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Schleswig-Holstein

03. Dezember 2016 | 14:43 Uhr

Flensburger Traditionsbetrieb : Insolvenz bei Schlachterei Jepsen

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Betrieb soll fortgeführt werden. Gesucht werden Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Sanierung und ein Investor.

Flensburg | Böse Überraschung hinter der Fleischtheke: Malte Jepsen musste am späten Freitagnachmittag beim Amtsgericht Flensburg einen Insolvenzantrag für seinen Traditionsbetrieb „Schlachter Jepsen GmbH & Co KG“ stellen. Damit bangen nun auch die derzeit 135 Beschäftigten um ihre Zukunft. Das Flensburger Unternehmen an sechs Standorten besteht seit 40 Jahren und gehört zu den größten seiner Art in Schleswig-Holstein. In zweiter Generation betreibt die Familie Jespen die Produktion und den Verkauf von Fleisch- und Wurstwaren, eine Restauration sowie einen Cateringservice.

Schlachtereien sind vom Aussterben bedroht. Mit dem Flensburger Unternehmen Jepsen gerät einer der größten Betriebe in Schleswig-Holstein in Not.


Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Peter-Alexander Borchardt von der Hamburger Kanzlei Reimer Rechtsanwälte bestellt. Für die Kunden hat das Insolvenzeröffnungsverfahren erstmal keine Konsequenzen: Der Geschäftsbetrieb werde an allen Standorten zunächst unverändert fortgeführt. Die Gehälter der Beschäftigten sei bis zum 30. Juni 2016 durch das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert, so der Insolvenzverwalter. Es würden nun sämtliche wirtschaftlich sinnvollen Optionen geprüft. Dazu zählen  sowohl  eine  mögliche  Sanierung des Betriebes oder die Übernahme durch einen Investor. „Wir werden alles versuchen, um bestehende Arbeitsplätze zu sichern“, versichert Borchardt.

Die Gründe für den Insolvenzantrag sind in den Augen von Malte Jepsen mehrschichtig: „Wesentlich waren ein geändertes Konsum- und Einkaufsverhalten der Verbraucher, gepaart mit hohem Preisdruck durch den Wettbewerb", so der Inhaber und Geschäftsführer des Unternehmens.  Zum einen sei der Fleischkonsum seit Jahren rückläufig. Gleichzeitig würden die Verbraucher Fleisch- und Wurstwaren zunehmend bei Supermärkten und Discountern einkaufen. Diese Verkaufsstellen hätten sich zudem inzwischen auf die steigende Nachfrage nach regionalen und nach Bio-Produkten eingestellt und somit kleineren Wettbewerbern ihr früheres Alleinstellungsmerkmal genommen. „Anders als in der Vergangenheit, konnte die Schlachterei Verluste aus dem Ladenverkauf zuletzt nicht mehr durch die Bereiche Gastronomie und Catering auffangen“, sagt Borchardt. Daher sei  keine andere Wahl geblieben, als Insolvenzantrag zu stellen. Die Verbindlichkeiten des Unternehmens liegen nach erster Prüfung im mittleren sechsstelligen Bereich.

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erstellt am 01.Mai.2016 | 09:25 Uhr

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