolvenzverwalter Klaus Pannen.
Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD, l) und Insolvenzverwalter Klaus Pannen. Foto: dpa
 

Fakt ist: Geld vom Land wird es für Lübeck-Blankensee nicht geben. „Das Betreiben von Regionalflughäfen ist keine Landesaufgabe“, sagt Verkehrsstaatssekretär Nägele. „Trotzdem wäre es schön, wenn der Flughafen bestehen bleibt, denn er dient der überregionalen Anbindung der Wirtschaft und dem Tourismus.“ Nicht umsonst habe das Land seit 1999 über sieben Millionen Euro Fördermittel in die Infrastruktur gesteckt. So wurde zum Beispiel ein Autobahnanschluss gebaut und das Instrumenten-Landesystem erweitert.

Silberstreif am Horizont ist für Nägele, dass es am Hamburger Flughafen „irgendwann zu Kapazitätsengpässen kommen wird“. Dann könnte Lübeck gebraucht werden. Denn: „Vor dem Hintergrund des deutschen Planungsrechts ist es nahezu ausgeschlossen, einfach irgendwo einen neuen Flughafen zu bauen.“ Der FDP-Politiker Christopher Vogt fordert, die Regierung müsse endlich ein zeitgemäßes Luftverkehrskonzept für Norddeutschland anstoßen. „Wenn Lübeck als dritte Start- und Landebahn vom Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel übernommen werden würde, wäre das ein ideales Modell für die Zukunft.“

Tatsächlich scheint Hamburg aber kein Interesse an Lübeck zu haben, griff bei den bisherigen Pleiten des Flughafens nicht zu. Offenbar sieht das Management für den 2010 nach zehn Jahren Bauzeit modernisierten Airport Hamburg noch viel Luft nach oben. Die Kapazitätsgrenzen könnten durch weitere Terminals auf dem Vorfeld, erhöhte Flugbewegungen und durch die Größe der eingesetzten Maschinen gehoben werden, sagt Luftfahrtexperte Andreas Spaeth. Tatsächlich hat sich bereits die Zahl der Starts und Landungen trotz steigender Passagierzahlen nicht entsprechend erhöht – weil die Flieger immer mehr Sitzplätze haben.

Die Grünen in der Lübecker Bürgerschaft haben deshalb von Bürgermeister Saxe eine „Schlussrechnung“ gefordert. Er müsse jetzt aufschlüsseln, wie viele Millionen Euro er am Flughafen versenkt habe, so Fraktionsvorsitzender Thorsten Fürter. „Die Frage nach der politischen Verantwortung ist unumgänglich.“

Pannen sucht seit Monaten nach Interessenten für den Flughafen. Der Airport hatte nach dem Rückzug des chinesischen Investors Chen Yongquiang im September 2015 zum zweiten Mal Insolvenz anmelden müssen.

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erstellt am 23.Mär.2016 | 19:09 Uhr

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