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Inselmagazin

03. Dezember 2016 | 14:49 Uhr

Insel-Chöre : Wenige Auftritte und viel Spaß

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der Gospel-Chor der St.-Nicolai-Gemeinde besteht seit 23 Jahren. Derzeit gibt es rund 40 Mitglieder.

Eine gute handvoll Auftritte absolvieren die rund 40 Sänger des Gospel-Chores „Unföhrgettable“ pro Jahr. Nicht viel, könnte man meinen, doch der Minimalismus ist gewollt. Viele der Akteure sind berufstätig und haben gerade in der Saison wenig Zeit. Und der Spaß stehe immer noch im Vordergrund, betont Andrea Arfsten, „in Stress soll das Singen nicht ausarten“.

Arfsten leitet den Chor und bildet eine Doppelspitze mit Jörg Weißbach, der für den instrumentalen Bereich zuständig ist. Der Pastor der evangelischen Gemeinde St. Nicolai hatte den Gospel-Chor St. Nicolai vor rund 23 Jahren aus der Taufe gehoben. Die weitere Entwicklung überraschte alle Beteiligten. Denn die paar Menschen, so Weißbach, die im Frühsommer 1993 im Gemeindehaus in der St.-Nicolai-Straße zusammengekommen waren, wollten lediglich gemeinsam singen. Ein, zwei Männer, junge Mütter, deren Aufmerksamkeit zwischen Liedertexten und Kinderwagen pendelte, auch Andrea Arfsten war damals schon dabei, und eben der Pastor. Der sich erinnert, dass der Gesang mit Gospel noch nichts zu tun hatte, „es war eher eine bunte Mischung aus allen Stilrichtungen“.

Weißbach wurde bei der offiziellen Gründung im Herbst 1993 zum Vorsitzenden gewählt. Keine glückliche Konstellation, denn der Chorleiter begleitete die Sänger von Beginn an am Klavier. Dies aber ließ sich nur schwer mit dem Dirigieren vereinbaren. Einer der Gründe, weshalb Andrea Arfsten im Jahr 2000 die Leitung übernahm. Einen weiteren liefert Jörg Weißbach selbst: „Sie kann es einfach besser.“

Die neue Doppelspitze sollte nicht die einzige Veränderung bleiben: Als der Radio-Moderator Jan Malte Andresen den Gospel-Chor St. Nicolai Anfang der 2000-er Jahre singen hörte, befand er sie als „unföhrgettable“ und der neue Name war geboren. Da waren aus einigen wenigen längst rund 40 Sänger geworden, die öffentliche Auftritte – nach der Premiere 1995 bei der Kofirmation in St. Nicolai – nicht mehr schrecken konnten: Bei Konfirmationen etwa, den Sommer-, Advents- und Winterkonzerten, dem Gemeindekonzert und alle zwei Jahre beim Inselsingen. Viel wichtiger aber ist allen Beteiligten das liebevoll gepflegte soziale Miteinander. Donnerstags, bei den wöchentlichen Probenabenden, trifft man sich sowieso im Gemeindehaus. Dazu kommen vermehrt runde Geburtstage oder besondere Hochzeitstage von Mitgliedern. Denn viele sind seit den Anfangsjahren dabei und mit dem Chor in die Jahre gekommen. Ein- bis zweimal im Jahr werden Reisen unternommen. Die führten in der Vergangenheit nach Göteborg, Lüneburg, Bremen, Sylt oder Amrum. Seit einigen Jahren ist die Insel Røm eine feste Adresse; das dortige Freizeitheim der nordschleswigschen Gemeinde kann auch von den hiesigen Kirchenkreisen genutzt werden.

Früher machten sich die Sänger zudem alle zwei Jahre auf zum Koppelsberg. Dort trafen sich beim Chormeeting in Plön Gospel- und Jugendchöre aus ganz Nordelbien zum gemeinsamen Singen. Drei-, viermal waren sie dabei, bis die Organisatoren die Veranstaltung in den Sommer verlegten. Die Insulaner mussten passen, der Saison auf Föhr geschuldet. Dass die Zeit toll gewesen sei, betonen Andrea Arfsten und Jörg Weißbach unisono: Viele Chöre habe man kennengelernt, die auch zum Gegenbesuch nach Föhr kamen.

2009 holten die Sänger dann gleichsam den Koppelsberg auf die Insel. Mit großem Aufwand und noch größerem Erfolg wurde ein Workshop initiiert, für den als Leiterin die dänische Saxofonistin, Komponistin, Arrangeurin, Musiklehrerin und Workshopleiterin Hanne Rømer gewonnen werden konnte. Der habe enorm viel gebracht, schwärmt Andrea Arfsten noch heute. In Sachen Motivation sowieso, und „musikalisch nimmst du immer etwas mit, wenn ein solcher Profi kommt und dir Erarbeitungsstrategien an die Hand gibt“. Offensichtlich hatte es auch Hanne Rømer gefallen, die 2013 anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Chores zu einer Neuauflage auf die Insel gekommen war. Wiederum zu einem Workshop, an dem mehr als 80 Sänger teilnahmen; neben den „Unföhrgettables“ unter anderem „Soul and More“ aus Escheburg, „Pink Pepper“ aus Lautenbach im Schwarzwald und eine Abordnung des „Special Chores“ aus Tellingstedt. Im vergangenen Jahr waren die Föhrer dann wieder selbst auf einer – kurzen – Reise. Nach Amrum, wo mit Darius Rossol ein Workshopleiter aus Köln zu Gast war, der mit rund 50 Sängern ein Programm einstudierte. „Wir haben so viel mitgenommen, dass wir ihn gleich für dieses Jahr verpflichtet haben“, ist die Chorleiterin noch immer begeistert. Am 1. und 2. Juli ist es soweit, findet auf Föhr ein offener Workshop statt, zu dem sich jeder anmelden kann.

Instrumental begleitet werden die Sänger neben Jörg Weißbach am Klavier von Lars Behrendsen und Thomas Wiesner (Gitarre) sowie Volker Meuche (Percussions), und Ole Asmussen (Schlagzeug); Lars Böttcher kümmert sich um die Technik.

Das Repertoire des Chores ist breit gefächert, reicht von der Kirchenmusik bis zum Volkslied und geht weit über die Klassiker „Oh happy day“ oder „Michael Row The Boat Ashore“ hinaus. Täglich würden neue Lieder produziert, und darunter seien viele gute, sagt Jörg Weißbach. Der „Modern Gospel“, wie es der Pastor nennt, biete Schnittmengen zum Jazz und zum Pop, zu klassischer Kirchenmusik und vielen anderen Stilen. Das werde auch in den Workshops deutlich. Wie bei Hanne Rømer etwa, wo der Jazz im Vordergrund stehe, oder bei Darius Rossol, bei dem der Fokus mehr auf der modernen Kirchenmusik läge. „Wir versuchen das moderne Spektrum abzudecken, weil die Entwicklung enorm ist.“

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erstellt am 20.Apr.2016 | 00:00 Uhr

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